Tödlicher Alpinunfall: Bergretter bleiben jetzt auf Kosten sitzen

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Ein beliebter Berg – sowohl im Winter als auch im Sommer: Die Hohe Munde im benachbarten Leutaschtal. © Privat

Ein junger Wanderer stirbt in den Tiroler Bergen und hinterlässt hohe Bergungskosten. Da er keine Versicherung hatte, bleiben die Kosten offen. Experten warnen vor den Risiken.

Ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger ist im Oktober des vergangenen Jahres auf dem Weg zur Hohen Munde erfroren. Der Einsatz zur Bergung des jungen Mannes kostete mehrere tausend Euro. Bezahlt wurde die Summe jedoch nicht, da das Opfer offenbar keine Versicherung hatte. Der unerfahrene Wanderer war Anfang Oktober in den Mieminger Bergen auf der Hohen Munde (2663 Meter) unterwegs. Trotz widriger Wetterbedingungen versuchte er, den Gipfel zu erreichen – ein Vorhaben, das er mit seinem Leben bezahlte. Er stürzte und erfror.

Nach seiner Vermisstenmeldung suchten die Bergrettungen aus Leutasch, Telfs und Ehrwald gemeinsam mit zwei Hubschraubern drei Tage lang, auch während der Nacht, nach dem Mann. Am dritten Tag wurde er gefunden und vom Polizeihubschrauber „Libelle Tirol“ geborgen.

Großeinsatz kostet bis zu 1000 Euro die Stunde

Die Bergretter und der Notarzthubschrauber stellten Forderungen für ihre Rettungsaktionen aus. Die Kosten der „Libelle Tirol“ werden bei grober Fahrlässigkeit ebenfalls in Rechnung gestellt. „Ein Großeinsatz wie dieser kostet rund 1000 Euro pro Stunde“, erklärt Michael Strigl, Leiter der Bergrettung Leutasch. Die Einsatzstunden und damit die Ausgaben summieren sich schnell. Eine Bergekostenversicherung, wie sie etwa die Fördermitgliedschaft der Bayerischen Bergwacht, der Tiroler Bergrettung oder die Mitgliedschaft beim Alpenverein bietet, hätte den größten Teil der Kosten abgedeckt, meint Strigl.

Durch ein Urteil des Bundessozialgerichts wurde nämlich entschieden, dass selbst im medizinischen Notfall die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Rückholungen aus dem Ausland nicht übernehmen dürfen. Diese gefährliche Lücke im System der sozialen Sicherung ist für die Bergwacht-Förderer durch eine Versicherung bei der Barmenia-Krankenkassenversicherung dadurch geschlossen, dass die durch den Rücktransport entstehenden Summen gedeckt sind. Der Beitrag für die Versicherung ist mit dem Förderbeitrag abgegolten. Doch eine solche Absicherung hatte das Opfer nicht. Genauso fehlte offenbar eine Auslands㈠krankenversicherung. „Letztendlich war das Geld für die Bergrettung uneinbringbar“, sagt Strigl.

Deutsche brauchen dringend passende Versicherung im Ausland

Deshalb möchte Strigl besonders die deutschen Staatsbürger dazu anhalten, noch einmal zu prüfen, ob sie passende Absicherungen abgeschlossen haben, ehe sie sich auf in die Berge Tirols machen – das gilt übrigens schon für Mittenwalder, die beispielsweise auf die Arnspitze steigen. „Damit wäre allen geholfen“, bedauert Strigl dem Tagblatt gegenüber.

Im Jahr 2024 wurden rund 2000 Schadensfälle im Zusammenhang mit der Versicherung dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) gemeldet. ÖAV-Generalsekretär Clemens Matt kritisierte gegenüber der Kronen Zeitung die hohen Hubschrauberkosten. „Die Flugminute ist in Südtirol, Deutschland und der Schweiz wesentlich günstiger als in Tirol“, betonte er.

Auch der Deutsche Alpenverein empfiehlt, dringend eine Versicherung abzuschließen: Eine Helikopterbergung in Österreich kostete dort kürzlich einem Unfallopfer bei 40 Flugminuten im vorigen Jahr durchschnittlich 4984 Euro – ein Höchstwert im deutschsprachigen Raum.

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