Kommt jetzt die Rolle rückwärts bei den Hallengebühren? OB gesteht Fehler bei Abstimmung ein

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Eine Alternative für die Sportvereine, denen die Miete für die Landkreis-eigenen Sorthallen zu hoch ist: die frisch eingeweihte Sporthalle für die Grund- und Mittelschule Dachau-Ost. © hr

Die in nichtöffentlicher Sitzung, kurz vor der Weihnachtspause getroffene Entscheidung des Kreisausschusses, die Nutzung von Landkreis-eigenen Sporthallen um satte 300 Prozent zu erhöhen – und zwar ab 1. Januar – hat heftige Reaktionen ausgelöst.

Dachau - Wie berichtet, fühlen sich die Vereine vor den Kopf gestoßen und überfordert. Allein dem TSV 1865 Dachau drohen durch den Gebührenhammer jährlich Mehrausgaben von rund 200 000 Euro.

Landrat Stefan Löwl hatte sich darauf berufen, dass der Landkreis seine Einnahmen erhöhen müsse, um seine in den kommenden Jahren geplanten Investitionen schultern zu können. Das Votum des Kreisausschusses, der am 15. November über die massive Erhöhung der Hallengebühren entschieden hatte, sei denn auch einstimmig ausgefallen.

Einer, der Teil dieses einstimmigen Votums zu Lasten der Sportvereine war, war Florian Hartmann. In einer am Freitag verschickten Stellungnahme erklärt der Dachauer Oberbürgermeister, dass ihm „bei der nichtöffentlichen Beschlussfassung über die neue Gebührenregelung für die Nutzung von Sporthallen in Eigentum des Landkreises ganz offen eingestanden ein Fehler unterlaufen ist“. Er habe die zugrundeliegende Kalkulation „nicht vollumfänglich hinterfragt“ und bedaure dies. Sein Abstimmungsverhalten sei „falsch“ gewesen.

„Bärendienst ungeheuren Ausmaßes“

Namens seiner SPD-Kreistagsfraktion fordert er daher eine „Neukalkulation“ der künftigen Benutzungsentgelte für die Sporthallen des Landkreises. In diese neue Kalkulation sollten dann nur noch die Kosten einberechnet werden, „die durch die tatsächliche Nutzung der Hallen durch die Sportvereine entstehen“.

In der am 15. November beschlossen Hallengebühr befindet sich nach Ansicht der Kreistags-SPD nämlich ein „Denkfehler“. Denn: Die neue Gebühr stellt den Sportvereinen auch Investitions-, Sanierungs- und Instandhaltungskosten der Sportstätten in Rechnung. Die von den Vereinen genutzten Landkreis-Hallen, etwa die Realschulturnhalle oder die Turnhallen der Gymnasien in Dachau und Indersdorf, seien aber originär Schulsporthallen und würden als solche ohnehin schon öffentlich gefördert beziehungsweise durch die Kreisumlage finanziert. Reinigungskosten oder ein neuer Anstrich der Umkleiden, so findet die SPD, würden nicht allein wegen der am Abend und am Wochenende in den Hallen sportelnden Vereine nötig. In eine Gebühr für die Sporthallen dürften demnach „nur die Kosten eingerechnet werden, die dem Landkreis durch die Nutzung seiner Hallen durch Vereine aus dem Landkreis entstehen! Alle anderen Kosten muss der Sachaufwandsträger der Schulen aufbringen.“

Wolfgang Moll, Vorsitzender des TSV 1865 Dachau, geht sogar noch einen Schritt weiter. Der „für sportaffine Bürger unverständliche Vorgang“, die Nutzungsgebühr für die Hallen um das Dreifache zu erhöhen, solle zurückgenommen beziehungsweise „auf eine angemessene Höhe korrigiert werden“. Konkret erwartet er eine „maximale“ Steigerung der Gebühren um 50 Prozent und die Einräumung einer angemessenen Frist von sechs Monaten, in der sich die Vereine um die entsprechende Finanzierung kümmern könnten.

Mit dem aktuellen Beschluss nämlich müsste sein 2981 Mitglieder zählender Verein sein Angebot „massiv“ einschränken. Die Sanierung des Kreishaushalts geschehe damit auf dem Rücken der Sportler und des Ehrenamts und bedeute für die Menschen im Landkreis „einen Bärendienst ungeheuren Ausmaßes“.

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