Im Kreuzfeuer der Fans: Spieler und Verantwortliche des SCR stellen sich der Kritik

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Gemeinsam geht es (noch) in die Zukunft: Der SC Riessersee kämpft aktuell um den Einzug in die Playoffs. Bereits jetzt kündigen die Verantwortlichen Kaderveränderungen an. © Andreas Mayr

Es gibt viele Baustellen beim SC Riessersee. Die Fans thematisieren beim Stammtisch einige und bekommen Antworten. Die Sportliche Leitung kündigt Entscheidungen an.

Schulden tilgen, den Verein umstrukturieren, die laufenden Kosten senken – und gleichzeitig soll die Mannschaft noch erfolgreich Eishockey spielen. Was die Verantwortlichen des SC Riessersee da schaffen müssen, gleicht einem Spagat. Einem mit enormem Risiko. Ein Spagat über einem Abgrund. Den Absturz immer vor Augen. Und die Fans schauen dabei durchaus kritisch zu. Das hat der Stammtisch am Mittwochabend gezeigt.

SCR: Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

Zunächst wurden die 50 Fans im SCR-Stüberl im Olympia-Eissportzentrum zum Träumen eingeladen. Der Verein „Zukunft Weiß-Blau“ soll eine Vereinigung für alle Fans, Partner und Sponsoren des SCR sowie aller Freunde des Eissports im Werdenfelser Land sein. Erst Ende des vergangenen Jahres gründeten ihn 17 Mitglieder unter der Führung von Josef Mittermeier und seinem Stellvertreter Christoph Kaiser. Ziel des Vereins ist es, fortan durch Mitgliedsbeiträge sowie Spenden Gelder zu generieren. Diese sollen dem Nachwuchs des SCR sowie der GmbH als stabiles Einkommen zur Verfügung stehen. Bereits jetzt, nach sieben Wochen, können die Verantwortlichen auf 324 Mitglieder verweisen. Das Jahresbudget liegt bereits bei 40 000 Euro. „Damit haben wir unsere Anfangsziele übertroffen“, betonte Kaiser. Doch dabei soll es nicht bleiben. Der Wunsch: Ende des Jahres die Schallmauer von 500 Unterstützern durchbrechen, langfristig hoffen die Fans, sogar SCR-Hauptsponsor zu werden. Für Mittermeier ist klar: „Ohne Profi-Eishockey wird der Standort Werdenfelser Land ein Problem bekommen.“ Er bekam schallenden Applaus.

Zurück in die Gegenwart, zurück zur Realität. Moderator Michael Schmid stellte die Frage, die alle anwesenden Fans beschäftigte: „Wie erklären sich die Profis selbst das ständige Auf und Ab in dieser Saison?“ Eine wirkliche Antwort darauf hatte Lubor Dibelka nicht. Gekonnt gab er die Frage an Luca Allavena weiter. Das Eigengewächs gab sich gewohnt offen: „Wenn ich eine Antwort hätte, dann hätten wir schon darauf reagiert.“ Mit Blick auf die herben Klatschen gegen Bietigheim (2:13) und Stuttgart (3:7) betonte er: „Man darf verlieren, aber die Art und Weise ist respektlos gegenüber den Fans.“ Inzwischen sieht der Verteidiger ein mentales Problem. Sobald der Gegner im Flow ist, „können wir das Ruder nicht mehr herumreißen“.

SCR: Fans äußern Unverständnis über sportliche Situation

Ein Anhänger äußerte sein Unverständnis darüber, dass die Mannschaft fast wöchentlich in ihre Einzelteile zerfällt. „Es ist schwierig als Fan zu verstehen, dass man keinen Kampf erkennt.“ Das stritt Allavena energisch ab. Am mangelnden Einsatz der Riesserseer Profis liege es nicht. „Ich liebe den Verein genauso wie ihr“, betonte Allavena. „Auf dem Eis fühlen sich die Niederlagen genauso beschissen an.“ Der Sportliche Leiter Martin Buchwieser glaubt vielmehr an einen negativen Prozess, der sich langsam aufgebaut hat. Selbst während der Siegesserie sah er erste Anzeichen für eine drohende Wende. „Wir haben teilweise schlechtes Eishockey gespielt.“

Stehen Rede und Antwort: (v.l.) Geschäftsführer Andreas Wieland, Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener, die Spieler Luca Allavena und Lubor Dibelka sowie der Sportliche Leiter Martin Buchwieser.
Stehen Rede und Antwort: (v.l.) Geschäftsführer Andreas Wieland, Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener, die Spieler Luca Allavena und Lubor Dibelka sowie der Sportliche Leiter Martin Buchwieser. © JE

Was der ehemalige DEL-Profi bei seiner Mannschaft in dieser Saison vermisst, ist die richtige Einstellung zum Beruf. „Bis jeder im Team es hasst, zu verlieren, dauert es.“ Ein Fan warf seine Bedenken ein, dass sich der Verein die teuren Playoff-Fahrten in den Osten und Norden sparen wolle und die Spieler daher absichtlich verlieren. Ein Gedanke, der in der Ostkurve schon länger die Runde macht. Dem trat der ehrenamtliche Geschäftsführer Andreas Wieland entschieden entgegen. „Wir werden schon Gönner finden, die uns den Bus spendieren“, sagte er und witzelte: „Notfalls zahlen der Martl (Buchwieser, Anm. d. Red.) und ich das selbst.“ Die aktuelle Situation ist klar: Sparen, sparen, sparen – so lautet das Motto beim SCR. Es gibt kaum einen Bereich, in dem die Verantwortlichen wegen der Misswirtschaft in der Vergangenheit nicht den Rotstift ansetzen mussten. Spielergehälter, Material – alleine das Reisebudget reduzierten die Verantwortlichen um 18 000 Euro in dieser Saison. Hinzu kommen Sponsorengelder, die seit September ausständig sind. Diesen hohen fünfstelligen Betrag klagt der SCR nun ein. Wieland stellt klar: „Es ist ein Kampf, Monat für Monat.“

SCR: Sportliche Leiter kündigt harte Entscheidungen an

Das führt wohl auch dazu, dass sich die Anhänger nach dieser Spielzeit auf einige Zu- und Abgänge einstellen müssen. Die gute Nachricht: Insgesamt zwei Vertragsverlängerungen wollen die Verantwortlichen beim heutigen Heimspiel gegen Füssen (20 Uhr) sowie beim Fan-Stammtisch in Murnau (Dienstag) verkünden. Zugleich aber kündigt Buchwieser an: „Es gibt nicht nur schöne Entscheidungen.“ Die Sportliche Leitung befindet sich bereits in einigen Gesprächen, von manchen Profis will man sich aus sportlichen Gründen trennen, in manchen Verhandlungen liegt man finanziell sehr weit auseinander. Beliebig weit werden sich die Verantwortlichen bei ihrem Spagat nicht strecken. Intern haben sie sich einer Gehaltsobergrenze verschrieben. Das oberste Credo lautet für Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener: „Niemand ist größer als der Verein.“

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