„Sichtbares Zeichen der Menschlichkeit“: Neue Asylunterkunft eingeweiht

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Die neue Flüchtlingsunterkunft an der Kufsteiner Straße soll ab Januar bis zu 186 Menschen ein neues Zuhause bieten. © hr

Die neue Asylunterkunft an der Kufsteiner Straße in Dachau ist offiziell eingeweiht worden. Die gut 6 Millionen teure Anlage soll ab Januar bis zu 186 Menschen ein sicheres Zuhause bieten.

Dachau – Der Bau der neuen Asylbewerberunterkunft an der Kufsteiner Straße wäre beinahe eine unendliche Geschichte geworden. Zum Glück aber nur beinahe, denn am Montagnachmittag war – nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit – endlich die offizielle Einweihung der neuen, modernen, aus vier Häusern bestehenden Anlage, die bald bis zu 186 Geflüchteten ein sicheres Zuhause bieten soll.

Ein geschichtsträchtiges Areal

Das Areal am Stadtrand von Dachau ist geschichtsträchtig, wie Dr. Konrad Schober, Präsident der Regierung von Oberbayern und Ehrengast der Einweihung, gleich zu Beginn seiner Rede bemerkte. Vor 80 Jahren hätten die Nationalsozialisten an der Stelle noch ein Durchgangslager, kurz: Dulag, betrieben und damit ihr menschenverachtendes System der Zwangsarbeit betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg dann änderten sich die Vorzeichen, der neue deutsche Staat zeigte plötzlich Herz und brachte in den alten Baracken Flüchtlinge und Heimatvertriebene unter. Bis 2016 war das Gelände in Betrieb, zuletzt waren dort laut Schober vor allem Asylsuchende aus dem Balkan untergebracht. „Aus Menschenverachtung wurde Mitgefühl“, fasste es der Münchner Ehrengast zusammen.

Doch dann war erst einmal ein paar Jahre Schluss. Die Häuser, sichtbar in die Jahre gekommen, mussten abgerissen werden. Von 2017 an lag die Fläche brach. Ein jahrelanges Tauziehen um Baugenehmigung und Finanzierung begann und fand erst sieben Jahre später – im vergangenen Februar – ein Ende. In „Rekordbauzeit“ sei die neue Anlage errichtet worden und werde nun, nach den Weihnachtsferien und einigen technischen und gestalterischen Restarbeiten im Januar, sukzessive mit neuen Bewohnern und damit Leben befüllt, wie Landrat Stefan Löwl erklärte.

Eine außergewöhnliche Bauweise

Das Besondere an der neuen Unterkunft, die für gut 6 Millionen Euro von der Wohnungsbaugesellschaft im Kreis Dachau (WLD) errichtet wurde und von der Regierung von Oberbayern gemietet wird, ist ihre Bauweise. Statt der sonst so oft verwendeten Container sind es Holzhäuser, die mit Fußbodenheizung im Boden und einer Solaranlage auf dem Dach für ein nachhaltigeres, aber auch wohnliches Lebensgefühl sorgen sollen. Löwl bezeichnet die Bauweise als „Karlsfelder Modell“, wobei es mittlerweile auch in Schwabhausen und Erdweg weitere dieser von Architektin Heidi Lewald konzipierten Holzhäuser gibt. Weitere, so viel ist laut Löwl jetzt schon klar, werden folgen.

Schober war es wichtig zu erwähnen, dass die Häuser „einfach und zweckmäßig“ gebaut seien, „unter Sozialwohnungsstandard“, „nicht übertrieben“. Und allen Mitbürgern, die dennoch finden, Deutschland betreibe zu großen Aufwand für die Unterbringung von Geflüchteten, sagte er klipp und klar: „Ja, Migration muss gesteuert werden. Aber dafür brauchen wir keine Schreihälse und Scharfmacher, die Migration nur als Vehikel benutzen, um ihr autokratisches Gesellschaftssystem durchzusetzen!“

Die neue Wohnanlage an der Kufsteiner Straße sei eine „hervorragende Gesamtleistung“ und ein „sichtbares Zeichen der Menschlichkeit“. Natürlich sei es zuletzt „nicht einfacher geworden, Flüchtlingsunterkünfte zu bauen“. Aber in Dachau, so Schober, gehe es zum Glück „noch gut“, der Umgang zwischen Behörden, Helferkreisen und anderen gesellschaftlichen Gruppen sei offen und transparent.

Sicheres Zuhause für Geflüchtete

In den Häusern könnten die Bewohner, die laut dem Regierungspräsidenten „schwere Schicksale hinter sich haben und zuweilen auch verzweifelt sind“, nun Ruhe finden. Die Caritas stelle ihnen „Kümmerer“ zur Seite. Und auch das Landratsamt sowie der türkisch-islamische Verein von Dachau stehen für Beratung bereit.

Apropos Islam: Weil der Begriff der Einweihung am Montag keine leere Worthülse bleiben sollte und laut Landrat Löwl sich viele Probleme „nur mit Gottvertrauen“ lösen lassen, gab es auch noch den geistlichen Segen für die neuen Räume. Pfarrer Gerhard Last von der evangelischen Dachauer Friedenskirche sprach ein interreligiöses Gebet, Imam Musa Tarakci las – auf Arabisch – aus der dritten Koran-Sure. Seine Worte schloss er mit: „Allah, schütze unser Land Deutschland!“ Und Kaplan Augustin Atamanyuk tat schließlich das, was nur Katholiken können: Er ließ die Anwesenden den Segen Gottes auch spüren – mit Weihwasser.

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