Sportvereine geschockt: Landkreis erhöht seine Hallengebühren um das Dreifache

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Die Sportvereine im Landkreis Dachau nutzen auch die Schulturnhallen, die dem Landkreis gehören. Dieser erhöhte jetzt – hinter verschlossenen Türen und kurz vor Weihnachten – die Gebühren um das Dreifache. (Symbolfoto) © Lehmann

Kurz vor Jahresende hat die Sportvereine eine Hiobsbotschaft erreicht. Für die Nutzung von Turnhallen, die dem Landkreis gehören, sollen sie dreimal so hohe Gebühren zahlen.

Dachau – Der TSV Indersdorf hat ein anstrengendes Jahr hinter sich. Beim Hochwasser im Juni wurden weite Teile des Sporteländes überschwemmt, die Schäden waren enorm. Nun, da laut Vorsitzendem Bernhard Wetzstein die Aufräumarbeiten weitgehend abgeschlossen sind und er sich endlich auf eine entspannte Vorweihnachtszeit freute, erreichte ihn aber vor wenigen Tagen eine E-Mail aus dem Landratsamt.

Diese E-Mail, berichtet Wetzstein, war in nüchternem Ton gehalten und hatte drei Anhänge. Darin befanden sich ein neuer Mietvertrag für die dem Landkreis gehörende Turnhalle des Gymnasiums Markt Indersdorf, eine neue Hallennutzungsordnung und eine Information zur Änderung der Turnhallengebühren. Im Anschreiben wurde Wetzstein mitgeteilt, er möge den beigefügten Vertrag bitte schnellstmöglich unterzeichnen und an das Landratsamt zurücksenden. Dazu muss man wissen, dass die Mietverträge für die Kreisturnhallen jeweils auf ein Jahr befristet sind.

TSV Indersdorf hat wegen Erhöhung Vertragsverlängerung noch nicht unterschrieben

Doch Wetzstein hat bis heute nicht unterschrieben. Denn das, was er da schnellstmöglich unterzeichnen soll, gefährdet die Existenz des TSV Indersdorf. Die Gebühren für die Nutzung der Gymnasiumsturnhalle kosten ab 1. Januar entsprechend der Mitteilung des Landratsamts nämlich dreimal so viel wie bisher. In der E-Mail heißt dazu knapp: „In nichtöffentlicher Sitzung hat der Kreisausschuss des Kreistags am 15. November eine Erhöhung der Brutto-Gebühr pro Hallendrittel und Stunde von 13,69 Euro auf 40 Euro beschlossen.“ Wetzstein sagt: „Das ist Willkür. Ignoranz. Es ist wirklich eine Frechheit!“

Auch die Dachauer Sportvereine sind geschockt

Ganz genauso sehen es auch Andreas Wilhelm und Wolfgang Moll, Vorsitzende der Dachauer Großvereine ASV und TSV 1865 Dachau. Für den ASV, der die Landkreis-eigenen Sporthallen der Berufsschule, des Effner-Gymnasiums und an der Steinstraße nutzt, explodieren die Gebühren von jetzt 85.000 Euro pro Jahr auf dann 250.000 Euro. Der TSV, der die Realschulturnhalle, die Berufsschulhalle und die Halle des Taschner-Gymnasiums nutzt, steigen die Kosten sogar noch mehr: „Wir zahlen dann 200 000 Euro mehr“, so Moll. Der Hochwasser-geschädigte TSV Indersdorf muss nun binnen drei Wochen einen Weg finden, wie er im kommenden Jahr 46.000 Euro mehr an Hallengebühren aufbringen soll.

ASV-Chef Wilhelm gibt zu, nicht zu wissen, wie es weitergeht. „Ich bin fertig“, sagt er. Sein Kollege Moll geht es wenig besser, er habe es zunächst „gar nicht glauben können“, was er da lese. „So geht man doch mit Partnern nicht um! So kurz vor Weihnachten!“ Denn natürlich, das sagt auch BLSV-Kreisvorsitzender Günter Dietz, könne man „zusammenrücken, Abstriche machen und Mitgliedsbeiträge erhöhen“. Aber gerade für die Wettkampftage an den Wochenenden seien die Termine bis April ja längst fix gemeldet. „Wir können unsere Mannschaften ja nicht einfach aus dem Spielbetrieb abmelden.“

BLSV-Vorsitzender Dietz räumt ein, dass das seit Monaten im Landkreis geltende Mantra „sparen, sparen, sparen“ natürlich irgendwann auch den Sport treffen musste. Aber bei Maßnahmen dieser Dimension hätte er sich doch gewünscht, „dass man vorher miteinander redet“. Der Indersdorfer Wetzstein formuliert es so: „Wenn ich als normaler Geschäftsmann solche Erhöhungen plane, dann suche ich im Vorfeld das Gespräch mit dem Kunden.“ Moll ärgert sich gerade über die Entscheidungsfindung hinter verschlossenen Türen: Das sei der Tragweite des Beschlusses einfach „nicht angemessen“.

Landrat Löwl verteidigt Erhöhung, entschuldigt sich aber für Zeitpunkt

Landrat Stefan Löwl verteidigt sich. Der Kreisausschuss habe einstimmig entschieden! Auch die Bürgermeister Franz Obesser aus Inderdorf und Florian Hartmann aus Dachau hätten sich für „diesen Vollzug eines Gerechtigkeitsthemas“ ausgesprochen. Denn, so stellt Löwl klar, nichts anderes sei die Erhöhung der Hallengebühren. In den vergangenen Jahrzehnten sei der Sport massiv subventioniert worden, gerade die Dachauer Sportvereine hätten von den günstigen Tarifen der Landkreisturnhallen profitiert. Das Defizit der Hallen nämlich hätte der ganze Landkreis bezahlt – „über die Kreisumlage“!

Allerdings gibt Löwl zu, dass der Zeitpunkt der Entscheidung doch etwas „unglücklich“ war und die Umsetzung zum 1. Januar „tatsächlich knapp ist. Das hat keiner gesehen, weder die Verwaltung, noch der Ausschuss“. Deshalb werde er sich nun bemühen, die neue Regelung erst ab 1. April in Kraft zu setzen.

Bürgermeister wollen Vereine unter die Arme greifen

In Indersdorf hat Bürgermeister Obesser außerdem versprochen, dem TSV „einen größeren Betrag“ aus der Gemeindekasse zur Verfügung zu stellen, wie Wetzstein berichtet. In Dachau ist ebenfalls davon auszugehen, dass die Stadt ihren Vereinen zur Seite springt. Ob sie dabei ihre bisherige Zuschusshöhe beibehalten kann – sie hatte in den vergangenen Jahren 85 Prozent der Hallenkosten übernommen – ist fraglich: Mit den neuen Tarifen der Landkreishallen würde die städtische Fördersumme an die Vereine nämlich um fast 400.000 Euro ansteigen. OB Hartmann kündigte auch an: „Wir müssen uns Gedanken machen.“

Das Ergebnis dieser Überlegungen, da ist sich BLSV-Kreisvorsitzender Dietz sicher, wird auf alle Fälle dieses sein: „Bestraft wird der einfache Sportler.“ Indersdorfs TSV-Vorsitzender Wetzstein glaubt gar: „Wenn man immer noch mehr draufsattelt auf uns Vereine, dann bringt uns das irgendwann um.“

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