Annette Voith (58) gehört ein historisches Haus in Ebersberg. Die Wohnung im ersten Stock vermietet sie über das Portal Airbnb. Hier spricht sie über ihre Erfahrungen.
Ebersberg – In der Lehrer-Schwab-Gasse in Ebersberg steht ein historisches Haus mit weißer Wand und dunklen Fensterläden. Vor den Fenstern hängen strahlende Blumen in Pink und Rot, unter den Blumenkasten ordentlich aufgereihtes Brennholz. Neben dem Haus, auf der Wiese, steht ein großer Apfelbaum, unter dem ein runder Tisch mit Stühlen zum Verweilen einlädt. Auf den grünen Polstern landet ab und zu eine Biene, die sich dann doch weiter zu den Blumen aufmacht. Das ist Annette Voiths Garten. Sie vermietet die Wohnung im ersten Stock auf dem Internet-Protal Airbnb.
Seit 2022 bietet Voith die kleine Wohnung – Bad mit Dusche und Wanne, Küche mit Tisch und Schlafzimmer mit Couch und Fernseher – bei Airbnb an. „Das liegt bei uns in den Genen“, sagt die Hausherrin und lacht. Sie erinnere sich genau an das Gästebuch ihrer Eltern, in dem sie schon als Kind gerne geblättert habe.
Freundschaft unterm Apfelbaum
Auch in ihren Gästebüchern blättere die 58-Jährige gerne. Ein Eintrag mit chinesischer Schrift hat es ihr in diesem besonders angetan. „Wir haben uns hier unter dem Apfelbaum angefreundet“, sagt sie. Zuerst sei sie bei den beiden chinesischen Geschäftsfrauen skeptisch gewesen, inzwischen treffe sie sich sogar mit ihnen, wenn sie mal zu Besuch in München seien.
Das ist genau das, was die Ebersbergerin möchte. Keine Kurzaufenthalte, sondern Verbindungen. Bei weniger als drei Tagen Aufenthalt biete sie die Wohnung nicht mehr an, das sei zu aufwendig. „Ich bin kein Hotel“, sagt die Vermieterin. Sie habe viele Stammgäste, die meisten verbinde etwas mit Ebersberg. Ob es die Kinder seien, Eltern oder andere Verwandte. Auch getrennte Paare, bei denen einer eine Auszeit brauche oder Leute, die ihr Haus sanieren oder neu bauen, beherberge sie.
Die Gäste sollen ins Haus passen
„Sie sollen ins Haus passen“, sagt die 58-Jährige über ihre Gästeauswahl. Aufgrund dessen oder zu kurzer Aufenthalte habe sie auch schon Anfragen abgelehnt. Früher seien viele Messe-Gäste aus München bei ihr untergekommen. Das habe sich inzwischen durch Hotels geändert. Dennoch habe sie schon mit Gästen aus Spanien, China, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Mexiko, Amerika und der Slowakei zu tun gehabt.
Negative Erfahrungen habe ich noch keine gemacht, sagt sie und klopft dreimal auf den runden Holztisch unter dem Apfelbaum, an dem sie Platz genommen hat. Dennoch erinnert sie sich an einen „kurioses“ Erlebnis. Letzten September habe ein Pärchen in den Zwanzigern die Wohnung für vier Wochen gemietet. Die Frau hatte sich bei Voith vorgestellt, den Mann habe sie nie zu Gesicht bekommen. „Er war wie ein Geist“, sagt sie, erinnere sich aber an die starke Präsenz seiner Stimme. Ein wenig mulmig sei ihr dabei schon gewesen, doch am Abreisetag habe sie ihn letztendlich gesehen und sei erleichtert gewesen.
Manchmal bleibt es bei freundlichem Grüßen
Man lasse schließlich jemand Fremden in sein Reich, erklärt die Ebersbergerin den gewollten Kontakt zu den Mietern, auch wenn es manchmal nur bei freundlichem Grüßen bleibe. „Manchmal ist man aber auch Seelentröster“, sagt sie. Das Haus, das seit 1979 im Besitz ihrer Familie ist, sei für viele Gäste ein Ruheort. Sogar die Idee für einen Krimi sei im Garten unter dem Apfelbaum entstanden, erinnert sich Sebastian Schoepp, Annette Voiths Lebensgefährte. „Da macht das Vermieten Spaß“, sagt die 58-Jährige und strahlt.
Er war wie ein Geist.
Inzwischen habe das Airbnb-Geschäft schon etwas abgenommen. Der Grund seien andere Buchungsplattformen. „Ich sehe das locker“, sagt Voith, über die Phasen, in denen die Wohnung nicht besetzt ist.