„Beide Parteien leiden darunter“: Bürgermeister will Kindergarten-Streit in Au beenden – und räumt Fehler ein

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Zankapfel: der Kindergarten Maria de la Paz in Au. © Beschorner

Im Streit um den Kindergarten Maria de la Paz in Au sind die Fronten verhärtet. Der Bürgermeister setzt nun erneut auf Information, um den Markt zu befrieden – räumt aber auch Fehler ein.

Au/Hallertau – Kein Thema spaltet Au derzeit mehr als der Kindergarten Maria de la Paz. Wie berichtet, hat der Marktrat Ende Juni auch das zweite Bürgerbegehren dazu abgelehnt. Die Fronten zwischen denen, die das Gebäude am Klosterberg sanieren wollen, und denen, die die Neubaupläne der Kommune befürworten, sind verhärteter denn je. Bürgermeister Hans Sailer nimmt auf FT-Anfrage Stellung.

„Ideologische“ Debatte

Sailer bedauere es sehr, dass die Situation derart festgefahren sei. Warum es so weit gekommen ist, kann er selbst nicht erklären. Nachdem der Marktrat den Neubau im Mai 2022 einstimmig beschlossen hatte, sei dieser zwei Jahre lang kein Thema gewesen. 2024 sei dann die Bürgerinitiative um das Ehepaar Kodritsch auf den Plan getreten und habe „die Leute mobilisiert“. Die folgende Debatte hätte Sailer eigentlich zu Anfang erwartet. „Da hätte ich sie mir auch gewünscht, man hätte viel Luft rausnehmen können.“ Dass sie eine solche Dynamik entwickle und derart „ideologisch“ geführt werde, sei kaum nachvollziehbar. „Beide Parteien leiden darunter.“

Aus diesem Grund hat die ehemalige FWG-Rätin und 3. Bürgermeisterin Rita Briem nun einen offenen Brief an den Markt verfasst. Sie schreibt, dass sie die Entwicklungen „mit wachsender Sorge“ betrachte und „für einen offenen und sachlichen Dialog mit der Bürgerschaft“ und eine Infoveranstaltung plädiert, um „Unklarheiten auszuräumen und die Beweggründe des Gemeinderats transparent zu machen“. Darauf angesprochen, erklärt Sailer, dass er selbst schon mit Briem gesprochen habe. „Ich führe gerne Gespräche – auf sachlicher Basis, ohne große Emotionen.“ Eine große Gesprächsrunde lehnt er jedoch ab: „Da kommen wieder Stimmungsmacher, und dann ist es schwierig, sich auf die Sache zu besinnen.“

Dafür wird man laut dem Rathauschef die nächste Gemeindeinfo, die Ende Juli erscheint, nutzen, um den Sachverhalt noch einmal klarzustellen. „Ich habe die Hoffnung, wenn wir nochmal gut informieren und vor allem die Notwendigkeit der Sache darstellen, dass das zwar nicht alle, aber den Großteil zum Umdenken bringt.“

Streit als Generationenkonflikt

Ohnehin: Er wolle zwar nichts unterstellen, sei sich aber nicht sicher, inwieweit einige Bürger das Begehren tatsächlich aus Überzeugung unterschrieben hätten. „Vorsichtig formuliert: Die Werbeaktion für die Unterschriften war sehr offensiv.“ Außerdem sei gerade das erste Begehren unglücklich formuliert gewesen: „Da stand drüber ,Erhalt des Kindergartens Maria de la Paz‘. Wenn ich damals nicht gewusst hätte, worum es geht, hätte ich auch unterschrieben, weil ich das Gebäude ja erhalten will.“ Dabei sei die 120 Jahre alte Immobilie sowieso nie als klassischer Kindergarten konzipiert gewesen. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich in der Kinderbetreuung viel getan, man bedenke allein Mittagsbetreuung, Inklusion und mehr Verkehr.

Sailer hat das Gefühl, dass der Streit um Maria de la Paz auch ein Generationenkonflikt ist: Der Neubau würde stark von Mitgliedern der Elterngeneration unterstützt. Aber viele Sanierungsbefürworter seien deutlich über 60 Jahre alt. „Da geht es meiner Meinung nach in erster Linie nicht um die Kinder und ein zukunftsfähiges Kindergartenkonzept, sondern um das Gebäude.“

Versäumnisse des Marktes

Dabei bleibe das auf jeden Fall erhalten, was man seit Langem so kommuniziere. „Letztens wurde ich aber von jemandem angesprochen, ob er den Kindergarten nochmal anschauen dürfe, bevor er abgerissen werde.“ Sailer sagt: „Es ärgert mich, dass so viele Falschinformationen in Umlauf sind.“

Dennoch sieht Sailer auch Fehler auf Seiten des Marktes: Dass Räte zur Zeit des ersten Begehrens mit einer Banner㈠aktion vorgeprescht seien, „das haben uns viele krumgenommen“. Er betont: „Bis auf einen Nachrücker steht der gewählte Marktrat einstimmig hinter der Sache. Leider ist es uns nicht gelungen, die Notwendigkeit an alle Bürger zu kommunizieren. Das gebe ich zu, denn sonst könnte die BI nicht so viele Stimmen sammeln.“ Das zweite Begehren hatte 944 gültige Unterschriften. „Dazu kommen aber an die 5000 Auer, die nicht unterschrieben haben“, so Sailer. „Nur schreien die halt nicht so laut.“

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