„Hochattraktiv“ oder „nicht mehr zeitgemäß“?: Gemeinde Seehausen will Seeuferweg realisieren

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Entlang des Seeufers soll der Weg geführt werden. Im Vordergrund ist das Fiedler-Grundstück zu sehen. © Bartl

Nach jahrzehntelangen Debatten soll in Seehausen ein Seeuferweg gebaut werden. Im Gemeinderat gab es jedoch auch Gegenstimmen.

Seehausen – Eigentlich war alles schon geklärt. „Wir waren uns einig“, sagt der Seehauser Bürgermeister Markus Hörmann (CSU). Es fehlte nur noch die Unterschrift unter dem Notarvertrag. Doch dazu kam es nicht. Die Grundeigentümer ließen den Termin laut Rathauschef „in letzter Minute platzen und stellten Forderungen“, die „nicht im tolerablen Bereich“ lagen.

Zum Hintergrund: Seit Jahrzehnten gibt es Bestrebungen der Gemeinde Seehausen, einen Seeuferweg am Ostufer des Staffelsees im Bereich Unteres Seefeld zu realisieren. Ziel ist nicht nur, die touristische Attraktivität der Kommune weiter zu steigern. Vielmehr will man damit vor allem der Bayerischen Verfassung Genüge tun. Darin heißt es: ,,Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen.“

In Betracht kommen verschiedene Varianten, die auch unter Nutzung bestehender Wege einen Rundweg bilden sollen, der besonders für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer geeignet wäre. Der Großteil der Grundstücke, die für verschiedene Lösungen benötigt werden, gehören bereits der Gemeinde. Über die Jahre führt man mit Anliegern Vorgespräche über die Wegführung. Mit den Eigentümern eines Grundstücks kam es jedoch – siehe oben – zu keiner Einigung. Die von diesen selbst vorgeschlagene Tauschlösung stellten sie laut Rathausverwaltung „wieder grundlegend in Frage“. So ließ sich eine unkomplizierte, schnelle Lösung nicht umsetzen. Die Tür sei aber weiter offen, hieß es.

Die Gemeinde will jetzt jedoch „umswitchen“, wie es Hörmann formulierte. Eine alternative Variante führt auf einem Grundstück des Freistaats Bayern zumindest über einer Teilstrecke unmittelbar am See entlang. Private Flächen sind dafür nicht notwendig. Zwar werden dadurch zwei Privatgrundstücke vom direkten Seezugang abgeschnitten. Dies stellt laut Verwaltung aber keinen Eingriff ins Eigentum dar. Sie verweist dabei auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs.

Vorhaben ist nicht unumstritten

Doch im Gemeinderat ist das Projekt nicht unumstritten. „Das Vorhaben ist für mich nicht mehr zeitgemäß“, betonte Xaver Vögele (LB/ÖDP/Grüne). Gewässerränder seien zu schützen, „das ist unberührte Natur. Da macht man nicht mit der Brechstange einen Weg rein. Wir haben genug Zugang zum See.“ Zweiter Bürgermeister Karl Widmann (PWS) sah es ähnlich: „Ich habe auch Sorge, dass das Projekt aus der Zeit gefallen ist.“ Er befürchtete zudem eine Zweckentfremdung. „Wir werden uns Ärger einhandeln.“ Widmanns Fraktionskollege Simon Huber war ebenfalls nicht glücklich. „Ich sehe das auch kritisch.“ Er verwies auf Auflagen, den Naturschutz und die Räum- und Streupflicht. „Ob es das kurze Stück wert ist?“

Die Mehrheit sah das Vorhaben jedoch positiv. Aus Sicht des Dritten Bürgermeisters Daniel Schreyer (CSU) wäre es „hochattraktiv“, wenn etwa die älteren Herrschaften „nicht auf der Straße bleiben müssten, sondern den Genuss haben, am See und unmittelbar in der Natur ihren Spaziergang fortsetzen zu können“. Das wäre ein „großer Mehrwert“, Schreyer sprach von einer „Jahrhundertchance, eine Lücke zu schließen“. Tourismusreferent Dr. Robert Roithmeier (LB/ÖDP/Grüne) war auch dafür. Die Route wäre seiner Meinung nach „eine super Ergänzung. Das ist ein Weg, den kann man machen und dann im Stern einkehren“. Schreyer fügte noch an: „Wir sind da alle für eine naturnahe Gestaltung.“ Wenn das geplant sei, „wäre ich absolut dafür“, sagte Dr. Peter Manusch (LB/ÖDP/Grüne).

Gespräche mit dem Freistaat

Um den Seeuferweg Wirklichkeit werden zu lassen, müssen mehrere Bebauungspläne im Bereich „Unteres Seefeld“ geändert werden. Darüber hinaus beschloss das Gremium an dem Abend, Grunderwerbsverhandlungen mit dem Freistaat Bayern aufzunehmen. Diesem gehört ein Seegrundstück. Ferner entschieden die Räte, ein Planungsbüro zu beauftragen. Es soll mögliche Varianten für die Wegführung ausarbeiten. Die Verwaltung soll entsprechende Angebote einholen. Wie der Weg tatsächlich geführt wird, hängt von den Planungen und von den Stellungnahmen ab, die im Verfahren eingehen.

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