Riesen-Wallfahrt im Tarnanzug: Soldaten pilgern nach Lourdes

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Höhepunkt jeder Lourdes-Wallfahrt: die abendliche Lichterprozession mit der von der Schweizergarde eskortieren, angeleuchteten Madonna. © Elena Kronenbitter

Soldaten aus 45 Nationen sind nach Lourdes gepilgert. Mit dabei: Elena Kronenbitter, ehemalige Offiziersschülerin des Fliegerhorstes.

Fürstenfeldbruck – Jedes Jahr lädt der französische Militärbischof Soldaten nach Lourdes ein. Aus Deutschland und vielen anderen Nationen pilgern sie zum gemeinsamen Treffen. Und das beginnt schon in Deutschland. Denn zum Auftakt der internationalen Soldatenwallfahrt haben sich über 300 meist uniformierte Pilger des langen Sonderzuges am Bahnsteig vor einem kleinen Altar zu einer Andacht versammelt. Nach dem Reisesegen der beiden Militärpfarrer beginnt die rund  24 Stunden dauernde Zugfahrt in die französische Pyrenäenstadt. Der Weg ist ein Teil des Ziels und im spartanischen Liegewagen fast so anstrengend wie eine Fußwallfahrt nach Andechs.

Am Bahnhof in Lourdes erwartet die Wallfahrer in Uniform ein Standkonzert vom Heeresmusikkorps aus Koblenz. Kronenbitters mindestens 25 Kilo schwerer Rucksack landet in dem Container, auf dem Zeltlager steht – und nicht etwa im Bus, in dem buchstäblich die Warmduscher sitzen. Der „Lourdes-Spirit“ sei ungleich mehr im Feldlager erlebbar, wo man dicht an dicht mit Soldaten andere Nationen lebe und esse. Unzählige Acht-Mann-Zelte samt Feldbetten stehen dafür auf einem Hügel oberhalb des heiligen Bezirks.

Soldatenwallfahrt in Lourdes
Ein Selfie mit der Guardia di Finanza: Die Italiener schießen gerne ein paar Bilder – vor allem mit Soldatinnen aus anderen Nationen. © Elena Kronenbitter

Eröffnet wird die internationale Soldatenwallfahrt in der unterirdischen Basilika Pius X. Die Kirche mit den 40 000 Menschen zu füllen, die hier theoretisch Platz finden, war kein Problem. Zu Beginn der Zeremonie läuft jede Nation mit ihrer Truppenfahne ein. Die Hymne tönt aus den Lautsprechern und die jeweilige Nation macht ordentlich Krach, singt Lieder und jubelt beim Einzug – fast wie im Fußballstadion. Beim Einzug der ukrainischen Delegation bricht die gesamte Pilgerschaft in Applaus aus, alle Soldaten erheben sich.

Sehr stolzer Fahnenträger

Die deutsche Fahne trägt Darius. „Ich bin mit dem Wachbataillon zum ersten Mal nach Lourdes mitgefahren“, erzählt der Hauptgefreite. „Es ist eine wahnsinnige Möglichkeit, unser Land in Frankreich zu repräsentieren.“

Bei der Wallfahrt gehe es nicht mehr nur um den (katholischen) Glauben, sondern um Begegnungen und den Austausch. Und damit ist auch der Tausch von Uniformteilen gemeint: An der unter den Pilgern bekannten „Tauschbrücke“ trifft sich jeder, der ein Barett der Franzosen oder eine Feldhose der Italiener haben möchte – oder ein besonderes Patch tauschen will. Da kommt es nicht selten vor, dass am Ende der Wallfahrt gar nicht mehr so genau erkennbar ist, welcher Nation ein Soldat dient.  

Marsch zieht Touristen an

Höhepunkt ist die Lichterprozession zu Ehren der Heiligen Maria. Über 10 000 Soldaten ziehen durch den Heiligen Bezirk – allen voran die Schweizergarde, die als Vatikanvertreter die Marienstatue trägt. Dahinter folgen Kranke und Verwundete, und zum Schluss die Soldaten. Jeder betet in seiner eigenen Sprache, nur das „Ave Maria“ singen alle zusammen.

Viele Touristen reisen extra für die „Pèlerinage militaire international“ nach Lourdes und sehen riesige Marschformationen, internationale Militärkapellen und laute Marschgesänge in engen Gassen, zwischen Cafés und Souvenirläden. Unter den Teilnehmern gibt es viele Wiederholungstäter. Die Distanz zum Dienstalltag, das gemeinsame Gebet für den Frieden und die internationalen Begegnungen machen Lourdes zu einem besonderen Ort – fast magisch. (Elena Kronenbitter)

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