Einige Monate lang hat die Madonna der Partnachklamm gefehlt. Nun kehrt sie zurück – vollkommen verwandelt, wunderschön restauriert. Was ihr niemand ansieht: Sie trug einen Schatz bei sich, der jeden überraschte.
Garmisch-Partenkirchen – Vor 26 Jahren haben sich ein paar Männer mal der Madonna angenommen. Traurig sah sie aus, wie sie da auf ihrem Felspodest in der Partnachklamm stand. Also machten sie die Heiligenfigur mit dem Jesuskind auf dem Arm zumindest ein bisschen sauber, bürsteten sie ab. Seitdem stand sie unberührt unter dem kleinen Metalldacherl – und litt unter der Feuchtigkeit. Grau wurde sie, grünlich zum Teil. „Schlimm hat sie ausgeschaut“, findet Rudolf Achtner. Ganz anders als heute. „Eine wunderschöne Dame ist aus ihr geworden. Sagenhaft.“
Heiligenfigur aus Bronze nach Restaurierung kaum wiederzuerkennen
Tatsächlich erkennt man sie kaum wieder. Jetzt, etwa vier Monate, nachdem sie die Gemeinde in den „Wellness-Urlaub“ geschickt hat. So nennt Achtner, beim Markt für die Partnachklamm verantwortlich, den Aufenthalt bei Josef Gillmeyer. Der hat ihr mehr als gutgetan. Die Marienstatue glänzt. Bronzefarben mit einem starken Rotstich. So muss sie ausgesehen haben, als sie vor über 100 Jahren entstand. Gillmeyer, Denkmalpflegemeister und Restaurator aus Garmisch-Partenkirchen, legte den Ursprung frei, befreite die Figur von den Kalkablagerungen und dem Grünspan. Danach behandelte er sie mit einem speziellen Klarlack, der die Figur vor UV-Strahlen und Schlägen, zudem vor neuen Ablagerungen schützt. „Das sollte jetzt eine Zeit lang so bleiben“, sagt der Experte.
Vielen Heiligenfiguren gab er schon ihre Schönheit zurück. So ein Herzklopfen wie diese aber hat bei ihm selten eine verursacht. Als die Madonna, aus Bronze gegossen, 50 bis 60 Kilogramm schwer und 1,20 Meter groß, bei ihm in der Werkstatt landete, dachte er an einen normalen Restaurationsauftrag. Zunächst stemmte er den Beton weg, mit dem die Statue einst befestigt worden war. Plötzlich sprang ein Deckel auf und gab eine Metallbox frei. Eine Zeitkapsel. Über 120 Jahre lag sie im Hohlraum der Figur. „Ich war richtig aufgeregt.“
Gold- und Silbermünzen sowie ein Büchlein: Ein Blick in die Vergangenheit
Immer wieder tauchen solche Erinnerungen aus der Vergangenheit auf, beispielsweise eingemauert in alten Häusern oder in Kirchen, auch in Heiligenfiguren, darunter meist ein Zeitungsausschnitt von damals. In der Madonna aber entdeckte Gillmeyer etwas Außergewöhnliches. In Abstimmung mit Marktarchivar Leonhard Herr öffnete er die Kiste.
Zum Vorschein kamen drei Gold-, neun Silbermünzen sowie zwei kupferfarbene Pfennige. Ein kompletter Satz von einem Pfennig bis 20 Reichsmark aus den Jahren zwischen 1866 und 1899, zum Teil prägefrisch, ein paar darunter etwas verschmutzt. Gillmeyer fühlte sich, als hätte er einen Schatz gefunden. „Das war so etwas Besonderes.“ Und noch nicht alles.
Auf die Box war eine kleine Schatulle gelötet, darin verbarg sich ein handgeschriebenes Schriftstück. Liebevoll und künstlerisch muss es gestaltet gewesen sein, ein paar Zeichnungen darin lassen sich noch erahnen, ein paar Wörter lesen. Aber nicht mehr viele. Auf den meisten Blättern zeigt sich nur eine verschmierte Schicht aus Tinte, Wasser, Kalk und was die Zeit sonst noch hinterlassen hat. Die Messingbox, in der das Hefterl mit den 14 Seiten gelagert war, bekam irgendwann einen Riss. Über 50, 60 Jahre, schätzt Gillmeyer, lief Wasser hinein und hinterließ womöglich unwiederbringlichen Schaden. Zu gerne würden Achtner, Gillmeyer, Herr und auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) den Inhalt kennen. Schließlich gäbe das Büchlein Aufschluss über die Geschichte der Madonna. Viel weiß man nicht von ihr. Weder, wer sie erschaffen hat noch wann.
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Büchlein zur Geschichte schwer beschädigt: Restaurierung wird „ganz schwierig“
Lange ging Achtner davon aus, dass sie zur Klammerschließung zwischen 1910 und 1912 entstand und auch ihren Platz auf dem Podest bekam. Womöglich aber wurde sie schon zur Zeit der Holzer – der Triftsteig wurde 1886 angelegt – Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts eingeweiht, was laut Achtner das Landesamt für Denkmalpflege vermutet. Diese Theorie stützt der Fund: Alle Münzen wurden vor 1900 geprägt, die Jahreszahl 1899 lässt sich im Heft eindeutig lesen.
Jetzt soll alles restauriert werden. Für die Münzen hat sich schnell jemand gefunden, sie liegen bereits in Regensburg. Das Buch aber stellt Achtner vor ein Problem. Ohnehin gibt es nur wenige forensische Gutachter. Einige von ihnen haben schon abgewunken. Derzeit steht Achtner mit Experten an der Pinakothek in München in Kontakt. „Aber das wird ganz schwierig.“
Unklar ist, was danach mit dem Fund passiert. Ob – zumindest ein Teil – wieder in der Madonna versteckt wird, gemeinsam mit Euromünzen und einem tagesaktuellen Zeitungsausschnitt für die Nachwelt. Wann genau die Madonna zurück an ihren Platz kommt, steht ebenfalls noch nicht fest. Auf jeden Fall während der derzeitigen Revision, wenn keine Gäste durch die Klamm laufen. Also sicher vor dem 26. April. Das Prozedere ist aufwendig. Drei bis vier Stunden, schätzt Achtner, wird es dauern. Bis die Leiter auf die andere Seite gebaut ist, die Sicherungsseile angebracht sind. Und die Madonna wieder von ihrem Podest herabblickt – so schön, wie seit über 100 Jahren nicht mehr.