Oldtimernarrische aus dem Tölzer Land und darüber hinaus kamen am Sonntag in Bichl zusammen, um bei der sechsten Auflage des Treffens der Oldtimerfreunde dabei zu sein. Unter den Gefährten waren auch ganz besondere Raritäten.
2023 fand das letzte Oldtimertreffen in Bichl statt. „Letztes Jahr sind wir ausgefahren“, sagt Organisator Georg Deiser von den Bichler Oldtimerfreunden. Zufrieden sieht er aus, als er über das Gelände schlendert. „Es ist heuer sehr gut besucht“, sagt er. Circa 700 Besucher sind gekommen, um jeweils mehr als 100 Autos, Bulldogs und Motorräder zu bestaunen.
Neben den Schmuckstücken aus der Garage sorgen auch diverse Spiele sowie die Bichler Musikkapelle für Unterhaltung. Beim Zylinderweitwurf versuchen sich vor allem gestandene Männer darin, einen Autozylinder so weit wie möglich zu werfen. Beim Zylinderstechen kommt es hingegen auf Genauigkeit an. Ein riesiger Hut – also ein Zylinder – auf dem Kopf verdeckt die Sicht. Die Zielscheibe musste dennoch mit einem Stecken in der Mitte getroffen werden. Bei der Tombola gibt es unter anderem ein Fahrrad aus den 1940er-Jahren zu gewinnen. Die Kleinen toben sich auf der Hüpfburg aus und haben Spaß an der Kinder-Carrerabahn, während die Erwachsenen auf dem Parkplatz des Schützenhauses die motorisierten Raritäten bestaunen.
Ein Traum in Babyblau
Zu erzählen gibt es viel, denn jeder Oldtimer hat seine eigene Geschichte. Etwa der Chrysler Imperial von Martin Hainzl, der aus Kiefersfelden nach Bichl gekommen ist. Auf einem Klappstuhl sitzt er vor seinem amerikanischen Traum in Babyblau und raucht eine Zigarre. In der US-Car-Szene aktiv ist er, seit er 18 ist, erzählt er. „Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen.“ So lernte er seinen Freund Dirk und dessen Chrysler Imperial kennen. Der hatte diesen in den USA bei einem Gebrauchtwagenhändler entdeckt. Er machte Fotos, entwickelte sie und fragte seine Frau Gretel, welches Auto ihr am besten gefallen würde. Sie entschied sich für den Chrysler Imperial, da Chrysler damals zu Mercedes gehörte und ihr Mann Mercedessammler war. Zu diesem Zeitpunkt waren sie allerdings schon 1200 Meilen weitergefahren. Sie fuhren die Strecke zurück, tauschten ihren Wohnwagen gegen den Oldtimer und fuhren mit dem babyblauen Chrysler weiter. 2016 überlegte sein Freund, den „Babyblue“ nach Schweden zu verkaufen, erzählt Hainzl weiter. „Ich hab‘ ihn gebeten, dass ich ihn zuvor einmal fahren darf.“ Nach der Spritztour sagte er zu seinem Freund: „Der ,Babyblue‘ bleibt da.“ Sie wurden sich schnell einig.
Von einem Freund bekam auch Anton Weißhaupt vor 25 Jahren seinen „Schlüter-Bulldog in lauter Teilen“. Zweieinhalb Jahre dauerte es, bis er den Traktor Baujahr 1952 restauriert hatte. „Es hat sich wirklich gelohnt“, sagt Weisshaupt, der sich und seine Familie als „eingefleischte Oldtimerfreaks“ bezeichnet. „Bulldog Familie Weisshaupt“ steht hinten auf seinem Shirt. Mit zwei weiteren Bulldogs ist er nach Bichl gekommen: ein Eicher (Baujahr 1952) und ein Lanz (Baujahr 1954) . Insgesamt besitzt er sechs Oldtimer-Bulldogs und zwei VW-Käfer.
Die Leidenschaft lässt einen nicht los
Hergerichtet und neu lackiert hat auch Karl Scheifl aus Arzbach seinen alten Eicher-Bulldog. Mit dem Anhänger transportierte er ihn nach Bichl, beim Oldtimertreffen dürfen seine drei Enkelsöhne mitfahren. Klara Andre aus Obersteinbach zeigt ihren alten Fendt, den der Opa ihres Mannes einmal beim Musikspielen geschenkt bekommen hat und der ab und an immer noch im Einsatz ist.
Lorenz Schäffler vom Auto-Motor-Club Penzberg bekam zu seinem 50. Geburtstag von seiner Frau und seinem Sohn eine BMW R25 (Baujahr 1951) geschenkt. „Das ist jetzt 23 Jahre her“, erzählt er lachend. An der Maschine hat er einiges „zum Schrauben“. Ein Schild mit dem Namen des Erstbesitzers hängt noch dran. Außerdem besitzt Schäffler einen Deutz-Bulldog Baujahr 1964 und einen Mercedes Baujahr 1980.
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Interessiert begutachtet Schäffler auch die anderen Modelle. Vor allem ein Motorrad begeistert ihn: eine BMW Baujahr 1938. „Eine der ältesten BMW, die es gibt.“ Viele weitere heiße Schlitten, coole Käfer und nostalgische Traktoren sind zu bestaunen. Wie etwa die BMW Isetta 300 mit drei Rädern von Hubert Deiser. Ein echter Hingucker ist auch die Moto Guzzi GTV 500 von Paul Poltz, der mit dem Freund seiner Tochter aus Garmisch gekommen ist. Immer wieder besucht er Oldtimertreffen. Die Leidenschaft für alte Fahrzeuge hat er seit der Kindheit. „Ich mach‘ das schon seit 60 Jahren.“