In den Werkstätten des Einrichtungsverbunds Steinhöring wird mit Engagement gearbeitet. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Doch die Eigenproduktion bleibt ein Lichtblick.
Steinhöring - Stolz zeigt Florian die Bremspedale, die sein Team hier für Traktoren und Gabelstapler produziert. Neben ihm wird sortiert, montiert, geschreinert und verpackt. In den vier Werkstattstandorten des Einrichtungsverbunds Steinhöring – Steinhöring, Eglharting, Fendsbach und Ebersberg – arbeiten rund 415 Menschen mit Behinderung, mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Unterstützungsbedarf.
„Wir suchen nicht nach Arbeit, für die wir Leute finden, sondern nach Arbeit, die zu den Menschen passt“, bringt Einrichtungsleiterin Gertrud Hanslmeier-Prockl das Prinzip auf den Punkt. In den Werkstätten sind Menschen mit hohem Hilfebedarf, mit kognitiven Beeinträchtigungen oder mit psychischen Erkrankungen tätig. Für viele von ihnen wäre eine Anstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht möglich. Doch alle haben das gleiche Recht auf Arbeit – und sie nehmen dieses Recht mit großem Engagement wahr. Moritz etwa sortiert Wäsche und betont freudigst, dass das hier seine Aufgabe ist. Er strahlt.
Wäsche, Werkzeug, warme Küche
Für viele ist die Werkstatt ein zentraler Teil ihres Lebens. Sie kommen nicht nur wegen der Arbeit, sondern auch wegen der sozialen Kontakte, der Struktur – und weil sie stolz auf das sind, was sie leisten. Überall wird man freundlich und natürlich neugierig begrüßt. „Unsere Leute arbeiten gerne. Sie freuen sich auf ihre Kolleginnen und Kollegen, und sie wollen etwas schaffen“, sagt Hanslmeier-Prockl.
Jeder der vier Standorte hat eigene Schwerpunkte: In Steinhöring werden in einer gut ausgestatteten Schreinerei edle Büroaccessoires gefertigt, man nimmt aber auch Kundenaufträge an, stellt etwa Eisstockscheiben oder Holzkisten her. In der Metallabteilung wird gedreht und gefräst – etwa für die Herstellung von Schrauben oder Sonderanfertigungen.
In Eglharting gibt es eine große Wäscherei, die nicht nur die eigene Bettwäsche, sondern auch die der Kreisklinik Ebersberg wäscht. In der Küche werden Mahlzeiten für den Eigenbedarf und für Kindertagesstätten zubereitet.
Der Standort in Ebersberg bietet Arbeiten wie digitale Datenarchivierung – z. B. für Behörden. Mit einem Plotter werden Kartonagen und Verpackungsdesigns erstellt. Außerdem betreibt man hier das Bio-Café/Bistro Speisekammer.
Auf dem Gelände in Fendsbach (Gemeinde Pastetten, südlicher Landkreis Erding) befinden sich eine Bio-Gärtnerei und eine Bio-Landwirtschaft, in denen Gemüse und Fleisch produziert werden. Zudem gibt es eine Schreinerei für Gartenbänke und einen Bereich zur Brennholzverarbeitung.
Insgesamt wird für rund 50 externe Betriebe gearbeitet. Doch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage macht sich zunehmend bemerkbar. „Wir spüren die allgemeine Flaute deutlich. Die Mengen werden kleiner, manche Aufträge brechen weg“, sagt Hanslmeier-Prockl. Sie spricht von etwa 20 Prozent Rückgang. Besonders betroffen ist der Metallbereich, dort sei der Rückgang noch höher.
Umso wichtiger ist die Eigenproduktion – Produkte, die unabhängig vom Auftragseingang hergestellt werden. Diese läuft laut Hanslmeier-Prockl stabil. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 25 Prozent Eigenproduktion, 75 Prozent Aufträge von außen.
Mindestlohn sei nicht zu stemmen
Ein wiederkehrender Kritikpunkt an Werkstätten für Menschen mit Behinderung ist der niedrige Lohn. Die Entlohnung in Steinhöring reicht von etwa 123 Euro pro Monat bis hin zum Mindestlohn – wobei dieser nur in Einzelfällen erreicht wird. Der Grund: Werkstätten sind keine regulären Arbeitsplätze, sondern gelten rechtlich als Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation, auch dauerhaft. Die Bezahlung orientiert sich nicht an Tarifverträgen, sondern am wirtschaftlichen Ergebnis und der individuellen Leistung.
„Wir arbeiten mit Menschen, die teilweise an einem Vormittag nur zwei Schrauben sortieren können. Das ist keine Frage des Wollens, sondern des Könnens – und des Tempos“, erklärt Hanslmeier-Prockl. „Würden wir für alle Mindestlohn zahlen müssen, würde für rund 50 Prozent unserer Beschäftigten die Tätigkeit wegfallen.“
In den Gruppen wird stets mit Anleitung gearbeitet. Jede und jeder soll die Möglichkeit haben, sich im eigenen Tempo einzubringen. „Wir brauchen einfach mehr Zeit. Aber: Jeder darf zur Arbeit kommen. Und das zählt.“
Ein Baustein für mehr Inklusion sind die sogenannten Außenarbeitsplätze: Derzeit arbeiten rund 35 Personen tageweise außerhalb der Werkstatt – zum Beispiel in Gärtnereien, Hotels oder Brauereien. Hier liegt die Bezahlung in der Regel näher am allgemeinen Arbeitsmarkt.
Doch Hanslmeier-Prockl weiß, wie schwierig es ist, Arbeitgeber dafür zu gewinnen. „Wir brauchen Unternehmen, die bereit sind, sich darauf einzulassen – ohne Druck, ohne Risiko. Es ist ein gutes Modell für Inklusion. Und wenn es nicht funktioniert, kann man es unkompliziert auch wieder ändern.“