Der Eibsee hat sein Reserl wieder – Beliebtes Ausflugsboot ist endlich zurück

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Der Eibsee hat sein Reserl wieder – Sogar Taufpatin schaut zu

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Große Freude in Grainau: Nach langen Restaurierungsarbeiten ist das kultige Ausflugsboot zurück am Eibsee. Spektakuläre Anlieferung mit dem Kran.

In den vergangenen Monaten fehlte etwas am Eibsee. Genauer gesagt am Steg vor dem Bootshaus. Seit 60 Jahren hat eine ältere Dame dort ihren Stammplatz: das Reserl. Doch im September 2023 musste sie ihn in Richtung Ammersee verlassen. In einer Bootswerft wurde sie neun Monate lang umfassend restauriert. Rund 4000 Arbeitsstunden später ist das kultige Ausflugsboot nun wieder zu Hause.

1960 kam das Reserl an den Eibsee

Mit der Heimkehr vom Reserl schlossen sich am gestrigen Mittwoch gleich mehrere Kreise. Ein großer für Gabriele von Mallinckrodt. 1960 stand die 78-Jährige schon einmal am Steg. Als Taufpatin des Leichtboots. Gebaut in Pöcking am Starnberger See, kam es damals nach Grainau. Von Mallinckrodt taufte es Reserl – der Spitzname ihrer Großmutter Therese Terne.

Auch wenn die langjährige Inhaberin des Eibsee-Hotels im Landkreis Garmisch-Partenkirchen damals fast alle nur „Frau Direktorin“ nannten, erinnert sich ihre Enkelin. Den Tag der Schiffstaufe hat sie noch genau vor Augen. „Für mich als junges Mädel war das total aufregend.“ Mit dem örtlichen Pfarrer und weiteren Gästen stieg sie damals ins Boot und drehte die erste Runde über den Eibsee. Über 60 Jahre später steht sie jetzt wieder am Steg und schaut zu, wie das Reserl an seinen Stammplatz zurückkehrt.

Ein besonderer Tag für „Taufpatin“ Gabriele von Mallinckrodt und Enkel Peter Rieppel.
Ein besonderer Tag für „Taufpatin“ Gabriele von Mallinckrodt und Enkel Peter Rieppel. © SEHR

Spektakuläre Anlieferung per Autokran

Auch wenn es „nur“ ein Leichtboot ist, wie der heutige Hotel-Inhaber Marc Rieppel erklärt, ist der Aufwand groß. In aller Frühe wird das Schiff an den Eibsee gebracht. Ein Autokran muss es anschließend ins Wasser befördern. Der Kranführer hebt es seelenruhig auf, lässt es über das Bootshaus und die Köpfe zahlreicher Schaulustiger fliegen und setzt es schließlich ab. Wenige Minuten später berührt es zum ersten Mal nach langer Zeit sein vertrautes Gewässer.

Über neun Monate haben die Hotel-Verantwortlichen und Gäste auf diesen Moment gewartet. Eigentlich war die Rückkehr bereits für Mai geplant. Bei einer Restaurierung eines über 60 Jahre alten Bootes weiß man aber nie, was auf einen zukommt, sagt Enrico Halix. Dem Geschäftsführer der Firma „Wassersport Ammersee“ und seinem Team wurden die aufwendigen Ausbesserungsarbeiten anvertraut. Aus den anfangs 2700 kalkulierten Arbeitsstunden wurden knapp 4000. Und sie waren dringend notwendig. „Am Ende war es nicht mehr ganz dicht“, sagt Besitzer Rieppel. Für die sechsstellige Summe, die die Restaurierung verschlang, hätte man auch ein neues Boot kaufen können, meint Hotel-Direktor Olaf Buchberger.

Jeder Schritt muss sitzen: Ein Mitarbeiter weist den Kranfahrer bei dem Transport des Reserls ein.
Jeder Schritt muss sitzen: Ein Mitarbeiter weist den Kranfahrer beim Transport des frisch restaurierten Boots ein. © SEHR (3)

Reserl zieht schon wieder Touristen an

„Doch das Reserl gibt’s nur einmal.“ Deshalb nahm die Familie den Aufwand gerne in Kauf. Tatsächlich sieht es jetzt etwas anders aus, das Reserl. Aus dem vollständig in weißer Farbe lackierten Ausflugsschiff wurde ein Boot, das etwas Edles ausstrahlt. Das Mahagoni-Holz glänzt in der Sonne und begeistert jeden, mit dem man an diesem Tag spricht. Marc Rieppel darf es als Erster betreten. Wie ein Kapitän sitzt er in weißem Hemd und mit blauer Kappe auf dem Oberdeck und schippert mit seinem neuen Reserl zurück an den Bootssteg.

Hier geht´s lang: Marc Rieppel bringt sein Reserl zurück an den heimischen Steg.
Hier geht´s lang: Marc Rieppel bringt sein Reserl zurück an den heimischen Steg. © SEHR

Dort steht auch Stephan Märkl. Für den besonderen Anlass hat sich Grainaus Bürgermeister in seine Tracht geworfen. Einige Momente hält er mit seinem Smartphone fest und schwelgt in Kindheitserinnerungen. Als kleiner Bub hat er – wie viele andere Grainauer auch – seine ersten Bootsfahrten mit der Reserl absolviert. Für zahlreiche Grundschüler war es der erste große Ausflug im Zugspitzdorf, erzählt Märkl. Dass die Schiffsdame nach neunmonatiger Abwesenheit nun endlich wieder da ist, sei ein Geschenk für Grainau und seine Besucher.

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Letztere sind auch an diesem Morgen wieder in großer Zahl am Eibsee vertreten. Das Spektakel zieht sie in seinen Bann, mit großen Augen verfolgen zahlreiche Schaulustige das ungewöhnliche Treiben. Es werden fleißig Fotos geknipst und Videos gedreht. Eine Aufmerksamkeit, die das Reserl nach mehr als 60 Jahren Eibsee mittlerweile gewöhnt ist. (tsch)

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