Eine lustige Schlauchbootfahrt nahm am Samstag nahe Moosburg an der Isar eine dramatische Wendung. Nun sorgt eine kuriose Suchanzeige für großes Aufsehen.
Moosburg – „Bein verloren“: Diese markige Überschrift einer Online-Kleinanzeige aus der Region Moosburg macht derzeit viele Nutzer neugierig. Auch der Beschreibungstext hebt sich drastisch von den übrigen Verkaufsangeboten ab. „Hey Leute. Wir sind leider mit unseren Booten auf der Isar gekentert und haben die Prothese von meinem Vati verloren. Wer das Bein findet, darf sich bitte melden!“ Das FT hat Kontakt zum Inserenten aufgenommen und dabei die dramatische Geschichte hinter der Annonce erfahren.
Als am Samstag in Freising acht Mann zwei Schlauchboote in die Isar heben, herrscht noch prächtige Stimmung. Klaus S., der im Raum Görlitz an der polnischen Grenze lebt, ist zu Besuch bei seinem Sohn in Freising. Neben einem weiteren Sohn steigen noch Freunde mit in die Boote. Weil Klaus S. von Geburt an nur ein Bein hat, trägt er ab der Hüfte eine Prothese. Doch das künstliche Bein ist beim Paddeln unbequem. In der Domstadt zurücklassen möchte es der 67-Jährige aber auch nicht, schließlich will die Gruppe am Ziel in Moosburg zu Fuß zum Bahnhof laufen, um wieder nach Freising zu kommen. Also nimmt S. die Prothese ab und verstaut sie in einem dritten Boot, in dem ein Bollerwagen mit wasserdichten Gepäckbeuteln und eine Kühltasche Platz finden.
Bootskonvoi wird zum Verhängnis
Gut fünf Stunden plant die Gruppe für die Tour, die nicht zum ersten Mal stattfindet. Bei bestem Sommerwetter genießt man die Flusslandschaft und die Gesellschaft, paddelt durch den Nachmittag. Um besser plaudern zu können, sind die Boote zusammengebunden. „Dummerweise“, wie Klaus S. im Nachhinein sagt.
Denn als der Konvoi am mittleren Nachmittag auf Höhe Grünseiboldsdorf (Stadtgebiet Moosburg) in eine Kurve treibt, wird der schwer zu manövrierende Verbund zum Verhängnis. „Wir hatten uns unterhalten und waren wohl etwas unkonzentriert“, erinnert sich der Rentner. „Wir haben noch gesehen, dass da ein Baum im Wasser liegt und es uns hinzieht. Zum Aussteigen war es zu tief. Als wir versucht haben, dagegen anzupaddeln, war die Strömung allerdings so stark, dass wir uns im Geäst verfangen haben.“ Gegen die unerbitterliche Kraft des Flusses können selbst acht Personen nicht andrücken: Blitzschnell flutet Wasser die Boote und bringt sie zum Kentern.
Teure Beinprothese in der Isar verloren
Als die Strömung Klaus S. unter Wasser drückt, gerät er in Panik. „Ich hatte schon eine Nahtoderfahrung, denn ich bin erst mal nicht mehr durch das Gestrüpp gekommen.“ Wie durch ein Wunder können sich aber alle befreien – „und es gab zum Glück keinen Personenschaden, das ist das Wichtigste“. Dafür ist nun bloß noch ein Boot funktionsfähig, und durch die Strömung ist die Ladung aus dem Beiboot gekippt. Darin befand sich auch die rund 50.000 Euro teure Beinprothese des 67-Jährigen.
Die Gruppe steuert ans Ufer, hofft, dass dort etwas von der Ladung angespült wird. Vergeblich. Auch andere Isar-Paddler, die vorbeikommen, können nicht weiterhelfen. Schließlich hängt sich ein Teil der Truppe außen ans Boot, der andere paddelt die verbleibende Dreiviertelstunde bis zur Moosburger Isarbrücke, dem Ausstieg. Weil auch die Krücken des Sachsen untergegangen sind, wird er von zwei Begleitern gestützt. „Von Moosburg ging es dann mit dem Taxi zurück nach Freising“, erzählt Klaus S. dem FT.
Das Positionssignal sendet weiter aus dem Wasser
Eine halbe Woche liegt der Vorfall zurück, von der Prothese fehlt bislang jede Spur. Klaus S. befindet sich wieder in der Heimat und wartet nun, wie die Versicherung den Verlust des künstlichen Beins beurteilt. Derweil haben die Online-Kleinanzeige zwar schon hunderte Nutzer gelesen, ein Finder hat sich aber nicht gemeldet. Der Rentner befürchtet, dass selbst im Falle eines Auftauchens der Prothese empfindliche Fragmente vom Wasser zerstört wurden. Dass ein Teil der Bootsladung und vielleicht auch die Prothese noch immer am umgestürzten Baum steckt, zeigen Positionsdaten: Auch das Handy von Klaus S.‘ Sohn liegt noch in der Isar und sendet seinen Standort, an den momentan jedoch kein Herankommen ist.
Finder bitte melden!
Finder der Prothese sowie der übrigen verlorenen Ladung können sich unter Telefon (08161) 186-18 beim Freisinger Tagblatt melden. Unsere Redaktion stellt dann den Kontakt zum Eigentümer her.