Die größten Probleme für Senioren: Pflege und Einsamkeit

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Der Landkreis-Seniorenbeirat wird am 20. Januar neu gewählt – Anlass, fürs vergangene Jahr und die zurückliegende Amtsperiode Bilanz zu ziehen. Unser Bild zeigt von links: den stellvertretenden Vorsitzenden Hermann Krusch, Stefanie Otterbein vom Landratsamt und den Vorsitzenden Reinhold Heiß. © rds

Der Landkreis-Seniorenbeirat hat auf einer Pressekonferenz die vergangenen vier Jahre Revue passieren.

Dachau – Ein wahres Feuerwerk der Themen und Aufgaben haben Reinhold Heiß, Vorsitzender des Landkreis-Seniorenbeirats (LKSB), und sein Stellvertreter Hermann Krusch sowie Stefanie Otterbein vom Landratsamt bei einer Pressekonferenz losgelassen. Sie ließen die vergangenen vier Jahre Revue passieren. Die Amtszeit des LKSB endet nach der Neuwahl am 20. Januar 2025.

Das drängendste Problem stellten die Pflege und Einsamkeit dar, unterstrich Heiß. Bei der Kurzzeitpflege gebe es sehr große Lücken. Im Rahmen einer Umfrage in Kooperation mit der Gesundheitsregion Plus, an der sich acht Pflegeeinrichtungen im Landkreis beteiligten, bekommen die meisten pro Woche rund 30 Anfragen, die dann abgelehnt werden müssen. Das werde, so Heiß, auch den nächsten LKSB noch lange und intensiv beschäftigen.

 Den ersten Schritt muss der oder die Einsame selber machen.

Keineswegs nur auf Senioren beschränkt sei die Einsamkeit von Menschen aufgrund weniger sozialer Kontakte. Da taugten auch viele TikTok-Kontakte nichts. Vor allem bei Senioren schlage die Einsamkeit voll durch, wenn Partner oder Angehörige versterben. „Schwierig ist das deshalb, weil sich die Menschen nicht outen wollen“, sagte Heiß. Dabei gebe es ein großes Spektrum von Angeboten wie Seniorenclubs, Nachbarschaftshilfen, Senioren-Frühstück oder Spielenachmittage, die es gelte bekannt zu machen. „Denn wir müssen die finden, die nicht kommen.“ Indersdorfs Seniorenbeauftragter Hermann Krusch ergänzte: „Den ersten Schritt muss der oder die Einsame selber machen.“

Die schwierige Aufgabe des LKSB sei, vorhandene Gruppen zu koordinieren. Dabei seien Jugendliche zum Teil einsamer als Senioren. Landratsamts-Pressesprecherin Sina Török fügte hinzu, eine Veröffentlichung Anfang November auf der Homepage zur Einsamkeit habe die höchsten Klick-Zahlen erbracht. Bergkirchens Seniorenbeauftragter Heiß kündigte für voraussichtlich Ende Mai 2025 dazu eine Veranstaltung in seiner Gemeinde mit dem Geriatrie-Experten Professor Markus Kühnel von der Hochschule Landshut an. Ein ähnlich schwieriges Thema sei die Altersarmut, räumte Reinhold Heiß ein.

Das Thema Klima- und Hitzeschutz wird auch den LKSB weiterhin beschäftige. „Wir können hier nur Empfehlungen aussprechen“, sagte Heiß. Er verwies darauf, dass die Zusammenarbeit mit der Landkreisverwaltung in Gestalt von Stefanie Otterbein super laufe. Sie habe zwar im LKSB kein Stimmrecht, aber sehr wohl (beratend) eine Stimme. „Sie ist die Lokomotive, und wir sitzen im ersten Wagon.“ Eine ähnlich gute Zusammenarbeit würde sich der LKSB auch mit der Politik im Landkreis wünschen.

Apropos Politik: Der vollkommen neutrale LKSB hat je eine Veranstaltung zu politischem Extremismus und zur EU-Wahl veranstaltet. Auch folgte der LKSB zwei Einladungen der Bundestags-Stimmkreis-Abgeordneten Katrin Staffler (CSU) nach Berlin. Das gab Gelegenheit zu seniorenpolitischen Gesprächen mit ihr.

Daneben kümmert sich der LKSB auch um Bildung und Mobilität wie Fahrsicherheitstraining oder die Bedienung von Mobiltelefonen oder anderen Informationstechnik-Geräten beim Online-Banking, Fahrkarten bestellen und Rezepte ausstellen lassen. Denn heute gebe es fast nichts mehr ohne Digitalisierung. Doch das dränge viele Senioren ins Abseits. Andere Themen des LKSB waren die sich verändernde Bestattungskultur hin zu 80 Prozent Urnenbestattungen oder das weite Feld des Wohnens im Alter. 2023 veranstaltete der LKSB eine Bildungsreise nach Garmisch zum Thema Assistenzroboter. Für nächsten Juni planen Heiß und Krusch im Falle ihrer Wiederwahl eine weitere Bildungsreise nach Oswiecim mit dem Schwerpunkt „älter werden“. Hier ergänzte Otterbein: „Wir wollen schauen, was wir voneinander lernen können.“ Neben einem erneuten Fahrsicherheitstraining als proaktives Angebot für ältere Autofahrer soll es 2025 schon das 30. Stockschützenturnier geben.

Heiß will wieder in Bergkirchen fürs Amt des Seniorenbeauftragten kandidieren. „Ich muss aber erst gewählt werden.“ Er würde auch wieder im LKSB mitarbeiten und erst dann erneut für den Vorsitz kandidieren. Auch Krusch will weitermachen. Ist er doch als Delegierter für den Landesseniorenrat Bayern in dessen Ausschuss Daseinsvorsorge und Lebensqualität tätig. Übrigens gibt es Landkreis-Beiräte für Senioren im Freistaat nur wenige. Dazu Heiß: „Da sind wir im Landkreis Dachau gut aufgestellt.“ Zum Schluss appellierte Krusch an die älteren Landkreisbürger: „Wir sind auf Hinweise und Anregungen angewiesen und dafür sehr dankbar!“

Der LKSB besteht aus 60 Delegierten von Dachaus und Karlsfelds Seniorenbeiräten, den Seniorenbeauftragten der übrigen Landkreis-Gemeinden mit Ausnahme von Haimhausen und Hebertshausen – nach dem Tod von Gabriele Michal. Dazu kommen Vertreter der Wohlfahrtsverbände und politischen Parteien. Kernaufgaben sind die Vertretung der Interessen älterer Menschen, die Beratung von Politik und Verwaltung in seniorenspezifischen Fragen, Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung für die Bedürfnisse der älteren Genreration sowie die Unterstützung und Vernetzung der Seniorenvertretungen in den Gemeinden.     

Reinhard-Dietmar Sponder

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