Wenig Grün, wenig Parkplätze

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Die Schleißheimer Straße ist viel befahren. Schwer vorstellbar, dass die Nutzer der künftigen Kita sowie die Bewohner der künftigen viergeschossigen Wohnanlage an der Hausnummer 45 das Grundstück nur über die Schleißheimer Straße anfahren und dies nicht zu Behinderungen führen soll. © Habschied

Die geplante Neubebauung des Grundstücks an der Schleißheimer Straße 45 mit Kita und Wohnungen schreitet voran. Die Kritik bleibt.

Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens durften sich zuletzt die Anwohner äußern. Der Anton-Ortner-Straße, so ihre Befürchtung, drohe der Verkehrskollaps.

Die Beziehung zwischen dem Inhaber des Grundstücks an der Schleißheimer Straße 45 und der Stadt begann schwierig. Wie mehrfach berichtet, hatte ein Privatmann im Frühjahr 2021 das Wohn- und Geschäftsgebäude sowie das Rückgebäude ersteigert und geplant, das Grundstück mit schicken neuen Wohnungen zu bebauen. Die Stadt hatte das Areal ebenfalls ersteigern wollen, aber den Kürzeren gezogen.

Daher griff man im Rathaus zu einem Kniff: Man belegte das Grundstück mit einer Veränderungssperre, um den neuen Grundstückseigentümer auf diesem Weg dazu zu bringen, das zu bauen, was die Stadt-Oberen wollen: nämlich eine Kita und erschwingliche Wohnungen. Der Privatmann gab nach, wobei die Stadt ihm für seinen Wohnbau viel Fläche genehmigte. Allen Beteiligten war damit klar: Auf dem künftigen Areal wird eng es zugehen.

Der Plan: Im vorderen Bereich der exakt 2469 Quadratmeter großen Fläche, also direkt an der Schleißheimer Straße, wird die viergruppige Kita untergebracht. Drei Geschosse sind dafür geplant. Das Rückgebäude wird noch massiver: drei Geschosse plus Staffelgeschoss. Eine Zufahrt für die Feuerwehr soll die Schleißheimer Straße und das Rückgebäude verbinden, zudem bekommt der Wohnquader eine Tiefgarage. Die Folge: Eine ordentliche Freifläche für die Kinder gibt es praktisch nicht. Was es ebenfalls praktisch nicht gibt: Parkplätze vor der Kita an der Schleißheimer Straße. Lediglich drei sind vorgesehen.

Kann das funktionieren? Nein, sagen die Stadträte seit Monaten. Und auch in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses, wo es eigentlich um die Rückmeldungen der Anwohner zu dem Projekt gehen sollte, wurde diese Kritik wieder laut. Die Parkplätze seien „der Schwachpunkt der Planung, das muss man einfach sehen“, so Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU). Auch Volker C. Koch (SPD) sah die drei Parkplätze und das ständige „Tür auf, Tür zu“ des Hol- und Bringverkehrs als „gefährlich für den Radverkehr“ an. Die Verwaltung müsse sich die Parkplatz-Frage daher dringend noch einmal „genauer anschauen“!

Die Anwohner, denen im Zuge des Bebauungsplanverfahrens standardmäßig die Möglichkeit des Feedbacks gegeben wurde, beklagten zudem die Massivität beziehungsweise das Maß der Bebauung. Oberbürgermeister Florian Hartmann war darüber erstaunt: „Plötzlich wird kritisiert, dass wir zu viel genehmigen. Sonst heißt es immer, die Stadt genehmigt zu wenig!“

Auch der kleine Weg, der dereinst das Grundstück und den Anton-Ortner-Weg verbinden soll, wird von den Anwohnern abgelehnt. Ihr Argument: Dieser Weg würde dazu führen, dass ihre Straße als kleine Verbindung zwischen Frieden- und Robert-Koch-Straße ohne Parkplätze künftig unverhältnismäßig belastet würde. In einer E-Mail heißt es, dass der von der Stadt geplante Weg „weiteren zusätzlichen Verkehrsdruck“ auf die Anton-Ortner-Straße erzeuge und daraus „erhebliche verkehrliche Probleme resultieren würden“. Diese Probleme, so die Befürchtung eines Anwohners, könnten sogar so weit gehen, dass die „Zufahrtsmöglichkeiten zu den unmittelbaren Anwohnergrundstücken ganz eingeschränkt“ würden. Die alleinige Zufahrt zu der Wohnanlage solle daher über die Schleißheimer Straße führen!

OB und Stadträte reagierten mit Unverständnis auf diese Kritik. Nach ihrer Ansicht könnte der neue Weg hin zur Anton-Ortner-Straße dazu führen, dass die ohnehin schwer belastete Schleißheimer Straße durch das neue Wohnprojekt samt Kita noch mehr belastet wird. Aber, so der OB: „Wir verzichten jetzt auf den Weg. Auch wenn ich dachte, das wäre ein Vorteil für die Anwohner. Wir wollen keinen zu seinem Glück zwingen.“

Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau) sprach am Ende noch das (bekannte) Problem der äußerst knappen Freiflächen für die Kita an. Bauamtsleiter Moritz Reinhold gab zu, dass Grün „in der Tat nicht viel“ vorhanden sei. Allerdings müsse man bedenken: „Mittlerweile gibt‘s sogar schon Kitas, die haben gar keine Grünflächen mehr.“

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