„Brauchen dringend einen Wechsel!“: Er will Ebersbergs Bürgermeister stürzen - mit neuem Beistand

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Ebersberg

Kommentare

Josef Peis, auch 2026 Bürgermeisterkandidat von Pro Ebersberg. © Peter Kees

Josef Peis probiert es zum zweiten Mal: Für das Bündnis Pro Ebersberg tritt er kommendes Jahr gegen Amtsinhaber Ulrich Proske als Bürgermeister-Kandidat an. Dieses Mal mit zusätzlichem Rückhalt: Es zeichnet sich Unterstützung aus der CSU ab.

Ebersberg – Knapp 20 Personen sitzen im Nebenzimmer eines Ebersberger Lokals, darunter drei CSU-Mitglieder. Die anderen: stimmberechtigte Mitglieder der Wählergemeinschaft Pro Ebersberg, die sich zur Nominierung ihres Bürgermeisterkandidaten für die Stadt Ebersberg anlässlich der Kommunalwahl im kommenden März versammelt haben. Es gibt nur einen Kandidaten: den derzeitigen Dritten Bürgermeister der Kreisstadt, Josef Peis.

Und der 52-Jährige stellt gleich zu Beginn klar, was ihm wichtig ist: Offenheit. „Wie gehen wir damit um, dass bei einer offenen und ehrlichen Aussprache die Öffentlichkeit anwesend ist?“, fragt ein Teilnehmer – gemeint sind der anwesende Pressevertreter und die CSU-Gäste. Peis reagiert gelassen: „Ich habe kein Problem, wenn nicht hundert Prozent für mich sind.“

Bei der Vorstellung seines Wahlprogramms beginnt Peis, beruflich Diözesanratsgeschäftsführer der Katholiken im Bistum München und Freising, mit Fragen ans Plenum: „Was macht Euch aus? Was macht Ebersberg aus?“ Seine Antwort darauf: Genau das, was Ebersberg ausmacht, wolle er „erhalten und weiterentwickeln“. Voraussetzung dafür sei eine wirtschaftlich und finanziell starke Stadt.

„Mehr Strategie, mehr Plan, mehr Konzept“: Peis‘ Spitzen gegen Bürgermeister Ulrich Proske

Er betont: „Jede Sitzung steht und fällt mit der Moderation – die in den letzten fünf Jahren im Ebersberger Stadtrat gefehlt hat.“ Eine von mehreren Spitzen gegen den amtierenden Bürgermeister Ulrich Proske (parteifrei/SPD). Peis fordert: „Wir brauchen dringend einen Wechsel!“ Er sehe sich als geeigneten Moderator, der die Stadt voranbringen könne: „Ein Bürgermeister muss sich für die Stadt einsetzen und die Herausforderungen anpacken.“ Nur so könne Ebersberg Kultur- und Sportstadt bleiben. Sein Appell: „Wir brauchen mehr Strategie, mehr Plan, mehr Konzept als bisher.“

Dafür wolle er als gemeinsamer Kandidat von CSU und Pro Ebersberg ins Rennen gehen. „Wir müssen viel mehr miteinander arbeiten“, sagt Peis mit Blick auf aus seiner Sicht bestehenden Blockaden im Stadtrat und mangelnde Kommunikation zwischen Stadtrat und Verwaltung. In Zusammenarbeit über Parteigrenzen und Gremien hinweg könne das geändert werden – „mutiger und mehr miteinander“.

Plädoyer für Wechsel in der Finanzpolitik

Auch Themen wie Klimawandel, Energiewende und soziale Fragen finden ihren Platz in seiner Rede. Zwar bezweifelt der Pro-Ebersberg-Mann, dass Ebersberg bis 2030 oder 2035 klimaneutral wird, fordert aber strukturellen Wandel. Er spricht über Gemeinwohlökonomie, Schwerlastverkehr, Wohnungsbau, Einsamkeit und Armut – und betont: „Es braucht starke Gewerbe, damit wir uns Dinge leisten können.“

Nebenbei: Die Stadt könne 2,5 bis 2,8 Millionen Euro an Mehreinnahmen erzielen, wenn die bislang nicht verkaufbaren Bauparzellen in Hörmannsdorf geteilt würden. „Solche Beispiele gibt es mehrere – aber Ebersberg zahlt lieber Zinsen“, kritisiert er. Der Grund aus seiner Sicht: „Die Stadt wird nicht verantwortungsvoll und zielstrebig geführt.“

Zusammenarbeit mit der CSU zeichnet sich ab: „Ehre für mich!“

Die Annäherung an die CSU erklärt Peis vor allem mit gemeinsamen Positionen in Finanz- und Haushaltsfragen. Deshalb nun die Zusammenarbeit mit der CSU. Auf deren Aufstellungsversammlung werde er als Kandidat auch der CSU-Basis vorgeschlagen: „Eine Ehre für mich.“

Dann wird klar, warum manchem im Raum die öffentliche Diskussion zunächst Bauchschmerzen bereitete. Denn auf Peis Rede folgt eine hitzige Debatte. Einige Stimmen fordern mehr Substanz: „All das lese ich in jedem Wahlprogramm. Was willst du konkret?“ Oder: „Früher war die CSU unser Hauptgegner, und jetzt bist du CSU-Kandidat. Werden wir dadurch nicht weichgespült?“

Es sind Fürsprecher wie Pro-Ebersberg-Stadtrat Gerd Otter und die CSU-Gäste Josef Riedl und Marina Matjanovski, die betonen, dass Kommunalpolitik Sachpolitik und keine Parteipolitik sei. CSU-Ortsverbandsvorsitzender Alexander Fabrici lobt gegenüber der EZ Josef Peis für seine Managementfähigkeiten, die künftig klare Linien im Ebersberger Rathaus versprächen, welche Amtsinhaber Proske fehlten: „Wir sind fest davon überzeugt, dass er der richtige Mann ist.“ Und Peis versichert: „Pro Ebersberg steckt schon noch in mir.“

100 Prozent Rückhalt für den Kandidaten und die Zusammenarbeit von Pro Ebersberg mit der CSU

Am Ende steht ein eindeutiges Ergebnis: 100 Prozent Zustimmung für Josef Peis als Bürgermeisterkandidat, 100 Prozent Rückhalt für die Zusammenarbeit mit der CSU und 100 Prozent Unterstützung für ihn – selbst wenn die CSU ihn bei ihrer Aufstellungsversammlung am 25. November doch nicht mittragen sollte. Ein mögliches weiteres Bündnis mit der FDP wird angedeutet. Auf die von einigen als Partner gewünschten Grünen sei Peis ebenfalls zugegangen, doch: „Die lassen sich nicht in die Karten schauen.“

Josef Peis wird damit als Bürgermeisterkandidat eines „Bündnisses der bürgerlichen Mitte“ gehandelt. 2020 holte er 9,35 Prozent der Stimmen. Damals stellte die CSU einen eigenen Kandidaten und erreichten mit Alexander Gressierer 30,84 Prozent.

Auch interessant

Kommentare