Millionen fürs Kurhaus, Ärger um Polder

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Nicht gerade überfüllt war die Aula der Jahnschule bei der Tölzer Bürgerversammlung, bei der indes spannende Themen zur Sprache kamen. © cs

Spannende Themen, aber geringe Besucherzahl bei der Tölzer Bürgerversammlung: Es ging um Starkregenereignisse, das Kurhaus und das Moraltareal.

Bad Tölz – Gar nicht unspannend, diese Tölzer Bürgerversammlung 2025, die mehr als die rund 50 Zuhörer, darunter viele Stadträte und Rathausmitarbeiter, verdient gehabt hätte. In der Aula des Jahnschul-Erweiterungsbaus wurden von den Bürgern Themen quer durch den (Tölzer) Gemüsegarten angesprochen und – das kommt eher selten vor – auch mal „Danke“ gesagt.

Eher schwergewichtig kamen die Anfragen zu den Folgen von Starkregenereignissen daher. Conrad Fischer monierte, dass sich die Badstraße dann in einen Fluss verwandle und Keller und Erdgeschoss der ersten Häuser der Angerstraße überschwemme. Die Abflüsse seien zu klein. So große Kanäle, dass sie bei den immer häufigeren Starkregenereignissen ausreichen, „können wir gar nicht bauen“, sagte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Blätter, Hagelkörner und Äste verstopften dann die Abflüsse. Die Bürger sollten selbst mehr Vorsorge betreiben und sich etwa Sandsäcke zur Sicherung der Kellerschächte besorgen. Bürgermeister Mehner versicherte aber, „dass wir uns das nochmals anschauen“.

Familie sorgt sich wegen Überflutung am Klammerweiher

Mit dem Thema Wasser hatte auch die Anfrage der Familie Wiedemann vom Klammerweiher zu tun. Die Familie besitzt seit Jahrzehnten ein Haus an der Theodor-Körner-Straße südwestlich des Klammerweihers. Dort war bekanntlich der Damm der „kleinen Talsperre“ (Wasserwirtschaftsamt) neu gebaut und etwas erhöht worden. Verärgert ist die Familie nun deshalb, weil der Hochwasserabfluss über das sogenannte Tosbecken entgegen früherer Planungen, die auch auf der städtischen Internetseite nachzulesen sind, nicht verrohrt zum Ellbach, sondern an der Oberfläche erfolgt und zwar in Richtung ihres Grundstücks. „Wir tragen nun das gesamte Überschwemmungsrisiko. Das bedeutet auch einen großen Wertverlust unserer Immobilie“, sagt Tochter Susanne Wiedemann. Ihre Mutter Anna ärgert sich – „auch menschlich“ – darüber, dass „die Stadt nicht mit uns geredet und gefragt hat. Plötzlich werden wir einfach zum Polder.“ Überdies seien auch die Anwohner der Arndtstraße unterhalb betroffen.

Bürgermeister Ingo Mehner sah das anders: Der Damm sei nun höher und sicherer und die Gefahr von Verklausungen geringer. Bei extremem Starkregen sei das Wasser bisher über die benachbarten Grundstücke gelaufen und werde es auch künftig tun. Es sei kein neuer Abflussweg geschaffen worden. Mehner bot aber ein Gespräch an.

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Tobias Fuhrmann lobte erst einmal die freundlichen Mitarbeiter im Rathaus („Meine Mutter war total begeistert, als sie einen neuen Reisepass brauchte“) sowie die Moralt-Planungen, bevor er sein eigentliches Anliegen schilderte. „Ich glaube, die Stadt hat sich beim Kurhaus-Erweiterungsbau vergaloppiert.“ 21 Millionen Euro könne man sinnvoller ausgeben. Fuhrmann empfahl den Blick auf das Hoefter-Areal und die ungenutzte Wandelhalle und bat um weitere Gespräche mit Anton Hoefter.

Das sogenannte Tosbecken soll im Ernstfall das Wasser aufnehmen und ableiten. Im Hintergrund ist rechts mit Gerüst das Haus der Wiedemanns zu erkennen.
Das sogenannte Tosbecken soll im Ernstfall das Wasser aufnehmen und ableiten. Im Hintergrund ist rechts mit Gerüst das Haus der Wiedemanns zu erkennen. © cs

Die habe er geführt, aber nicht auf der offenen Bühne, antwortete Mehner. Es gehe aber bei allen Immobilien der Jod AG immer um hochwertiges Wohnen. Die Schnittmengen mit den Interessen der Stadt „sind überschaubar“. Was das Kurhaus betrifft: „Die Stadt wird nie 21 Millionen Euro bezahlen, das ist sicher.“ Man ermittle derzeit, wie hoch die öffentlichen Zuschüsse ausfallen. Tatsächlich habe die Stadt mit dem Kurhaus massive und millionenschwere Probleme: Lüftung, Kühlung, Bühnentechnik, Toiletten, Lagermöglichkeiten, zählte Mehner auf. Der kritisierte kleine Konzertsaal im Anbau solle den Kleinen Kursaal ersetzen, der anderweitig genutzt werden soll.

Bürger fordert Poststelle durchzusetzen

Robert P. Keller lobte die Stadt, dass sie Mülleimer bei den Ge(h)denksteinen in der Marktstraße entfernt habe. Er bat dringend darum, eine Postdependance im künftigen Neubau an der Hindenburgstraße per städtebaulichem Vertrag oder Bebauungsplan durchzusetzen. „Der Eigentümer würde ja sofort wollen“, erwiderte Mehner, das Problem sei die Post.

Stephan Hauke fragte sich, ob die Stadt beim künftigen Stadtteil Moraltwerke die angespannte Verkehrssituation etwa am Moraltverteiler im Auge habe. „Wir haben den Anspruch, die Situation nicht nur nicht zu verschlechtern, sondern sie zu verbessern“, umschrieb Mehner die städtische Position. Es gebe gute Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim. Fachbüros arbeiteten an einer Lösung.

Fabian Wilhelm und Dagmar Oberpichler-Hofmann baten die Stadt dringend, den Verkehr auf der Arzbacher Straße ortsauswärts bei der kleinen Siedlung tempomäßig zu überwachen. Die bisherigen Messungen seien unauffällig, sagte Fürstberger. Man werde aber nochmals eine Wochen-Messung veranlassen, ergänzte Mehner. „Wenn wir Zahlen haben, reden wir mit dem Landratsamt.“

Der „hässliche Tölzer Bahnhof“ war wie alle Jahre ein weiterer Kritikpunkt. Das sei Privateigentum, da könne die Stadt nicht viel tun, war einmal mehr die Antwort des Bürgermeisters. Mehr Bänke in der Marktstraße forderte Hildegard Schmidt.

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