ZDF-Doku offenbart: Warum China 13-Prozent-Steuer auf Kondome einführt

Lange Zeit hat die Erzählung funktioniert. China hängt uns ab. Weil die Wirtschaft funktioniert. Weil die Menschen fleißig sind. Weil nicht alle dort andauernd über Work-Life-Balance reden und es auch umsetzen. 

Jetzt bröckelt die Erfolgsstory. Chinas Wirtschaft ist in Schieflage geraten. China gehen zudem die Vorräte an Metallen aus, die dringend zur Herstellung von Batterien gebraucht werden. Und dem Volk gehen auch noch die Menschen aus. Deshalb hat der Staat zu Jahresbeginn 2026 eine Steuer auf Verhütungsmittel erhoben, um die Geburtenrate zu steigern. Auf Kondome und die Pille sind nun 13 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Denn die Zahlen lassen aufhorchen: 2024 kamen in China nur noch etwa 9,5 Millionen Kinder zur Welt – das sind nur halb so viele wie noch vor zehn Jahren.

Chinas Gen Z: Weniger Ehrgeiz, mehr Egoismus

Viele junge Chinesen fühlen sich unter Druck gesetzt. Druck im Job, Druck durch Kindererziehung – manche ziehen sich einfach raus. Wir erfahren in der sehenswerten zweiteiligen ZDF-Reportage "The Chinese Dream", wie sehr sich das einstige Boom-Land gerade schwertut. Derzeit ist jeder fünfte junge Mensch arbeitslos. Wer gestern noch eine lukrative Büro-Beschäftigung hatte, muss heute vielleicht schon Essen ausliefern auf dem Moped.

TV-Kolumne "The Chinese Dream"
Lieferdienst in China: Der anstrengende Job ist nicht beliebt bei jungen Leuten ZDF

Wie oft haben wir es hierzulande gehört: Unsere jungen Deutschen sind zu faul, zu wenig ambitioniert, zu sehr verliebt in den lockeren Lebensstil. Die Gen Z, eine zweifelhafte Generation? Wir erleben in der Sendung des öffentlich-rechtlichen Senders, dass in China gerade eine "stille Rebellion" stattfindet. Der chinesische Staat, als oberster Wächter des ganzen Lebens, wird leise attackiert. Weniger Ehrgeiz, mehr Egoismus – immer mehr junge Leute wünschen sich das. Sie wollen ihre Träume verwirklichen.

So sehen chinesische Träume aus

Ein junger Mann hat nach dem Studium ein Praktikum im Finanzsektor absolviert. Das sei nichts für ihn gewesen, erzählt er, und dass er jetzt wieder zu seinen Eltern aufs Land gezogen ist. Sein Traum? "Genug Geld zum Leben." Was ihm wichtig ist? "Mein Gemüsegarten." 

Eine andere junge Frau, sie ist Anfang 20, hat nach dem Studium in einem Hotel gearbeitet. "Es gab keine Grenze zwischen Beruf und Privatleben", resümiert sie. Mit einer Freundin hat sie eine Bäckerei in einem 20-Einwohner-Ort eröffnet. "Das hat die Leere in meinem Leben gefüllt."

Ein Hund, ein Skateboard und ein Ort zum Abhängen

Noch ist China reich. Nur in den USA leben noch mehr Milliardäre. In China zeigt man das durchaus gerne. Einer sagt: "Ich will einfach nur Geld. Und es muss Mädels geben, junge und schöne Frauen." Geld verdienen muss der junge Mann nicht. Er entstammt einer reichen Familie. 

Andere, die weniger Geld haben, begnügen sich dementsprechend – und verwirklichen trotzdem ihre Träume. "Ich will Zeit haben für einen Hund, ich möchte nicht so viel Druck. Wenn ich spontan verreisen will, dann möchte ich das tun können." Ein anderer will einfach nur "einen Ort, wo man abhängen kann." Er will Skateboard fahren und Freunde in Bars treffen.

Chiller aller Länder, vereinigt euch!

Häufiger erleben wir, wie heftig die Boomer in Deutschland angegangen werden, weil sie angeblich zu viel Rente verprassen. Weil sie den Jungen riesige Schuldenberge hinterlassen. Aber gleichzeitig erben hierzulande so viele jüngere Menschen wie nie zuvor. 

In China ist das übrigens nicht viel anders. Eine junge Frau sagt, dass sie ihr Lebensmodell nicht verwirklichen könnte, ohne die Grundlagen ihrer Eltern. Dann also auf in die Zukunft: Chiller aller Länder, vereinigt euch!