Die angekündigte Schließung des Bonus-Markts in der Altstadt hat in Dachau für Bestürzung gesorgt. Nach Auskunft des gemeinnützigen Unternehmens, das vor allem Langzeitarbeitslosen eine Chance bieten will, waren es allerdings nicht fehlender Umsatz, der zum Aus des Marktes führte, sondern Personalmangel und gestiegene Kosten.
Der Bonus-Markt in der Altstadt sollte zweierlei bieten: den Altstadtbewohnern endlich einen Lebensmittelmarkt, der – hauptsächlich bestückt mit Rewe-Sortiment – alles bot, was der Dachauer Haushalt so brauchte; und zum anderen Langzeitarbeitslosen die Chance, im Jobmarkt wieder Fuß zu fassen. Bonus steht seit vielen Jahren für „Berufliche Orientierung, Nachbarschaftsmärkte und Service“, in ganz Süddeutschland gibt es Filialen. Um Gewinn, so bestätigte bei der Dachauer Eröffnung im Jahr 2021 der Bonus-Geschäftsführer Karsten Fischer, gehe es bei Bonus nicht, lediglich „die schwarze Null“ sollte am Ende des Jahres in der Bilanz stehen.
Das Problem: Zuletzt haben sich die „wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen stark verändert“, wie Fischer es beschreibt. „Gestiegene Kosten in allen Bereichen“ sowie „fehlende Zuweisungen von gefördertem Personal“ hätten am Ende dazu geführt, dass die Dachauer Filiale Ende Januar 2025 geschlossen werden müsse.
Wobei die Altstadtbewohner nicht die einzigen sind, die auf ihren Lebensmittelmarkt vor Ort bald verzichten müssen. Laut Fischer seien bereits fünf Bonus-Märkte in Baden-Württemberg sowie die Märkte in Kirchheim bei München und Johanneskirchen aus den gleichen Gründen zugesperrt worden. Fischer: „Es ist eine Situation, die uns zutiefst betrübt, da wir als gemeinnütziges Filialunternehmen das Ziel verfolgen, soziale Teilhabe zu fördern und Nahversorgung zu sichern.“
Vor allem die nach dem aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung wohl gekürzten Fördermittel aus dem Arbeitsmarktprogramm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ stellen das Unternehmen vor unüberwindbare Probleme. Das Bundesprogramm gewährte Bonus in den vergangenen Jahren hohe Lohnkostenzuschüsse und „arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen“ dadurch gleichzeitig eine Chance, mehr zu verdienen als nur den gesetzlichen Mindestlohn. Den Zuschuss ersetzen kann Bonus nun aber nicht – schon heute sei es fast unmöglich, noch willige Bewerber für den Job in den Bonus-Märkten zu finden. Das Bürgergeld ist, auch wenn Fischer das nicht so explizit sagt, für seine Mitarbeiter-Zielgruppe schlicht die attraktivere Alternative. Was Fischer dagegen explizit sagt: „Ohne die Unterstützung durch die Jobcenter ist es uns leider nicht möglich, den Betrieb des Marktes wirtschaftlich zu führen.“
Hinzu komme die besondere Firmenstruktur von Bonus: „Als gemeinnütziges Filialunternehmen tragen wir betriebliche Fixkosten und Umlagen, die unabhängig von der Größe eines Standorts auf alle Filialen verteilt werden. Dazu gehören zentrale Verwaltungs-, Logistik- und Personalmanagementkosten. Während selbstständige Betreiber flexibler auf lokale Gegebenheiten reagieren können, sind wir durch diese Strukturen eingeschränkt.“ Selbst bei günstigeren Rahmenbedingungen und „eingehender Prüfung möglicher Ansätze“ würden sich die Betriebskosten in Dachau laut Fischer daher „als nicht tragbar“ erweisen.
Gleichzeitig betont er aber: Der Standort Dachau biete weiterhin Potenzial, insbesondere für einen selbstständigen Betreiber, der flexibler und kosteneffizienter agieren könnte. Gemeinsam mit Immobilienbesitzer Franz Scherm suche Bonus daher aktiv nach Interessenten, die den Markt eigenverantwortlich übernehmen möchten. Fischer verspricht: „Wir unterstützen neue Betreiber dabei, einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten!“
Auch die Stadt würde diese Suche unterstützen, wie Oberbürgermeister Florian Hartmann auf Nachfrage bestätigt. Er bedauert die Schließung, da „unserem Eindruck nach die Resonanz recht gut war und uns nichts Gegenteiliges kommuniziert wurde“. Genau wie Eigentümer Scherm, der gegenüber der Heimatzeitung vergangenen Donnerstag betont hatte, seinen „Traum von einem Nahversorger in der Altstadt nicht aufgeben zu wollen“, sieht auch Hartmann einen „Lebensmittelladen als absolut sinnvollste Nutzung“ für das Geschäft.
Bonus-Geschäftsführer Karsten Fischer bleibt daher nun nichts anderes, als „der Dachauer Gemeinschaft für ihre Treue und Unterstützung in den vergangenen Jahren zu danken und zu bedauern, dass wir diesen Schritt gehen müssen“. Diese Entscheidung, erklärt er, sei „uns nicht leicht gefallen“.
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Immobilienbesitzer Franz Scherm ist bewusst, dass es schwer wird, einen neuen Mieter zu finden. Die Tatsache, dass der Standort mitten in der Dachauer Altstadt weder über Parkplätze, noch über größere Schaufenster verfügt, mache die Suche nach einem Bonus-Nachfolger nicht eben leichter. Aber wie der OB und Karsten Fischer sieht auch er Potenzial im Standort-Altstadt. Alles, was es nun brauche, sei mutiges Unternehmertum. Möglichen Interessenten rät Scherm, „vielleicht einfach mal frei zu denken und alle Möglichkeiten durchzuspielen“. Er stehe jeder Idee offen gegenüber.