Zwei Umsturz-Szenarien ausgelotet? Bericht bringt Maduro-Vize in Bedrängnis

In der Öffentlichkeit gab sich Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro stark. Er tanzte und scherzte in seinem rudimentären Englisch über das Militäraufgebot der USA in der Karibik. Doch das war Show: Der 63-Jährige wusste genau, dass ein Damoklesschwert über ihm hing. 

Er wechselte ständig seine Schlafplätze, ließ überall Störsender gegen elektronische Überwachung installieren und verstärkte seine Leibgarde, die zuletzt aus etwa 50 kubanischen Spezialkräften bestand. Maduro misstraute den eigenen Leuten. Noch im Dezember ordnete er rigorose Säuberungen innerhalb des Militärs und des Geheimdienstes SEBIN an. Dutzende Offiziere wurden entlassen. Es half alles nichts.

Für Maduro kam der US-Coup überraschend

Nicht einmal der stahlverstärkte Sicherheitsraum in seiner Residenz in Fuerte Tiuna, einem militärischen Sicherheitskomplex in der Hauptstadt Caracas, schützte ihn: Die US-Sondereinsatztruppe erwischte ihn dort in der Nacht zum 3. Januar noch, bevor er sich einschließen konnte. 32 Kubaner kamen bei der Aktion ums Leben. Offenbar wurden aber auch sie überrascht. Auf US-Seite gab es laut offiziellen Angaben nur einen angeschossenen Hubschrauber und mehrere Verletzte, aber keine Toten.

Monatelang hatte das Kommando in den USA den Einsatz in einem nachgebildeten Gebäude trainiert; Tarndrohnen und Informanten hatten Maduros Alltag ausspioniert und die Informationen weitergegeben. Doch das erklärt trotzdem nicht alles.

Militärexperten sehen drei Gründe für Erfolg der US-Aktion

Wie konnte es zu so einem Debakel kommen in einem Land, das über ein dreistufiges Luftabwehrsystem chinesisch-russischer Herkunft verfügte, angeblich das modernste und beste in Südamerika? Trotzdem konnten in einer hellen Mondnacht 150 Flugzeuge, darunter F-22-Jets, kampflos in den Luftraum eindringen und den Präsidenten entführen. Sensoren der venezolanischen Waffensysteme blieben inaktiv, Militäreinheiten passiv.

Venezolanische Militärexperten, die anonym auf der Plattform "Cosas Militares" publizieren, sehen dafür drei Gründe: Kommunikationsprobleme zwischen chinesischen Radaren und russischen Raketen, mangelnde Wartung – 60 Prozent der Waffensysteme seien funktionsunfähig gewesen – sowie bewusste Sabotage innerhalb des Militärs. Sei es, um Waffenkomponenten auf dem Schwarzmarkt zu verscherbeln oder um die Systeme im Auftrag von Drogenkartellen so zu beschädigen, dass Drogenflugzeuge unerkannt unterwegs sein könnten.  

"Die Geschichte wird zeigen, wer die Verräter waren"

Doch es war nicht nur Unfähigkeit, vermutet Maduros Sohn Nicolasito. Der ist wie sein Vater in den USA des Drogenhandels angeklagt, wurde aber nicht verschleppt und ist offenbar in Caracas untergetaucht. Er meldete sich beim venezolanischen Staatssender Telesur mit Verratsvorwürfen. Die Familie sei in Schock. "Die Geschichte wird zeigen, wer die Verräter waren", sagte er.

Im Visier sind die einflussreichen Rodríguez-Geschwister, Vizepräsidentin Delcy und ihr Bruder Jorge, Präsident der Nationalversammlung. Die beiden sind seit Jahren zentrale Figuren in der Führungsspitze der Chavisten und gelten als Pragmatiker und Brückenbauer zur Wirtschaft und anderen Ländern. Den Hardlinern im Regime galten sie stets als Opportunisten. Schon vor Monaten berichtete der "Miami Herald" von Kontakten der beiden zur Trump-Administration.

Wurden zwei Maduro-Szenarien ausgelotet?

Sie hätten ausgelotet, Maduro abzusetzen und den Chavismus unter US-Toleranz zu erhalten. Diese geheimen Gespräche, die von Katar vermittelt wurden, führten zu zwei formellen Vorschlägen: Im ersten Szenario würde Maduro zurücktreten, Delcy Rodríguez würde die Präsidentschaft übernehmen und eine Übergangsregierung würde von dem pensionierten General Miguel Rodríguez Torres, der sich derzeit im Exil befindet, geleitet werden. Dieser Plan sei von Maduro gebilligt, aber von Trump abgelehnt worden.

Im Dezember gab es laut "New York Times" eine zweite Version, bei der Trump Maduro Exil in der Türkei angeboten habe, was dieser jedoch ablehnte.

Medienkampagne, um Delcy Rodríguez in Position zu bringen?

Nationalversammlungspräsident Jorge Rodríguez, schreibt der Soziologe und Direktor der NGO Friedenslabor Venezuela, Rafael Uzcátegui, habe in den vergangenen Monaten in den USA zahlreiche Interviews und Medienkampagnen vorangetrieben, um seine Schwester Delcy als "vertrauenswürdige" und "moderate" Persönlichkeit zu präsentieren und zu warnen, dass ein abruptes Ende des Chavismo zu Chaos und Bürgerkrieg führen könnte.

"Fazit: Es handelt sich nicht um eine 'klassische' imperialistische Invasion, sondern um etwas viel Undurchsichtigeres", schreibt Uzcátegui in seinem Blog. Die Saat des Misstrauens innerhalb des neuen Führungsblocks ist gesät.