Schule setzt starkes Zeichen

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Warben für die Ausstellung „ToleranzRäume“: (v. l.) Michaela Jahn (Migrationsrat), Sina Hörl (Interkulturelle Stelle der Stadt Freising), Sem Haikali (Migrationsrat), Andy Starek und Johannes Becher (Paten der „Schule ohne Rassismus“), Stadtrat Anton Frankl, Rektorin Sabine Jackermaier und Jugendsozialarbeiterin Veronika Bachnick. © Lehmann

Die Freisinger Grundschule „Am Steinpark“ engagiert sich seit Jahren für Integration. Jetzt hat die Einrichtung besondere Räume geöffnet.

Freising - Das bunte Wimmelbild sieht auf dem ersten Blick fröhlicher aus, als es ist. In der großflächigen Illustration des Berliner Künstlers Markus Wende tummeln sich Konfliktszenen – hier eine AfD-Demonstration, dort ein Unfall, in einer anderen Ecke ein Weiher, in dem mehrere Männer rücksichtslos mitten unter Badende ins Wasser springen.

Das Wimmelbild ist Teil der Wanderausstellung „ToleranzRäume“, die der Detmolder Verein „Toleranztunnel für Kinder und Jugendliche konzipiert hat, und die nun im Rahmen der Aktion „Zehntelsekunde“ in der Grundschule am Steinpark in Freising zu sehen ist. Die Ausstellung behandelt Themen wie Kinderrechte, informiert über Anlaufstellen, an die sich Opfer von Übergriffen wenden können, und sie ist auch interaktiv: So können Kinder an einer Tafel für sich bestimmen, was sie anhand verschiedener Fragen aushalten – und was nicht.

Toleranz ist die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens.

Die Ausstellung passt perfekt zur Grundschule am Steinpark, die seit vielen Jahren das Etikett „Schule gegen Rassimus – Schule mit Courage“ lebt. „Mit dem Siegel haben wir nicht nur ein Schild an der Wand, sondern eine tägliche Erinnerung an unsere Verantwortung. Für Respekt. Für Offenheit. Für den Mut, auch mal gegen den Strom zu schwimmen – selbst wenn’s anstrengend wird“, betonte Schulleiterin Sabine Jackermaier bei der Präsentation der Ausstellung am Montagabend (siehe Kasten).

„Toleranz muss man trainieren“

„Was ist eigentlich Toleranz? Ein großes Wort! Es klingt nach Philosophie, Weltpolitik und nach dem, was man dem anderen am besten vorlebt, bevor man’s predigt. Das Wort „Toleranz“ kommt vom Lateinischen „tolerare“, also „erdulden, ertragen“. Toleranz bedeutet aber mehr. Es heißt nicht nur „Ich halte dich irgendwie aus“, sondern: „Ich sehe dich. Ich höre dich. Und ich respektiere, dass du vielleicht ganz anders bist als ich, und das ist gut so.“

Jeder hat doch bestimmt schon solche Sätze gehört: „Ich hab ja nix dagegen, aber ….“ „Es kann ja jeder machen, was er will, aber ….“ „Mir kann‘s ja wurscht sein, aber …“ Gerade dieses Wort „aber“ knüpft die Toleranz an Bedingungen. Gleichzeitig ist es eine wunderbare Einladung zur Selbstreflexion. Denn genau da beginnt es: in den kleinen Gedanken und den unausgesprochenen Vorurteilen, die wir alle manchmal haben.

Warum ist Toleranz gerade heute so wichtig? Weil wir in Zeiten leben, in denen Meinungen oft knallen wie Tischtennisbälle im Turniermodus. Laut, schnell, ohne Pause. Umso wichtiger sind Orte, an denen nicht das Lauteste zählt, sondern das Zuhören. Toleranz ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist eher wie ein Muskel: Man muss sie trainieren. Am besten täglich, im Gespräch, im Widerspruch, im Schulflur – ja, sogar beim Anstehen in der Cafeteria. Sie ist keine exklusive Übung für „die anderen“, sondern ein Job für jede und jeden von uns.“

Sabine Jackermaier, Leiterin der Grundschule am Steinpark

Für Sem Haikali, Sprecher des Freisinger Migrationsrats, bedeutet Toleranz Anerkennung und Respekt für Menschen anderer Hautfarbe oder anderer Lebensstile und eine Verpflichtung zur Gerechtigkeit: „Toleranz ist die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens“. Stadtrat Anton Frankl (FSM) lobte das Engagement der Schule. „Denn Schule geht es nicht nur um Lesen, Rechnen und Schreiben, sondern sie soll aufs Leben vorbereiten“, sagte er. Das allerdings könne die Schule nicht allein leisten. „Wichtig ist auch, dass die Eltern dahinter stehen.“

Für Eltern gibt es Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen

Aus diesem Grund ist nicht nur geplant, dass alle Klassen von der schulischen Jugendsozialarbeiterin Veronika Bachnick durch die Ausstellung geführt werden, sondern dass auch Eltern und andere Interessierte die Möglichkeit dazu haben, sie zu besuchen. Gelegenheit dazu besteht am Donnerstag, 10. Juni, von 18.30 bis 20 Uhr.

Schon zweimal gesehen hat die Ausstellung Grünen-Landtagsabgeordneter Johannes Becher. Er ist wie Liedermacher Andy Starek, der den Song „Wir stehen nicht auf Rassismus“ geschrieben hat, Pate der Schule und war auch schon am Vormittag zu Gast, als die Ausstellung den Schülern erstmals präsentiert wurde. Becher betonte, dass auch Toleranz ihre Grenzen haben. „Dort, wo Regeln gebrochen werden.“ Er habe die Kinder daher gefragt, was sie tolerieren könnten. Schwarze Haare? Logisch! Schwarze Haut? Klar. Eine Ohrfeige? Nein. Bechers Bilanz: „Die Kinder haben dafür ein sehr gutes Gespür.“

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