Verstecktes Schmuckstück neben berüchtigter Unfall-Kurve: Im „Funk am Bach“ leben drei Generationen

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Ein Schmuckstück: Den Hof „Funk am Bach“ haben (v.l.) Franz und Elisabeth Greinsberger mit (ab 4.v.l.) Sebastian und Maria Stadler saniert. Auch die drei Buben Johannes (M.), Sebastian und Xaver (nicht im Bild) packten mit an. © Thomas Plettenberg

Mehr als 1100 Baudenkmäler gibt es im Landkreis, doch nicht alle werden bis heute genutzt. In der Serie „Lebendige Denkmäler“ stellen wir ausgewählte Gebäude und ihre Bewohner vor – darunter den Hof „Funk am Bach“.

Fischbachau – Wer mit dem Auto die Funkkurve zwischen Wörnsmühl und Hundham passiert, schaut idealerweise nur in eine Richtung: auf die Straße. Schließlich ist der schlecht einsehbare Bereich für seine häufigen Unfälle bekannt, oft kracht es mehrmals im Jahr immer an derselben Stelle. Der eigentliche Namensgeber der Kurve – der benachbarte Hof „Funk am Bach“ – dürfte vielen konzentrierten Autofahrern dabei entgehen.

Dass die Ausflügler, Urlauber und vielleicht auch mancher Einheimischer damit etwas ganz Besonderes verpassen, haben die Familien Stadler und Greinsberger mittlerweile sogar schriftlich: Der Hof aus dem Jahr 1880 wurde mit der Denkmalschutzmedaille des Landkreises ausgezeichnet. Seit 2022 strahlt seine prächtige, ungewöhnlich hohe Fassade wieder wie im ersten Jahr.

Original von 1880: In der Maserung der Eichenholztür sind die beiden Heiligen Florian und Leonhard eingearbeitet.
Original von 1880: In der Maserung der Eichenholztür sind die beiden Heiligen Florian und Leonhard eingearbeitet. © Thomas Plettenberg

In mühsamer Handarbeit der Schreinerei Auracher und des Malerbetriebs Eppensteiner, aber auch mit viel Eigenleistung der gesamten Familie, richteten die stolzen Eigentümer Balkone, Fenster und Läden her und arbeiteten die Maserung im Eichenholz der rund 145 Jahre alten Haustüre heraus. Der heilige Florian, Schutzpatron der Feuerwehr, und der heilige Leonhard, Schutzpatron der Viecher, wachen seither wieder deutlich sichtbar unter dem Gruß über der Tür: „Alle die da gehen aus und ein sollen von Gott gesegnet sein.“

Lüftlmalerei kam erst 1970 dazu

Die Lüftlmalerei über den Fenstern, die erst 1970 aufgetragen wurde, verschwand hinter schlichtem, weißem Putz. „Das Haus wirkt jetzt ganz anders, größer irgendwie“, meint Elisabeth Greinsberger, die mit ihrer Familie auf dem Hof lebt, auf dem sie selbst schon aufgewachsen ist. Die Balkone und die Haustüre kämen nun wieder mehr zur Geltung.

Zumindest von außen sieht das Gebäude damit aus, wie kurz nach der Erbauung. „Damals sind Italiener nach Deutschland gekommen und haben das Haus gemauert“, erklärt Franz Greinsberger. Was genau die Saisonarbeiter damals aufeinanderschichteten, ließ sich beim Herunterschlagen des alten Putzes nachvollziehen: Ziegel, aber auch Steine aus dem angrenzenden Bachbett und aus dem Steinbruch finden sich im 60 Zentimeter dicken Gemäuer.

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Im Sommer hält das bis heute schön kühl, nur im Winter ist das Haus etwas schwerer zu heizen. „Ein Eishaus“, erinnert sich Elisabeth Greinsberger schmunzelnd an ihre Kindheit zurück. Schon damals waren auch die markanten Eisenstäbe in den Fensterrahmen im Erdgeschoss eingesetzt, die die Familien jetzt erneuern ließen. „Bis zur dritten Klasse hab‘ ich da noch durchgepasst, dann war Schluss“, scherzt Greinsberger.

Dritter Stock für die Region ungewöhnlich

Dass sie alle Arbeiten mit dem Denkmalschutz und Kreisbaumeister Christian Boiger abstimmen mussten, war auch Maria und Sebastian Stadler, den Eltern von Elisabeth Greinsberger, nicht unrecht. „Dann werd's was Gscheids“, sagt Maria Stadler, „gerade, wenn man sich anschaut, wie heute oft gebaut wird.“ Dabei herausgekommen sei die beste Lösung.

Mitgeholfen haben beim Sanieren alle Generationen auf dem Hof, vom sechsjährigen Johannes bis zu seinen Großeltern. Dass sie das Denkmal nicht nur als Familienerbe, sondern auch als schmuckes Wohnhaus für viele weitere Generationen erhalten wollen, daran lassen die Familien keinen Zweifel aufkommen. Neben ihnen wohnen noch einige Mieter und Feriengäste in den zahlreichen Zimmern hinter den insgesamt 44 Fenstern. Das Dachgeschoss – der ungewöhnliche dritte Stock – könnte irgendwann zusätzlichen Platz für einen Ausbau bieten.

Teamarbeit: Johannes half mit großer Begeisterung beim Putzabschlagen.
Teamarbeit: Johannes half mit großer Begeisterung beim Putzabschlagen. © Privat

Direkt an das Wohnhaus grenzt außerdem der Kuhstall an, in dem bis heute Viecher untergebracht sind. Auch das ist so eine Besonderheit, die die Autofahrer im Vorbeirauschen kaum wahrnehmen können: Die Decke kommt vollständig ohne Stahl- oder Holzträger aus. Stattdessen ziert den Stall böhmisches Gewölbe. 185 Jahre alt, aber noch immer ein fester Bestandteil des lebendigen Denkmals. nap

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