Seit Jahresbeginn müssen Menschen in China für Verhütungsmittel wie Kondome und die Pille eine Mehrwertsteuer von 13 Prozent zahlen, wie "Reuters" berichtet. Damit hat die Regierung eine Steuerbefreiung aufgehoben, die seit 30 Jahren galt. Ziel ist es, die sinkende Geburtenrate zu stoppen und junge Menschen dazu zu bringen, mehr Kinder zu bekommen.
Gleichzeitig wurden andere Bereiche wie Kinderbetreuung und Eheberatung von der Steuer befreit, um Familien finanziell zu entlasten. Die Zahlen der letzten Jahre waren alarmierend: 2024 kamen in China nur rund 9,5 Millionen Babys zur Welt – das sind nur halb so viele wie vor zehn Jahren.
Experten machen dafür unter anderem die hohen Kosten für Kindererziehung, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Folgen der früheren Ein-Kind-Politik verantwortlich.
Kritik an der Steuer: Mehr Probleme als Lösungen?
Die Entscheidung der chinesischen Regierung stößt auf breite Kritik. Laut „BBC“ warnen Experten, dass die höheren Preise vor allem ärmere Menschen treffen könnten, die sich Verhütungsmittel möglicherweise nicht mehr leisten können.
Dies könnte nicht nur zu einem Anstieg ungewollter Schwangerschaften führen, sondern auch das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV erhöhen.
Finanzielle Engpässe beeinflussen Chinas Steuerentscheidungen
Experten gehen davon aus, dass die Steuer auf Verhütungsmittel weniger der Förderung der Geburtenrate dient, sondern vielmehr darauf abzielt, zusätzliche Einnahmen für den Staat zu generieren.
Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen China derzeit konfrontiert ist – darunter eine anhaltende Immobilienkrise und eine wachsende Staatsverschuldung – könnte die Regierung versuchen, ihre finanziellen Mittel durch höhere Steuereinnahmen zu stärken.
Junge Menschen fühlen sich unter Druck
Die sinkende Geburtenrate in China hat jedoch nicht nur finanzielle Ursachen. Viele junge Menschen fühlen sich durch den gesellschaftlichen Druck und hohe Erwartungen überfordert. Immer weniger Chinesen heiraten oder gründen Familien, weil sie die Verantwortung und Belastung scheuen. Besonders Frauen stehen oft vor der Herausforderung, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren – eine Aufgabe, die viele abschreckt.