An diesem Samstag (30. August) wird das „Zentrum Gebirgsschützen Bayern“ im Kloster Benediktbeuern von Ministerpräsident Markus Söder eingeweiht. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen zur Eröffnung.
Benediktbeuern - Auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche können Interessierte bald die Geschichte der bayerischen Gebirgsschützenkompanien kennenlernen. Zusätzlich gibt es einen rund 200 Quadratmeter großen Archivbereich, in dem geforscht werden kann. Denn das Zentrum steht nicht nur allgemeinen Besuchern offen, sondern auch Fachleuten. Die Historikerin Dr. Julia Mattern hat dort ihren Arbeitsplatz als wissenschaftliche Leiterin.
Der Gewölberaum im Maierhof war einst Stall, dann die Bibliothek der 2013 aufgelösten Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) im Kloster. In den vergangenen Monaten wurde er saniert. „Es ist uns gelungen, den Charakter des Raums zu erhalten“, sagte Landeshauptmann Martin Haberfellner am Montag bei einem Rundgang. Der schöne, helle Boden aus Tannenholz stammt übrigens von Bäumen aus der Jachenau – ehemals Benediktbeurer Klosterwald – und wurde von einer Jachenauer Firma verlegt, berichtete Haberfellner, als er zusammen mit Hans Baur aus Wallgau, Schützenmeister Harald Schrangl und Architekt Michael Holzer einen ersten Blick in das Zentrum gewährte. Die Kosten, sagte Haberfellner auf Nachfrage, seien „vorbildlich eingehalten worden“.
Erinnerungen an Patronatstag
Gleich rechts neben dem Eingang befindet sich ein Schießstand, an dem Besucher mit Lichtgewehren auf zwei kleine Ziele schießen können. Außerdem gibt es einen großen Bildschirm, auf dem unter anderem ein Video des Patronatstags 2025 läuft. Ansonsten prägen das Zentrum große Vitrinen mit herausragenden Ausstellungsstücken, die immer wieder verändert werden. „Das Zentrum ist kein Museum“, betonte Haberfellner und berichtete, wie viel Archivmaterial noch zu bearbeiten sei. Alles soll zeigen, wie sehr die Gebirgsschützenkompanien mit wichtigen Ereignissen in der bayerischen Geschichte verbunden sind.
Eines der ältesten Bilder in Bayern
Links neben dem Eingang hängt Haberfellner zufolge nicht nur eines der frühesten bayerischen Landschaftsbilder, sondern zugleich auch die früheste Darstellung von Gebirgsschützen. Auf dem runden Bild aus dem Jahr 1809 sieht man Schützen auf dem Schelmbichl bei Kochel. Sie mussten die Region gegen Truppen aus Tirol verteidigen. In einer der weiteren Vitrinen sieht man die originale Landesschützenfahne aus dem Jahr 1920, gestiftet von Kronprinz Rupprecht von Bayern. Bis zirka 1950 befand sich die Fahne in der Tegernseer Schlosskirche, seither ist sie bis heute die Bundesfahne. „Marschiert wird immer mit einer Kopie“, verriet Haberfellner. Zu sehen ist die auch die originale Gotzinger Trommel von der Sendlinger Bauernschlacht 1705. Man spreche derzeit mit der Stadt Miesbach, ob man sie als Dauerleihgabe in Benediktbeuern zeige dürfe. Nahe der Trommel befindet sich in einer Vitrine die Standarte der Kompanie Kochel aus dem Jahr 1900 – jenes Jahr, in dem auch das Schmied-von-Kochel-Denkmal gestiftet wurde.
Festakt mit 50 Kompanien
Die Besucher sehen auch verschiedene Monturen sowie Fotos, die die Repräsentationsdienste für den Staat dokumentieren: Man entdeckt unter anderem Michail Gorbatschow, Helmut Kohl, Papst Benedikt XVI., Queen Elizabeth II. und Königin Margarethe II. von Dänemark.
Pater Menz: „Geschichte verstehen, um die Zukunft zu gestalten“
Klosterdirektor Pater Heinz Menz spricht von einem „schönen Begegnungszentrum“. „Nur wer die Geschichte versteht, kann gut in die Zukunft gehen, und weiß, was notwendig ist für ein gutes und friedliches Zusammenleben“, sagte der Salesianer. „Es gibt nichts Schlimmeres als Geschichtsvergessenheit.“
Die Einweihung wird am Samstag groß gefeiert. Ministerpräsident Markus Söder wird von rund 200 Gebirgsschützen empfangen, an deren Spitze die gesamte Antlaßschützenkompanie Benediktbeuern-Ried steht. Den Salut übernimmt die Kompanie Königsdorf. Die anderen 48 bayerischen Kompanien entsenden jeweils vier Mann. Erwartet werden zudem 50 Fahnenabordnungen. Unter den Gästen sind auch Provinzial Pater Reinhard Gesing, der oberste Salesianer in Deutschland, und Pater Stefan Stöhr. Nach der Feierstunde, in der Pater Menz den kirchlichen Segen spendet, können die ersten Besucherinnen und Besucher das Zentrum kennenlernen. Es ist vorerst jedes Wochenende von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.