Mittenwalds bröselnde Ortsgeschichte

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Mittenwald

KommentareDrucken

Springbrunnen und Park: So gestaltete sich die Anlage, als das heutige Bürgerhaus noch das Spittal der Barmherzigen Schwestern war. © privat

Das Bürgerhaus dient einer Vielzahl von Vereinen und Organisationen als Heimat. Doch der Eigentümer, der Markt Mittenwald, behandelt seine Immobilie eher stiefmütterlich. Investiert wird seit Jahrzehnten nur das notwendigste. Doch schon bald wird das nicht mehr reichen.

Mittenwald – Es muss ein geradezu majestätischer Anblick gewesen sein, wenn man am Springbrunnen vorbei durch den Park zum Spittal der Barmherzigen Schwestern flanierte. Lange ist’s her. Das 1928 eröffnete Sanatorium, heute gemeinde-eigenes Bürgerhaus, bröselt seit Jahrzehnten regelrecht vor sich hin. Überall bröckelt der Putz. Doch während die Fassade in einem bedauerlichen Zustand dahin dämmert, regt sich drinnen das Leben: Bücherei, Musikschule, Arbeiterwohlfahrt, Alpenverein, Gebirgsschützen oder Blaskapelle. Alle nutzen sie das 1975 geschlossene Gemeinde-Krankenhaus als Probenraum, zum Klettertraining oder als Waffen-Depot.

„Das Haus ist gut voll“, meint CSU-Gemeinderätin Regina Hornsteiner. Gleichwohl findet die Finanz-Referentin: „In meinen Augen ist es nicht erhaltungswert.“ Deshalb sagte sie im Gegensatz zur Mehrheit ihrer Fraktion nein zu den 60 000 Euro, die nun eine Untersuchung des 96 Jahre alten Gebäudes gesteckt werden soll. „Dabei müsste ich eigentlich eine emotionale Bindung zu dem haus haben“, erzählt Hornsteiner. Immerhin erblickte sie im Spittal der Barmherzigen Schwestern am 1. Juni 1973 das Licht der Welt.

Bürgerhaus in Mittenwald
Die Fassade bröckelt: So sieht das 96 Jahre alte Gebäude am Anger heute aus. © Christian Fellner

„Charakteristisch und identitätsstiftend“ wirkt die bröckelnde Schönheit dagegen auf SPD-Kollegin Ursula Seydel, bekanntlich Architektin und gebürtige Münchnerin. Sie sieht die fünfstellige Summe gut angelegt. „Zwar sieht das Bürgerhaus ziemlich heruntergekommen aus“, räumt die Gemeinderätin ein. „Aber eine Sanierung würde sich durchaus rentieren.“

Zwei Frauen, zwei grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen. Und dann gibt es ja noch die Freien Wähler, die vor fünf Jahren mit ganz anderen Plänen an die Öffentlichkeit traten. Anstelle des des maroden Bürgerhauses soll ihnen zufolge ein moderner Veranstaltungssaal mit Wellnessbereich am Anger entstehen. Und laut Georg Seitz (FW) hat man die Pläne keinesfalls in die Tonne getreten. Ganz im Gegenteil: „Wer’s jetzt noch nicht gespannt hat: Wir brauchen ein Schlechtwetterangebot.“ Kein Schwimmbad, keine Eishalle – wie sollen Gäste künftig in Mittenwald bei Laune gehalten werden, fragt sich Zweiter Bürgermeister Seitz. Eher zögerlich stimmte er daher der Untersuchung des Bürgerhauses zu.

Eine Bestandsaufnahme soll auch in der noch älteren TSV-Halle – Baujahr 1920 – geben. Denn wird der künftige Sportkomplex auf dem Schulgelände erst Realität stellt sich auch für dieses historische Gebäude die Sinnfrage. „Wir müssen bald eine Prioritätenliste aufstellen“, mahnt Regina Hornsteiner. Farbe bekennen – noch in dieser, 2026 zu Ende gehenden Amtsperiode, fordert wiederum Seydel. „Darauf arbeiten wir hin.“ Die Zeit drängt, findet Seitz. „Denn das Ganze belastet einen schon.“ Soll heißen: Der Marktgemeinderat muss bei vielen liebgewonnenen Immobilien den Daumen senken oder heben: Bürgerhaus, TSV-Halle, Eisstadion – Sanierungsfälle oder doch Abrissprojekte? Noch drückt man sich im Gemeinderat vor Entscheidungen mit politischer Sprengkraft – doch wie lange noch?

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/mittenwald-ort29073/broeselnde-ortsgeschichte-93001235.html