Trump besitzt 5 Privilegien – in Venezuela zeigt sich, was das bedeutet

Wer das Staunen nicht verlernt hat, schaut anders auf die Welt – auch auf die Welt von Donald Trump. Es ist eine Welt, die in das Gelingen verliebt scheint.

Er überlebt die Kugel eines Attentäters. Er feiert die triumphale Wiederkehr nach der Abwahl. Ihm gelingen komplizierteste Militäroperationen. In der deutschen Silvesternacht wurden mehr Einsatzkräfte verletzt als bei der Bombardierung iranischer Atomanlagen und der Entführung des venezolanischen Präsidentenpaares durch das US-Militär.

Das Gelingen hat Methode. Der amerikanische Präsident verfügt über Privilegien, die ihn über alle anderen Regierungschefs erheben, zumal er – anders als viele seiner Vorgänger – entschlossen ist, diese Privilegien zur Herrschaftsausübung auch einzusetzen. Er folgt damit der Maxime von Niccolò Machiavelli:

"Es ist besser gefürchtet als geliebt zu werden, wenn man nicht beides sein kann."

#1 Das Dollar-Imperium ist ein Privileg für Trump

Das Dollar-Privileg ist die Basis aller anderen Privilegien. Die US-Währung ist weltweit so begehrt, dass sie von Notenbanken und Privatinvestoren als Wertaufbewahrungsmittel benutzt wird. Das ermöglicht es den USA, sich billiger, dauerhafter und großzügiger als alle anderen Staaten zu verschulden. Trump geht in die Vollen.

Ein klassischer Fall von Netzwerkeffekten: Alle nutzen den Dollar, weil eben alle ihn benutzen. Dabei beruht die dominante Stellung keineswegs auf der Perfektion der US-Währung, sondern auf der Abwesenheit von Alternativen. Die Schatztruhe des Donald Trump ist immer prall gefüllt.

#2 Trump nutzt die militärische Überlegenheit

Mit Trump ist ins Weiße Haus erneut die Strongman Policy eingezogen, die, wie der Name es schon sagt, darauf ausgerichtet ist, Probleme durch militärische Härte anstatt durch Moderation zu lösen. 2024 betrugen die Militärausgaben der USA rund 997 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Höhepunkt des Kalten Krieges im Jahr 1962 ist das eine Steigerung von über 1700 Prozent – und damit fast doppelt so viel, wie China, Russland und Deutschland zusammen investiert haben.

Er ist der Strongman, der mit Tarnkappenbombern, Flugzeugträgern und Satellitenunterstützung komplizierte Militäroperationen durchzieht – wie "Midnight Hammer" im Iran und "Absolute Resolve" in Venezuela. Der Einsatz der Nationalgarde in großen US-Städten komplettiert den von ihm gewünschten Eindruck einer Militarisierung – auch der Innenpolitik. 

Die Message ist unmissverständlich, wie Trump auf einem offiziellen Foto des Weißen Hauses gestern mitteilte: This is our hemisphere.

#3 Die USA besitzen fossile Dominanz

Die US-Volkswirtschaft ist trotz aller Investitionen im Bereich der alternativen Energieerzeugung eine Weltmacht des fossilen Zeitalters. In der Angst vor Erpressung durch das Opec-Kartell haben schon die Vorgängerregierungen die Ölförderung ins Zentrum der nationalen Sicherheitsstrategie gerückt – mit der Folge, dass die USA vor Saudi-Arabien und Russland heute der größte Öl- und Gasförderer der Welt sind – und damit hinter China auch der größte CO2-Emittent.

Warum das wichtig ist: Venezuela besitzt mit 303 Milliarden Barrel das größte weltweite Ölvorkommen, aber trägt aufgrund des staatlichen Missmanagements derzeit nur ein Prozent zum weltweiten Fördervolumen bei. Trump möchte, dass US-Firmen wie Chevron und Exxon Mobil mit Milliardeninvestitionen in die venezolanische Öl-Industrie die fossile Dominanz der USA weiter ausbauen. Sein Slogan soll künftig auch dort gelten: Drill, baby, drill.

#4 Die USA sind eine Hightech-Nation

Amerika besitzt – anders als die Staaten Europas – die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts: Cloud-Computing, Chipindustrie, Künstliche Intelligenz und die Firmen der Gen- und Biotechnologie. Das amerikanische Ökosystem aus Venture Capital, Universitäten, Rüstungsindustrie und Konsumgesellschaft funktioniert durch Selbstverstärkung. 

Die Wall Street beschafft das Startkapital, das Silicon Valley und die Eliteuniversitäten liefern die Ideen – und die US-Konsumenten sorgen für die Skalierung. Und wenn das nicht reicht, greift der Staat mit seiner Industriepolitik ein. Das Ergebnis: Die Börsenbewertung allein der sieben größten US-Technologiefirmen (Magnificent Seven) übersteigt den Dax um das Achtfache.

#5 Das Weiße Haus ist eine Kultstätte

Der Regierungssitz der USA ist nicht die größte, aber die wirkmächtigste Immobilie der Welt. Sie beherbergt, schützt und legitimiert demokratische Macht. Oval Office und Resolute Desk im West Wing und die Empfangsräume im East Wing sind ikonische Orte, an denen sich Ambition und Aura eines Präsidenten verbinden. Mit dem neuen goldenen Ballroom für 200 Millionen Dollar will Trump hier Prestige dazubauen.

Diese Verkörperung von Macht stützt und stärkt Trump. Denn erst Architektur und Ritual transformieren den Geschäftsmann und Wahlkämpfer in einen Präsidenten, der vor dieser Kulisse seine Würde erfährt. Diese nutzt er – bei der Militärplanung im Situation Room oder der Verkündung seiner Tarifpolitik am "Liberation Day" im Rose Garden –, um mediale Aufmerksamkeit zu generieren. So verwandelt Trump Würde in Wirkung.

Fazit: Diese mächtigen Werkzeuge haben Trump, wie wir ihn heute kennen, erschaffen. Er glaubt nicht nur an die im "Manifest Destiny" beschriebene Einzigartigkeit der USA. Er lebt sie:

"Die Erfüllung unserer offensichtlichen Bestimmung, den Kontinent zu überziehen, den uns die Vorsehung für die freie Entwicklung unserer sich jährlich vermehrenden Millionen zugeteilt hat."