Ins Projekt Umfahrung kommt Bewegung

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Kapazitätsbelastung erreicht: Die Murnauer Reschstraße, unser Bild zeigt die Kreuzung, befahren täglich rund 19 000 Fahrzeuge. © Constanze Wilz

In Sachen Planungen für die Murnauer Umfahrung tut sich was. Das vorläufige Verkehrsgutachten liegt vor, die Gemeinderäte von Murnau und Seehausen sollen darüber am 20. Februar informiert werden. CSU-Landtagsabgeordneter Harald Kühn kennt es schon. Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens steht für 2028 im Raum.

Murnau – Als die Ampel-Regierung 2021 die Arbeit aufnahm, sollten alle Projekte, die der Bundesverkehrswegeplan, der bis 2023 gilt und der aus dem Jahr 2016 stammt, ausweist, auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Kurz vor der Bundestagswahl am 23. Februar hat das Bundesverkehrsministerium, das von Ex-FDP-Mann Volker Wissing geführt wird, diese Aufgabe erledigt und die Ergebnisse publik gemacht. Das Fazit des 198-seitigen Papiers: Die bisherige Planung ist gut, an allen Projekten sollte festgehalten werden. Diese Nachricht dürfte auch bei den Befürwortern der Ortsumfahrung Murnau gut angekommen sein. Murnau bestand die Bewertung unbeschadet, die 1,7 Kilometer lange Entlastungsstraße bleibt weiter im vordringlichen Bedarf.

Sind damit alle Unklarheiten beseitigt? Mitnichten. Die wichtigste Frage, der genau Verlauf der Trasse ist nicht abschließend geklärt. Der Murnauer Markus Ostermeier (68) hat sich zuletzt häufiger die Frage gestellt, warum dem so ist. Beim Studium jenes Teils des Bundesverkehrswegeplans, der sich mit der Murnauer Passage beschäftigt, ist er auf Dinge gestoßen, die seines Erachtens bedeutsam sind und den Verlauf in großen Teilen vorgeben. „Ich verstehe nicht, warum immer wieder über die Trasse gesprochen wird, wo es doch nur eine geben kann. Nämlich die, die im Bundesverkehrswegeplan steht“, sagt Ostermeier im Gespräch mit dem Tagblatt. Das Papier, das seit 2013 existiert, stellt klipp und klar fest: Durch die Gegebenheiten, Staffelsee im Westen, Murnauer Moos im Osten und der engen Bebauung, sei nur eine innerörtliche beziehungsweise ortsrandnahe Umfahrung möglich. Wörtlich heißt es: „Die Trasse ist dadurch weitestgehend vorgegeben, sodass entscheidungsrelevante Varianten nicht möglich sind.“ Ostermeiers Resümee: „Wieso braucht es noch ein Gutachten, wenn doch alles klar ist.“

Das Gutachten, das die Experten der Firma Inovaplan (München/Karlsruhe) erstellten, das vor allem die Verkehrsströme, die Einflüsse auf die Natur sowie die Entlastungswirkung der Tangente und deren Kosten unter die Lupe nahm, liegt dem Staatlichen Bauamt Weilheim mittlerweile vor. Behördenleiter Stefan Scheckinger präsentierte dem CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn bei dessen Besuch in dieser Woche die Ergebnisse. „Das Gutachten bestätigt unser tägliches Erleben: Eine Fortsetzung der Entlastungsmaßnahmen ist absolut notwendig“, lauten Kühns Schlüsse. Nach Aussage des Staatlichen Bauamtes zeige die vorliegende Verkehrsprognose, dass bis zum Jahr 2037 insbesondere auf der Reschstraße (aktuell täglich circa 19 000 Fahrzeuge) mit dann 20 000 die Kapazitätsgrenzen erreicht sind.

Zur Umgehungsstraße, die Kühn eher eine Entlastungsstraße nennt, weil sie nicht um den Ort herum, sondern durch den Markt führen wird – teilweise wohl in Tunnelbauweise – sieht er keine Alternative. Zum einen, um die verkehrsgeplagte Bevölkerung von Lärm, Feinstaub und Ähnlichem zu entlasten, und zum anderen, weil für den ehemaligen Murnauer Bürgermeister und Garmisch-Partenkirchener Landrat eine zukunftsorientierte Infrastruktur für die Region von großer Bedeutung ist. Es sei dringend geboten, die überörtliche und die örtliche Verkehrssituation im nördlichen Landkreis deutlich zu verbessern. „Nach dem Bau der innerörtlichen Entlastungsstraße und der Beseitigung des Bahnübergangs Kohlgruber Straße sollte der dritte Abschnitt der Verkehrsplanung von Murnau nun endlich verwirklicht werden“, sagt Kühn. Derzeit beläuft sich die Kostenschätzung auf 30 Millionen Euro. Seitdem sind allerdings mehr als acht Jahre ins Land gezogen und alles ist teurer geworden, sodass sich diese Zahl nicht halten lassen wird.

Über den neuesten Stand der Dinge zeigt sich das Staatliche Bauamt nicht besonders auskunftsfreudig. Vor der Öffentlichkeit soll zunächst die Kommunalpolitik informiert werden. Weit weniger zugeknöpft zeigt sich Kühn. Er weiß, dass am 20. Februar den Gemeinderäten des Marktes Murnau sowie der Gemeinde Seehausen in einer gemeinsamen Sitzung die konkreten Ergebnisse des Verkehrsgutachtens vorgestellt werden. Das Verkehrsgutachten bezeichnet das Staatliche Bauamt auf Tagblatt-Anfrage als „vorläufig“ und als Teil einer Voruntersuchung, das in dieser Planungsphase nur einen Baustein bilde. Im Gespräch mit Kühn skizzierte Behördenchef Scheckinger hingegen schon mal einen Zeitplan für die kommenden Jahre. Als weiterer Verfahrensschritt wäre die Umweltverträglichkeitsstudie für 2025/26 das Ziel. Bei gutem Verlauf der Vorarbeiten könnte die endgültige Abstimmung mit dem Bund im Jahr 2027 erfolgen. Davon abhängig, so hat es Kühn von Scheckinger erfahren und in einer Pressemitteilung kommuniziert, steht der Beginn des Planfeststellungsverfahrens für das Jahr 2028 im Raum.

In Murnau ist die Haltung der meisten Gruppierungen und Parteien zur Umfahrung positiv. Eine ablehnende Haltung vertritt allein Bündnis 90/Die Grünen. Die Stimmungslage in Seehausen ist nicht so recht zu greifen. Die Murnauer Nachbargemeinde ist involviert, da die im Bundesverkehrswegeplan beschriebene Trasse teilweise über Seehauser Gebiet führt. Bei Grundstückseigentümern, so wird kolportiert, besteht offenbar wenig bis gar kein Interesse, Flächen für das Projekt abzugeben.

Besuch im Staatlichen Bauamt: Behördenleiter  Stefan Scheckinger (l.) informiert CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn über die Murnauer Ortsumfahrung.
Besuch im Staatlichen Bauamt: Behördenleiter Stefan Scheckinger (l.) informiert CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn über die Murnauer Ortsumfahrung. © Privat

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