Nach dem Abschlussappell: Offizierschule als Lebensschule

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Vom Vorstand des Arbeitskreises der Luftwaffe Bayern, dem Obersten der Reserve Herbert Gruber (l.), und Martin Arzberger erhält Elena Kronenbitter beim Abschlussappell den Bestpreis. © Bundeswehr/Wagner

Sie ist an die Grenzen gegangen und hat für ihr Leben gelernt. Nun ist Elena Kronenbitter Reserveoffizierin und blickt auf den Lehrgang zurück.

Fürstenfeldbruck - Im Jahr 2025 zieht die Offizierschule der Luftwaffe ins fränkische Roth. Elena Kronenbitter aus Kottgeisering hat einen der letzten Offizierlehrgänge auf Fursty besucht und immer wieder darüber berichtet. Nun blickt sie im Interview auf die Zeit zurück.

Frau Kronenbitter, drei Monate Grundausbildung und acht Monate Offizierslehrgang liegen hinter Ihnen. Rund zehn Prozent haben wiederrufen oder sich zurückstellen lassen – wie ist es Ihnen ergangen?

Es war eine sehr intensive und spannende Zeit. Ich habe wahnsinnig viel erlebt und durfte viele neue Leute kennenlernen. Vor allem der Offizierlehrgang in Fursty hat mir Spaß gemacht, weil ich nicht nur viel über Menschenführung, Wehrrecht oder Innere Führung gelernt habe, sondern auch sehr viel für mich selber mitnehmen konnte, was mir in meinen weiteren, nicht-militärischen Lebensabschnitten sicher weiterhelfen wird.

Was war das Highlight in Ihrer Fursty-Zeit?

Spontan würde ich die Segelflugwoche sagen. Die Möglichkeit, zwanzigmal einen Start zu erleben und am Steuer eines Flugzeuges sitzend in der Thermik zu kreisen, war einmalig. Eine meiner Lieblings-Erinnerungen war auch die Luftwaffenreise zu verschiedenen Stützpunkten in Deutschland. Als wir von Wunstorf zurück nach Memmingen geflogen sind, durfte ich beim Start vorne im Cockpit sitzen. Das war ein wahnsinniges Gefühl, weil man nicht nur wie in Passagierflugzeugen aus seinem Fenster schauen kann, sondern auch eine Sicht nach vorne auf die Startbahn hatte. Da habe ich realisiert, dass ich in der richtigen Teilstreitkraft bin.

Der Kommandeur der Offizierschule, Brigadegeneral Stefan Scheibl, sagte bei der Verabschiedung, dass jetzt andere Menschen vor ihm stehen als zu Beginn des Lehrgangs. Haben Sie sich verändert?

Was ich so von meinem privaten Umfeld mitkriege, habe ich mich schon ein Stück verändert. Ich merke das auch selbst, zum Beispiel treibe ich noch mehr Sport. Durch das Bewältigen unterschiedlichster Aufgaben, die mich zugegebenermaßen auch manchmal aus meiner Komfortzone gezwungen haben, konnte ich mein Selbstvertrauen deutlich steigern. Und klar, einiges gewinnt man beim Militär auch an Disziplin dazu. Nur mit dem „Bettenbau“ hab ich – zumindest zuhause – noch meine Probleme.

Sie haben bei den Bestpreisen ganz schön abgeräumt: einen für die beste sportliche Gesamtleistung unter den Offizieranwärterinnen und einen für den besten Reserveoffizier des Jahrgangs. Damit waren Sie die einzige Frau unter den sechs Preisträgern.

Das schneller-höher-weiter des Einzelnen ist nicht so im Fokus der Bundeswehr – es zählt vor allem die Teamleistung. Insofern habe ich die Auszeichnungen auch meinen Kameraden zu verdanken, weil wir uns gegenseitig immer motiviert haben. Damit meine ich nicht nur das Anschreien während des Combat Fitness Tests, die schwere Munitionskiste noch einmal und noch einmal nach oben zu wuchten, sondern auch die gemeinsamen Läufe und Trainingseinheiten nach Dienst.

Von Ihrem Abitur-Jahrgang waren Sie die einzige, die zur Bundeswehr gegangen ist – was hat Sie, noch dazu als Frau, bewogen, Dienst an der Waffe zu leisten?

In meiner Oberstufen-Zeit habe ich im Seminar „Berufe“ die Bundeswehr vorgestellt. Dann war da noch ein Praktikum beim Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe in Kaufbeuren. Irgendwann kam mir der Gedanke: „Wieso will ich mich nicht einfach mal bewerben?“. Auch wollte ich in meinem Umfeld ein Zeichen setzen und das tun, wo jeder sagt „das ist kein Frauenberuf.“ Ich finde es wichtig, diese nicht mehr zeitgemäßen Klischees aufzubrechen. Die Bundeswehr und der Dienst an der Waffe sind längst keine reinen Männeraufgaben mehr. Gleichzeitig wollte ich auch - wie Gleichaltrige es in einem freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) tun - meinem Land etwas zurückgeben. Nur halt in Form von einem Wehrdienst. 

Elena Kronenbitter beim Familienbesuchstag in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim am Tag ihrer Vereidigung mit ihrer Schwester Florina und Cousine Emilia (v.l.).
Elena Kronenbitter beim Familienbesuchstag in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim am Tag ihrer Vereidigung mit ihrer Schwester Florina und Cousine Emilia (v.l.). © Kronenbitter

Sie haben sich für zwei Jahre verpflichtet und noch ein Jahr Restdienstzeit. Wo geht’s jetzt hin?

Nach Berlin. Im Presse- und Informationszentrum in Gatow werde ich zum Presseoffizier ausgebildet. Neben dem Umgang mit den Medienschaffenden geht es auch darum, die Bundeswehr und speziell die Luftwaffe in der Öffentlichkeit medial gut darzustellen. Das Interesse der Leute an der Bundeswehr ist in den letzten Jahren ja deutlich gestiegen, deswegen wird das sicher eine spannende Aufgabe, auf die ich mich freue.

Und was machen Sie nach Ihrer Bundeswehr-Zeit?

Das ist eine Frage, die mir fast immer gestellt wird, wenn ich erzähle, dass ich nicht beim Bund, sondern zivil studiere. Aktuell bin ich an einem Landschaftsarchitektur-Studium interessiert. Vielleicht kriege ich auch ein attraktives Verlängerungsangebot von der Bundeswehr. Wenn nicht, freue ich mich aber auf spätere Reservedienstleistungen.

Feierliche Übergabe des Offizierspatents an Elena Kronenbitter durch Oberst Michael Freiherr von Maltzahn, Kommandeur der I. OSLw.
Feierliche Übergabe des Offizierspatents an Elena Kronenbitter durch Oberst Michael Freiherr von Maltzahn, Kommandeur der I. OSLw. © Bundeswehr/Wagner

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