Forschung für die Gebirgsschützen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Benediktbeuern

KommentareDrucken

Das Zentrum der Gebirgsschützenkompanien wird im Maierhof des Klosters eingerichtet, und zwar im Westflügel nahe zum Klosterarchiv. Der rund 500 Quadratmeter große Bereich wird derzeit saniert. © Mühlbauer

Die Historikerin Julia Mattern kümmert sich um das neue Dokumentationszentrum für die bayerischen Gebirgsschützenkompanien im Kloster Benediktbeuern. Es soll 2025 eingeweiht werden.

Benediktbeuern - Im Kloster Benediktbeuern wird 2025 das Dokumentationszentrum für die Geschichte des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien eröffnet. Der Bund umfasst derzeit 47 Kompanien in sechs oberbayerischen Landkreisen zwischen Garmisch-Partenkirchen und Bad Reichenhall mit rund 12 000 Mitgliedern. Der Bund hatte bislang kein eigenes „Zuhause“ und auch kein strukturiertes Archiv. Um den Aufbau kümmert sich nun Julia Mattern vom Institut für Bayerische Geschichte der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München.

Die 39-Jährige ist dafür viel unterwegs: Sie besucht alle Kompanien, um deren Quellen-Material zu sichten. „Aus Protokollbüchern kann man die Geschichte der Gebirgsschützen gut nachvollziehen“, sagt die Historikerin, die unter anderem mit einem mobilen Scanner unterwegs ist. Mancherorts bekäme sie auch Korrespondenz oder Festschriften, zudem freut sich sie sich natürlich über Fotos. Außerdem sichtet sie Urkunden, Abzeichen, auch Waffen und Monturen.

Um den Aufbau kümmert sich Julia Mattern vom Institut für Bayerische Geschichte der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München.
Um den Aufbau kümmert sich Julia Mattern vom Institut für Bayerische Geschichte der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München. © privat

Neues Zentrum ist rund 500 Quadratmeter groß

Das Zentrum der Gebirgsschützenkompanien wird im Maierhof des Klosters eingerichtet, und zwar im Westflügel nahe zum Klosterarchiv. Der rund 500 Quadratmeter große Bereich wird derzeit saniert. Der schöne Gewölberaum wurde früher für die Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer genutzt. Deshalb sind für Archiv und Depot geeignete Regale auf Rollschienen im Boden schon vorhanden. „Das ist sehr praktisch“, freut sich Mattern.

Im hinteren Bereich des großen Raums sollen Dokumente zur Geschichte des Bundes der Gebirgsschützen und einzelner Kompanien aufbewahrt werden. Sie können dann von der Öffentlichkeit, aber auch von Historikern und Volkskundlern zu Forschungszwecken, eingesehen werden. Im vorderen Bereich soll es Möglichkeiten für Veranstaltungen und Ausstellungen geben. Das genaue Konzept befindet sich aber noch in der Entwicklung.

Kompanien brauchen historischen Bezug

Die Bayerischen Gebirgsschützenkompanien haben eine lange Geschichte. Diesen feststehenden Begriff gibt es seit 1805, und zwar im Zusammenhang mit den Kämpfen gegen die Tiroler. Alle Kompanien, die es heute gibt, führen sich auf Vorgänger aus dieser Zeit zurück – das heißt wiederum, eine Kompanie kann sich heutzutage „nicht einfach so“ gründen, ohne einen entsprechenden historischen Nachweis zu führen. In München gibt es keine Gebirgsschützen, sondern es gibt sie nur im sogenannten Oberland, den gebirgsnahen Gegenden. „Oft waren es Jäger oder Bauern, die im Wald jeden Weg, jeden Winkel und jeden Pass kannten“, erläutert Julia Mattern.

Viele Kompanien führen sich auf eine noch ältere Geschichte vor 1805 zurück, beispielsweise schon auf ihre Existenz bei der Sendlinger Mordweihnacht 1705, oder gar während des 30-jährigen Krieges. Eine der ältesten Kompanien ist jene in Gmund, die 2023 das 400-jährige Bestehen feierte.

Antlaßschützen sind etwas Besonderes

Etwas Besonderes sind die Antlaßschützen, die es nur in Benediktbeuern-Ried, Wackersberg, Gaißach und Lenggries gibt. „Antlaß war lange Zeit eine andere Bezeichnung von Fronleichnam“, erklärt die Historikerin. „Unter dem Wort Antlaß verstand man früher auch den Ablass von Sünden.“ Diese Schützen begleiten seit jeher bei Fronleichnamsprozessionen das Allerheiligste. Der katholische Glaube spiele in allen Kompanien, gleich ob Antlaß oder Gebirgsschützen, eine große Rolle. „Deshalb gehört zu jedem großen Fest der Kompanien auch ein Gottesdienst.“ Mattern beschäftigt sich mit der Geschichte der Benediktbeurer Antlaßschützen. Die Kompanie wird wie berichtet 2025 den Patronatstag in Benediktbeuern ausrichten. Sie begeht zugleich ihr 500-jähriges Bestehen und zählt damit zu den ältesten in Bayern.

Forschungsgruppe am Institut für Bayerische Geschichte

Für den Aufbau des gesamten Archivs im Kloster hat Mattern in den kommenden Monaten viel Arbeit vor sich. Zudem ist sie Teil einer Forschungsgruppe am Institut für Bayerische Geschichte, in dem sich Historiker unter dem Leitmotiv „Traditionsstiftung und Repräsentation“ mit verschiedenen Aspekten der Geschichte der Gebirgsschützen beschäftigen. Ein Thema ist, wie es historisch dazu gekommen ist, dass die Gebirgsschützen bei verschiedenen Anlässen in die Staatsrepräsentation in Bayern eingebunden wurden, wie beim Besuch des französischen Staatspräsidenten de Gaulle 1962 am Odeonsplatz in München oder zuletzt beim Empfang von US-Präsident Biden am Flughafen in München.

(Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Julia Mattern mag ihre Arbeit sehr. „Sie ist sehr vielschichtig, und ich komme in Kontakt mit zahlreichen Gesprächspartnern“, sagt sie. Und sie blickt dabei beileibe nicht nur in die Vergangenheit: Alle Unterlagen werden natürlich auch digitalisiert, damit sie den künftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/benediktbeuern-ort28358/forschung-fuer-die-gebirgsschuetzen-93137152.html