Tierschützer am Gehege: Hirsche tot

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

Kommentare

Der Letzte im Gehege: Hansi ist der einzige Damhirsch, den Ludwig und Christian Käser derzeit noch haben. © hr

Ein Dachauer (35), der für ein veganes Leben wirbt, Tiere schützen möchte und seinen Aktivismus gerne in Graffitis auslebt, ist wegen Sachbeschädigung verurteilt worden.

Dachau Das Bemerkenswerte daran: Nach einer der Taten in einem Wildgehege starben dort vier Hirsche, und nach der Beschädigung des Zauns kurz darauf entkamen die Tiere. Drei wurden überfahren.

Angeklagter steht unter offener Bewährung

Groß, ganz in schwarz gekleidet und einen Beutel mit dem Aufdruck „love to be vegan“ in Händen saß er im Gerichtssaal und schwieg. Gegen den Dachauer, der irgendwann mal eine Lehre zum Maler und Lackierer machte und heute vom Bürgergeld lebt, wurde in 20 Fällen wegen Schmierereien an Wänden oder Bahnunterführungen ermittelt. Fünf brachte die Staatsanwaltschaft beim Dachauer Amtsgericht zur Anklage. Jeweils in roter Farbe sprühte er „VEG“ oder „VE Anarchie“ drauf. Ein Angestellter der Dachauer Filale der Metzgerei Vinzenz Murr erwischte den 35-Jährigen, als er das Gleichnis „Veganism = Justice“ anbrachte.

Trotz der vergleichsweise harmlosen Vergehen ging es in dem Verfahren vor Richter Stefan Lorenz für den Angeklagten um viel. „Er kämpft darum, nicht ins Gefängnis zu müssen“, sagte der Vorsitzende zu dessen Verteidiger Marco Noli. Acht Vorstrafen zählte Lorenz auf. Das Register beginnt im Jahr 2013 und enthält: Beleidigungen, einen Verstoß gegen das Vermummungsverbot, einmal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und reichlich Sachbeschädigungen, einmal gar in 35 Fällen. Vier der nun angeklagten Taten ereigneten sich im August 2023 im Raum Röhrmoos, bei Vinzenz Murr war der Dachauer im Mai 2023 „aktiv“. Brisant: Der Aktivist steht unter einschlägiger, offener Bewährung.

Machte seine Ansichten im August Wahlkampfauftritt von Minsterpräsident Markus Söder beim Dachauer Volksfestdienstag: der Angeklagte (links).
Machte seine Ansichten im August beim Wahlkampfauftritt von Minsterpräsident Markus Söder zum Dachauer Volksfestdienstag deutlich: der Angeklagte (links). © vm

Lorenz forderte den Anwalt zu einem Rechtsgespräch auf. Wenn der Angeklagte die Taten einräume, so der Richter, könne noch einmal eine Geldstrafe verhängt werden. Der Anwalt und sein Mandant ließen sich darauf ein. Dies wiederum zieht eigentlich die Entlassung der Zeugen nach sich. Zwei von ihnen jedoch wollte Lorenz hören. Und die Einlassung des Zeugen Christian Käser (41) aus Sigmertshausen brachte einen Sachverhalt ans Licht, der sich als ungeheuerlich herausstellte.

Von 22 Hirschen ist nur noch einer da

Käser besitzt gemeinsam mit seinem Vater Ludwig ein Wildgehege in einem Waldstück zwischen Sigmertshausen und Großinzemoos. 22 prächtigte Dam- sowie neun Sikahirsche tummelten sich einst darin. Eltern mit ihren Kindern schauten gerne vorbei, so Käser, „bei schönem Wetter war ganz schön Betrieb“. Doch heute gibt es auf dem Gelände fast nichts mehr zu sehen. Lediglich ein einziger Hirsch hüpft umher. Die restlichen Tiere sind verschwunden – oder tot.

Im August vergangenen Jahres sprühte der Angeklagte ein großes Herz an den Stadel beim Gehege. „Zwei, drei Tage später fanden wir das erste tote Tier“, erinnerte sich der Zeuge. Schon bald seien es vier gewesen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Aktivisten ein. Ein Nachweis, dass er etwas mit dem Verenden der Hirsche zu tun hatte, gelang den Ermittlern nicht.

Allerdings zeichnete eine Wildkamera, die die Käsers einige Zeit nach der Sprüherei installierten, auf, wie sich eine Person in der Nähe des Zauns des Geheges herumtrieb, die laut den Käsers durchaus der Angeklagte sein könnte. Jedenfalls war nur kurze Zeit später der Zaun kaputt. Alle Hirsche liefen davon. Drei wurden auf der nahen Staatsstraße von Autos überfahren. Nur zehn konnten die Käsers wieder einfangen. Doch der „große Zirkus“, wie Christian Käser es nennt, war noch nicht zu Ende.

Beschmierter Stadel, kaputter Zaun: Christian (links) und Ludwig Käser bekamen drei Mal unliebsamen Besuch in ihrem Wildgehege.
Beschmierter Stadel, kaputter Zaun: Christian (links) und Ludwig Käser bekamen drei Mal unliebsamen Besuch in ihrem Wildgehege. © hr

Im Juli 2024 war das Gehege erneut offen, und die Hirsche entkamen schon wieder. Ob der 35-Jährige dabei seine Hand im Spiel hatte, ist nicht erwiesen. „Wir werden die Hirsche einen nach dem anderen abschießen müssen“, bedauert Christian Käser, der Jäger ist. Die Gefahr sei zu groß, dass sie „in Autos reinrumpeln“.

Erst gegen Ende der Hauptverhandlung brach der angeklagte Aktivist, der im August 2023 beim Wahlkampfauftritt von Minsterpräsident Markus Söder beim Dachauer Volksfestdienstag als lautstarker Demonstrant auffiel, sein Schweigen. Seine Taten seien ein Fehler gewesen, meinte er. „Es gibt andere Aktivismusaktionen. Demos, wo ich mich gerne einsetzen werde.“ Man müsse vegan leben, denn „Tiere werden ermordet und geschädigt“. Kurz danach fiel das Urteil. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro verurteilt.

Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/tierschuetzer-am-gehege-hirsche-tot-93450311.html