Der Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro wird in Russland von einflussreichen Militärbloggern und nationalistischen Kommentatoren als schwere strategische Niederlage Moskaus gewertet.
Auffällig dabei: Die schärfste Kritik kommt aus dem putintreuen Milieu der sogenannten „Z-Blogger“. Sie sind vor allem auf Telegram aktiv und unterstützen den Krieg in der Ukraine grundsätzlich, kritisieren aber offen strategische Fehlentscheidungen, Ressourcenverschwendung und das aus ihrer Sicht schwindende geopolitische Gewicht Russlands.
Maxim Kalaschnikow: „PR-Feuerwerk ohne Nutzen“
Besonders deutlich wird der Publizist Maxim Kalaschnikow. Der Fall Maduro markiere für ihn „den Zusammenbruch der langjährigen, PR-getriebenen Außenpolitik der russischen Führung“, so Kalaschnikov auf Telegram. Russlands langjährige Investitionen in Venezuela beschreibt er als spektakuläre Fehlentscheidung und spottet: „Werfen wir einfach 20 Milliarden Dollar in das ‚schwarze Loch‘ eines rohstoffgetriebenen Pseudo-Sozialismus in Venezuela – Geld, das niemals zurückkommt.“
Die russische Außenpolitik habe jahrelang wie ein Feuerwerk gewirkt – laut, spektakulär, aber ohne nachhaltige Wirkung. Statt in die wirtschaftliche Entwicklung Russlands zu investieren, habe der Kreml Geld in weit entfernte außenpolitische Projekte gelenkt, etwa auch nach Syrien und in den Sudan. Hier errichte Russland Marinebasen, „für die es nicht einmal eine Marine gibt“.
Währenddessen seien im Ukrainekrieg zentrale Ziele verpasst worden: Odessa, Cherson und Mykolajiw blieben weiterhin unter ukrainischer Kontrolle, Transnistrien sei blockiert, Russlands Einfluss im Südkaukasus und in Zentralasien schwinde, während Finnland und Schweden der Nato beigetreten sind.
Blogger Kalaschnikow spricht von einem „Herbst des Patriarchen" – eine Anspielung auf die schwindende Macht von Kremlherrscher Wladimir Putin. Sein bitteres Fazit: „All das endete in einem vorhersehbaren Fiasko.“
Kein Einzelfall: Russlands Verbündete unter Druck
Der Blogger „Ghost of Novorossiya“ ordnet Maduros Fall in eine Serie geopolitischer Rückschläge für Russland ein: Ende 2024 der Zusammenbruch des Assad-Regimes in Syrien, im Sommer 2025 schwere Schäden für den Iran durch US-israelische Angriffe – und nun Venezuela.
Dahinter stecke eine gezielte Strategie des Westens, so der Blogger. Demnach würden schwächere Verbündete Russlands systematisch unter Druck gesetzt, um Moskau – und zugleich Peking – zurückzudrängen, ohne eine direkte Großkonfrontation zu riskieren. Vergleichbare Entwicklungen hält er auch in Afrika für möglich.
Auf Telegram schreibt der „Geist von Noworossija“, die USA hätten der Welt gezeigt, „wie man mit gezielten Spezialoperationen einen Regimewechsel herbeiführt“.
Alexander Kartawych: „Wie Geld für einen Obdachlosen“
Auch der Blogger Alexander Kartawych rechnet mit dem Vorgehen Russlands in Venezuela ab. Das Land sei wirtschaftlich bankrott gewesen und nicht einmal in der Lage, seine eigenen Sicherheitskräfte zu bezahlen.
Russische Kredite an Caracas vergleicht er mit einer absurden Illusion: „Man hätte genauso gut einem Obdachlosen Geld als ‚Investition‘ geben können – und hoffen, dass er es nicht versäuft, sondern eines Tages alles zurückzahlt.“
Besonders schonungslos fällt die Analyse des pro-russischen Telegram-Kanals der Russischen Volksmiliz (RND) aus. Sie stellt die Frage: „Warum hat Russland seinem strategischen Partner nicht geholfen? Die Antwort: „Russland ist längst nicht mehr in der Lage, irgendwem in Amerika, Afrika oder im Nahen Osten zu helfen.“
Mehr als symbolische Politik bleibe nicht. Zynisch kommentiert wird auch das Schicksal früherer Verbündeter: „Baschar al-Assad sitzt heute in Moskau vor dem Fernseher – und kann froh sein, dass er rechtzeitig geflohen ist.“
Ein Unentschieden wäre schon ein Erfolg
Besonders bezeichnend: die „Russische Volksmiliz“ wertet inzwischen selbst ein „Unentschieden“ im Ukrainekrieg als Erfolg. Russland müsse sich demnach darauf konzentrieren, wenigstens ohne klare Niederlage aus dem Krieg zu kommen. Ziele wie Kiew, Charkiw oder Odessa gelten demnach in diesen Kreisen nicht mehr als realistisch. Stattdessen solle der Kreml alles daran setzen, zumindest den restlichen Donbas zu sichern, um am Ende einen Teilsieg – oder zumindest ein „Remis“ – präsentieren zu können.