Bergkirchens Verwaltungschef Siegfried Ketterl (62) geht Ende August in den Vorruhestand.
Bergkirchen – Ketterl ist von seiner Nachfolgerin Ramona Probst in einem Interview mit der Heimatzeitung nonchalant als „Blackbox“ bezeichnet worden. Eine Blackbox ist laut Wikipedia ein „hochkomplexes System, von dem im gegebenen Zusammenhang nur das äußere Verhalten betrachtet werden soll“. Das tut die Heimatzeitung – in einem Porträt.
Die Zahl der Hobbys von Siegfried Ketterl ist groß
Eines vorneweg: Wenn eine Zeitung einer Person ein Porträt widmet, darf der Porträtierte natürlich auch gerne Einblicke in sein Innenleben gewähren. Schon die Kontaktaufnahme für ein Interview mit Siegfried Ketterl gestaltete sich schwierig. Der Herr Ketterl hänge derzeit irgendwo in einer Bergwand rum, hieß es von Seiten der Gemeindeverwaltung Bergkirchen. Es hieß aber auch, und das ist typisch für Siegfried Ketterl, er rufe so schnell es geht zurück. Das tat der Bergsteiger dann auch, nachdem er die Große Arnspitze bei Mittenwald (2196 Meter) bezwungen hatte.
Fünf Stunden habe er gebraucht, meinte Ketterl. Der Klettersteig, den er dabei durchschritten habe, sei nicht ohne gewesen. Nicht ohne ist auch die Anzahl der Hobbys, die der Einsbacher Siegfried Ketterl neben dem Bergsteigen hat. Um sie zu nennen, muss man zuvor tief einatmen:
Vorsitzender des Veteranenvereins Einsbach, Schriftführer und Chronist im Gartenbauverein Einsbach, Chronist im Schützenverein Harmonie Einsbach, aktiver Feuerwehrmann bei der Feuerwehr Einsbach, Schriftführer bei der Jagdgenossenschaft Einsbach, aktives Mitglied bei den Stockschützen des EC Bayern Einsbach, Jahreskartenbesitzer bei den Kickern des FC Bayern München und Bespaßer vierer temperamentvoller Enkelkinder.
Was den Beruf angeht, kann Ketterl auf 44 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst zurückblicken. Der gelernte Kaufmann war im Kreisverwaltungsreferat und Personalamt München tätig, leitete die Zulassungsbehörde am Landratsamt Fürstenfeldbruck, agierte als Geschäftsleiter und Kämmerer in der Gemeinde Erdweg, bevor er schließlich 2010 Verwaltungschef in Bergkirchen wurde. Weiter sei erwähnt: Ketterl ist Vorstand im Kommunalunternehmen EWG Bergkirchen und Geschäftsleiter des Zweckverbands der Wasserversorgungsgruppe Oberbachern.
Zweijährige Freistellungsphase vor der Rente
Ende August geht Siegfried Ketterl, den alle Welt „Sigi“ nennt, in eine zweijährige Freistellungsphase, bevor er am 1. Januar 2027 endgültig zum Rentner wird. Es bleibt also bald mehr Zeit für all die Freizeitbeschäftigungen, vor allem aber für Ehefrau Lisa. „Im Kopf“, gibt Ketterl zu, „bin ich noch nicht so weit, ganz raus zu sein.“
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Und so ganz raus ist der 62-Jährige ab 1. September auch nicht. „Ich bleibe weiter Vorstand im Kommunalunternehmen EWG, denn das ist eine richtige Erfolgsgeschichte.“ Die EWG betreibt als Tochter der Gemeinde im Raum Bergkirchen ein Fernwärmenetz und soll neben der Wirtschaftsförderung vor allem Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Verringerung von CO2-Emissionen vorantreiben. „Montags bin ich von 8 bis 12 Uhr im Rathaus als Ansprechpartner da“, sagt Ketterl.
Aber was sind die Pläne in naher Zukunft? „Ich habe vor, von München nach Venedig zu radeln“, sagt er, zuletzt schon „packte“ er die Strecke von Gmund am Tegernsee nach Sterzing in Südtirol. „Und dann ist es mein Ziel, eine Chronik über Einsbach zu verfassen.“
In der Flut der Beschäftigungen wäre beinahe eines untergegangen: Sigi Ketterl ist auch noch Leiter des Standesamts Bergkirchen. Vor kurzem kam eine junge Dame ins Rathaus, die am 14. September getraut werden wollte. Zu diesem Zeitpunkt ist Bürgermeister Robert Axtner in Urlaub, also sollte Ketterl der Standesbeamte sein. „Nur läuft mein Vertrag zum 31. August aus, also darf ich nicht mehr“, erklärt Ketterl. Daraufhin verlegte das Brautpaar seinen Hochzeitstermin auf den 31. August. Es wird Ketterls letzte Amtshandlung sein – „eine wunderbare“, wie er findet.
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