Garmisch-Partenkirchen ist um eine Attraktion reicher. Sie schwebt über der Partnachklamm und löst ein jahrzehntelanges Problem.
Naturerlebnishängebrücke Wettersteinblick. Diesen Namen trägt die neue Attraktion von Garmisch-Partenkirchen. 36 Meter lang und 1,20 Meter breit ist das Prunkstück, das über dem Südportal der Partnachklamm schwebt. Die Konstruktion, die am gestrigen Montag offiziell eröffnet wurde, verbindet Klamm und Graseck. Sie sieht nicht nur spektakulär aus, sondern löst nebenbei auch noch ein altbekanntes Problem.
Neue Hängebrücke in der Partnachklamm: Feierliche Eröffnung
Um kurz nach 10 Uhr war die rote Schleife durchtrennt. Genauer gesagt zerfiel sie in sechs kleine Einzelteile. Mit so vielen Scheren war die kleine Delegation angerückt, um die neue Hängebrücke in der Partnachklamm feierlich und gebührend einzuweihen. Der letzte und gleichzeitig leichteste Akt in einer mehrmonatigen Bauzeit, die durch die äußeren Bedingungen regelmäßig erschwert wurde. Am 5. Oktober 2023 begannen die aufwendigen Bauarbeiten zwischen Klammausgang und Vordergraseck.
Wer diese 80 Höhenmeter bisher hinter sich bringen wollte, stand immer mal wieder vor einem gesperrten Steig. Beziehungsweise einem, der schon gar nicht mehr vorhanden war. Den beliebten Wanderweg, der bereits in den 1940er Jahren existierte, rissen regelmäßig Murenabgänge mit in die Tiefe. Die Aufräumarbeiten für die Marktgemeinde waren aufwendig. Und teuer noch dazu. Dieser Zustand war auf Dauer nicht mehr tragbar. Deshalb haben die Verantwortlichen um Rudi Achtner eines Tages beschlossen: „Das machen wir jetzt.“
Komplizierte Bauarbeiten – Mehr als 100 Helikopterflüge nötig
Damit meint der Klammwart die Konstruktion, die die beliebte Partnachklamm nun um eine Attraktion reicher macht. Mindestens so spektakulär wie ihr Anblick waren die Arbeiten seit dem vergangenen Oktober. „Alles musste mit Hubschraubern nach oben gebracht werden.“ Unmengen von Stahl, Beton und sogar der Bagger. Um die hundert Einzelflüge dürften es gewesen sein, schätzt Achtner. Ganz genau weiß er es nicht mehr. Aber es waren sehr viele. Und zum Teil auch komplizierte.
Über der nun abgeschlossenen Baustelle verläuft nämlich ein riesiger Strommast. Die Gemeindewerke stellten den Strom während der Flüge zwischenzeitlich ab. „Das hat uns wirklich sehr geholfen“, sagt Achtner. Vor allem dem Piloten hat es seine Arbeit erleichtert. Trotzdem musste er weiterhin hoch konzentriert bleiben und den meterlangen Leitungen ausweichen.
Mehrere Male mussten die Arbeiten unterbrochen werden
Wie bei vergangenen Bauarbeiten war auch starker Wind ein Thema. „Einmal mussten wir die Arbeiten deshalb abbrechen“, erzählt Gernot Abenthung, Bauleiter der österreichischen Firma HTB, die sich auf Arbeiten im Hochgebirge sowie Hängebrücken spezialisiert hat. Das Unternehmen aus dem Pitztal arbeitete nicht zum ersten Mal in der Partnachklamm, half bereits im vergangenen Jahr beim komplizierten Einbau der neuen Eisernen Brücke mit.
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Wie damals setzten sie nun erneut die Vorstellungen von Franz Ostler genau um. Zusammen mit seinem Kollegen Marcel Kober hat der Ingenieur aus Garmisch-Partenkirchen den Neuzugang für die Klamm akribisch geplant und entworfen. Die neue Konstruktion ist zu einhundert Prozent eine Hängebrücke, erklärt Ostler. Sie wird also an keiner Stelle von unten gestützt. „Funktioniert wie die Golden Gate Bridge“.
Brücke kostet ungefähr 450 000 Euro – Markt darf sich über Zuschuss freuen
An der Garmisch-Partenkirchner Version des berühmten Vorbilds in San Francisco arbeitete also ein durchaus eingespieltes Team. Das wurde gleich mehrere Male von extremen Wetterlagen ausgebremst. Unter anderem Anfang Dezember, als der massive Schneefall weite Teile Bayerns lahmlegte. In der Klamm stürzten zahlreiche Bäume um, zerstörten dort weit über 100 Meter Geländer. Daraufhin blieb die ganzjährig beliebte Touristenattraktion mehrere Wochen gesperrt. Unter diesen Bedingungen mussten auch die Arbeiten zwischen Klamm und Graseck pausieren.
Umso größer ist die Freude bei allen Beteiligten, dass die Brücke nun hängt. „Das ist eine Bereicherung für ganz Garmisch-Partenkirchen“, sagte Elisabeth Koch (CSU) bei der Einweihung. Die Bürgermeisterin zeigte sich beeindruckt von einer „Meisterleistung der Ingenieurskunst.“ Die kostet rund 450 000 Euro. Der Markt muss davon gut 250 000 Euro stemmen. 199 000 Euro kommen aus dem EU-Förderprogramm LEADER. Dafür hatte sich zuvor einmal mehr die Lokale Aktionsgruppe der Zugspitz Region eingesetzt. Die Eröffnung ließen sich auch die verantwortliche LAG-Managerin Angelika Schmid und ihr Vorgänger Martin Kriner nicht entgehen.
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Kurz nachdem die rote Schleife durchtrennt war, liefen schon die ersten Wanderer über die neue Attraktion der Partnachklamm. „Oh mein Gott“, rief eine junge Amerikanerin. „Die schwingt ja.“ (tsch)