Willkommen 2026 – und willkommen in einer Welt, in der zunehmend das Recht des Stärkeren regiert. Da feiert sich ein US-Präsident Donald Trump, dass sein Überfall auf Venezuela und sein Kidnapping eines amtierenden Präsidenten für ihn gewirkt hat, wie ein wenig Fernsehgucken. Die paar Dutzend Tote, das Ignorieren des Völkerrechts: Für ihn ist das offensichtlich nicht viel mehr als ein Fliegenschiss.
In dieser unserer neuen Welt gewinnt der entführte Nicolás Präsident Maduro dann schon fast Sympathiepunkte, wenn er – frisch angekommen auf US-Boden –, dem Wachpersonal ein frohes neues Jahr wünscht. Einfach ein cooler Hund, dieser Maduro? Es ist ein Verdienst des Fernsehsenders Arte, das Bild mit einer schnell ins Programm genommenen Dokumentation geradezurücken.
US-Geheimdiplomatie wegen des Öls von Venezuela
Und wieder finden wir uns wieder in einer Welt, in der die Stärkeren das Sagen haben. Die Dokumentation "Venezuela – Maduros Machtkampf" beginnt just neun Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Da reist, so wird berichtet, eine Geheimdelegation aus den USA zum venezolanischen Präsidenten. Öl-Minister Rafael Ramírez berichtet von der gewachsenen Bedeutung seines Landes. Maduro sei sich bewusst gewesen, dass er mit dem Öl seines Landes die russischen Öl-Lieferungen ersetzen – und damit in der Welt an Bedeutung gewinnen konnte.
Da wird verhandelt, klammheimlich, während öffentlich Drohungen hin- und hergeschickt werden zwischen den USA und Venezuela. Wer also ist dieser Maduro, der sich Machtgewinn versprach und seine Macht so gewaltsam verloren hat?
Maduro ist ein Kampfhund
Er war Außenminister. Er war Vizepräsident. Er war eine Art Laufbursche für seinen Vorgänger Hugo Chávez. Er war der, dem man die Intelligenz abgesprochen hatte, eine führende Position zu übernehmen. Er war ja einfach nur der Busfahrer der Verkehrsbetriebe von Caracas.
Ein größeres Steuer Nicolás Maduro hatte ihm lange Zeit keiner zugetraut. Den Respekt auch in den eigenen Reihen hat er sich durch willkürliche Verhaftungen, Überwachung und Folter erarbeitet. Der coole Hund ist ein Kampfhund, der zubeißt und seine Gegner gnadenlos zerfleischt.
Ehemaliger US-Botschafter macht ein Geständnis
Am 6. Dezember 2015 verliert der Präsident die Mehrheit im Parlament. Abtreten will er deshalb nicht. 131 Protestierende werden ermordet, um die Macht zu sichern. Ein Polizist überrollt Demonstranten vorsätzlich mit einem Panzerwagen. Die Generalstaatsanwältin erhebt noch Anklage. Und das Gericht? Es entscheidet, dass die Staatsanwaltschaft die Menschenrechte des Panzerfahrers verletzt.
In einer "sozialen Säuberung" verlieren 8000 Menschen ihr Leben. Die USA verhängen Wirtschaftssanktionen – und sieben Millionen Menschen fliehen vor der Not und der alles verschlingenden Inflation in Venezuela aus dem Land. "Wir haben fälschlicherweise geglaubt, dass die Sanktionen Maduro zu Reformen zwingen werden", gibt der einstige US-Botschafter in Venezuela zu: "Das war keine gute Idee."
Maduro hatte sich als Superheld feiern lassen
War das Kidnapping Maduros als bislang radikalste Lösung einer US-Regierung eine gute Idee? Militärisch mag die Festnahme nach einem Erfolg aussehen – und damit zu Donald Trumps Streben nach schnellen Lösungen passen.
Die Zukunft des 31-Millionen-Einwohner-Staates allerdings ist damit alles andere als sicher und absehbar. Die Macht war letztlich auch für Nicolás Maduro endlich. Das Recht des Stärkeren taugt immer zur Destruktion. Die Mühsal des Konstruktiven ist nicht seine Stärke. Das kann auch für Donald Trump zum Problem werden.
Auch Nicolás Maduro hatte sich als Superheld feiern lassen – in einer Comic-Serie fürs venezolanische Fernsehen, als übergroße Aufblasfigur bei Aufmärschen. Jetzt ist die Luft raus.