Weiter Weg zu mehr Gewerbe – Zoff wegen Flächentausch mit Sportverein

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Das Gewerbegebiet wird größer: Die Grafik verdeutlicht, wie sich die Stadt die Erweiterung vorstellt. © Bayernatlas/MM

Die Erweiterung im Gewerbegebiet Nord ist für die Stadt Miesbach eine schwierige Mission. Zum einen sind die Vorgaben durch das Wasserschutzgebiet eine echte Hürde, zum anderen sorgt die Idee eines Grundstückstauschs für Unmut beim Sportverein.

Es ist ein weiter Weg für die Stadt Miesbach, um das Gewerbegebiet Nord zu erweitern. Das machte der Zwischenbericht deutlich, den Bauamtsleiter Lutz Breitwieser in der jüngsten Sitzung des Stadtrats vorgelegte. Wie berichtet, will die Stadt 30 000 Quadratmeter Fläche entwickeln. Diese soll in zwei große Parzellen à 10 000 Quadratmeter plus drei kleinere mit je 1700 aufgeteilt werden – zuzüglich Straßen.

Das Problem dabei: Das geplante Areal liegt im Geltungsbereich der geplanten Wasserschutzzone III für die Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt München. Die Ausweisung neuer Baugebiete ist in diesem noch nicht abschließend festgestellten Schutzgebiet generell ausgeschlossen, der Schutzzonenentwurf enthält jedoch eine Ausnahme für ein Gewerbegebiet von etwa 30 000 Quadratmeter – allerdings unter bestimmten Auflagen.

„Technische Grenzen“

Das Ingenieurbüro Dippold und Gerold, das mit der Erschließungsplanung beauftragt wurde, hat die wasserrechtlichen Festsetzungen nun weitgehend in die Planung eingearbeitet. Doch es gibt einige Anforderungen, bei denen die Planer laut Breitwieser „an technische Grenzen stoßen“. Ein großes Thema ist dabei die Beseitigung von Niederschlagswasser. Wegen der Lage im Schutzgebiet wird eine „Behandlung des Niederschlagswassers“ gefordert, wobei eine Ausleitung aus dem Schutzgebiet heraus laut Verwaltung nicht möglich ist.

Für ein Einleiten in die Schlierach müsste das Wasser beispielsweise gepumpt werden, und die Einleitstelle wäre ebenfalls im Schutzgebiet. Zudem müssten mehrere fremde Grundstücke durchquert werden. Und wegen der großen Wassermengen ist die Nutzung des bestehenden Regenwasserkanals nicht möglich.

Eine Alternative wäre eine Versickerungsanlage, die nun seitens der Planer mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) und dem Landesamt für Umwelt (LfU) abgeklärt werden. Angedacht ist eine Versickerung auf 2800 Quadratmetern. Die dafür vorgesehene Fläche, die nördlich der Gewerbegebietserweiterung liegt mit Absetzbecken und Sickerbecken, erfordert allerdings weitergehende privatrechtliche Vereinbarungen.

Mehr Fläche erforderlich

Eine weitere Hürde sieht dabei das WWA. Denn durch diese zusätzlichen 2800 Quadratmeter würden die herausgenommenen 30 000 Quadratmeter größenmäßig überschritten. Eine Sichtweise, der sich Breitwieser aber nicht anschließt: „Die Ausnahme bezog auf die vorhandene Fläche, die die Stadt für die Erweiterung hatte. Das waren konkret 30 000 Quadratmeter, aber die hatten keinen wasserfachlichen Hintergrund. Deshalb sollte eine zusätzliche Fläche zur geforderten Versickerung nicht wirklich ein Problem sein.“ Aber dennoch gelte es, diese Hürde zu nehmen. Dem stimmte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) zu und kündigte an, er wolle das LfU „von einer anderen Ebene aus angehen“.

Grundstückstausch: Idee sorgt für Zoff

Paul Fertl (SPD) brachte dabei die Idee eines Grundstückstauschs ins Spiel, „um für die städtische Entwicklung etwas herauszuholen“. Zudem stellte er fest, dass eine Anerkennung dieser Vorfestlegung „de facto eine Anerkennung des beantragten Wasserschutzgebiets bedeutet. Aber anders kommen wir sonst nicht durch.“

Den Grundstückstausch griff Markus Seemüller (FL) auf und verwies auf den Miesbacher Gastroservice, der bekanntlich eine Erweiterungsfläche sucht und einer der Kandidaten für das neue Gelände ist. Für das Unternehmen, das bereits im Gewerbegebiet Nord ansässig ist und dort zusätzlich bleiben will, seien zwei Standorte suboptimal, erklärte Seemüller. Daher lohne es sich zu prüfen, ob nicht ein Flächentausch mit dem benachbarten Sportverein SV Miesbach möglich sei. Dort habe man ja zwei Fußballplätze. Was Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU) so kommentierte: „Das habe ich schon lange gesagt.“

Das sind die Hardliner.

Doch sein Fraktionskollege und SV-Vorsitzender Stefan Griesbeck erteilte dem Vorstoß umgehend eine Abfuhr: „Redet mit mir, dann sage ich, warum es absurd ist. Allein der Zeitplan passt nicht zusammen. Und das Grundstück ist von der Form her nicht tauglich.“

„Wir suchen doch eine Lösung“

Außerdem, ergänzte Griesbeck, seien drei Standorte im Gewerbegebiet für den SV nicht praktikabel. Und selbst wenn, müsste die Sportanlage vor dem Tausch fertig sein. Sein Fazit: „Das ist ein Hirngespinst. Unter vier Augen hätte sich das leicht klären lassen.“ Was Seemüller so konterte: „Ich wollte es nicht öffentlich ansprechen, aber das wurde abgelehnt. Wir suchen doch eine Lösung.“

Da das Thema nur zur Kenntnisnahme war, war kein Beschluss nötig. Die Stadt führt entsprechend das Verfahren fort. Ob der Grundstückstausch nun vom Tisch ist, bleibt abzuwarten.

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