Fundstücke geben Rätsel auf: Teddybär und Knochen im Gebirge aufgetaucht

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Stofftier zwischen Steinen: Dieser Kopf eines Teddybären ist im Mitterkar aufgetaucht. Er ist schon mit Moos bewachsen. © privat

Knochen, der Kopf eines Teddybären und ein Rucksack – all diese Dinge sind kürzlich im Mittenwalder Mitterkar gefunden worden. Haben sie mit dem tödlichen Unglück vom 8. Juli 1990 unterhalb der Tiefkarspitze zu tun?

Die schwarzen Knopfaugen starren ins Leere. Sie sind auf grauen Stoff genäht. Moos wächst über den Kopf des Teddybären. Wie lange er schon sein Dasein zwischen den Steinen im Mittenwalder Mitterkar fristet, weiß niemand so recht. Auch nicht, wem das Stofftier einst gehörte. Doch Brigitte Reiser hat eine Vermutung. Die Mittenwalderin entdeckte das flauschige Tierchen kürzlich.. Etwa an der Stelle, an der am 8. Juli 1990 Bundeswehrpilot Georg Engelmann mit 53 Jahren mit seiner Cessna 210 abstürzte und tödlich verunglückte. „Vielleicht hat er den Teddy in seiner Kabine neben sich sitzen gehabt“, mutmaßt Reiser. „Vielleicht war das Bärli sein Maskottchen.“

Das Stofftier ist das berührendste Fundstück, auf das Reiser im Kar unterhalb der Tiefkarspitze stieß. Neben einem verwitterten Rucksack tauchte auch ein großer Knochen auf. Der Bericht kürzlich im Tagblatt über das tragische Flugzeugunglück von 1990 hat sie aufmerksam gemacht, sie nahm mit der Presse und der Polizei Kontakt auf.

Ist es der Knochen eines Menschen?

Ob der recht gut erhaltene Knochen, augenscheinlich von einem Oberschenkel, tatsächlich von einem Menschen stammt, prüft aktuell die Kriminalpolizei Garmisch-Partenkirchen. Reiser fotografierte die Fundstücke, rührte sie aber nicht an. Der Polizei meldete sie lediglich den Standort. „Das ist vorbildlich gehandelt, genauso sollte mit Fundstücken umgegangen werden“, sagt Lisa Maier, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Beamten bergen das Fundstück in Kürze. „Ob es sich um einen menschlichen Knochen handelt, kann man anhand eines Bildes noch nicht sagen“, meint Maier. Ein ähnlicher Fall sei kürzlich erst passiert. Ein Wanderer fand einen Knochen, der dem eines Menschen glich. „Danach stellte sich aber heraus, dass er einst einer Gams gehörte.“ Und der Knochen auf dem Bild sei sehr gebogen. „Der menschliche ist aber eher gerade.“

Auch ein Knochen wurde entdeckt.
Ob der Knochen menschlich ist, prüft die Kripo. © privat

Waren Teddy und Rucksack das Eigentum des verunglückten Piloten? Eine kann darauf die Antwort geben. Usch Engelmann, seine Tochter, die mittlerweile im niederländischen Rotterdam lebt. Sie hat den Tagblatt-Bericht auf merkur.de gelesen und sich daraufhin gemeldet. Ob es denn mehr Informationen zu dem Unglück gebe, wollte sie in Erfahrung bringen. Auch die Wrackteile identifizierte sie als welche von der Maschine, mit der ihr Vater damals an jenem 8. Juli 1990 vom Flughafen Köln-Bonn in Richtung Innsbruck aufgebrochen ist. Nur beim Teddy und dem Rucksack weiß sie: „Ich bin mir so sicher, wie man sein kann, dass weder der Rucksack noch der Teddy von meinem Vater sind.“ Sie möchte sich gar nicht ausmalen, wie diese Fundstücke ins Mitterkar gekommen sind. Vielleicht aber hat sie auch einfach nur eine Familie beim Wandern verloren.

Die genauen Umstände des Unglücks sind recherchiert worden. Das Luftfahrt-Bundesamt war zu jener Zeit mit der Aufarbeitung von Flugzeugunglücken beauftragt. Jedoch sind alle Dokumente, die älter als 30 Jahre sind, im Bundesarchiv eingelagert. Die Pressestelle in Koblenz stellte nun dem Tagblatt und der Hinterbliebenen den genauen Unfallbericht zur Verfügung.

Pilot mit Erfahrung

Auf fünf Seiten rekonstruierte die Fluguntersuchungsstelle minutiös das Unglück. Der Pilot startete den Flug 1031 vom Flughafen Köln-Bonn und flog bei grottenschlechtem Wetter über die Alpen. Um 11.56 Uhr und 35 Sekunden verschwand die Maschine vom Radar. Die letzten Anzeigen belegen, dass der Flieger mit 190 Knoten, also 351 Kilometern pro Stunde, unterwegs war. Fünf Kilometer östlich von Mittenwald zerschellte die Cessna an einer Felswand unterhalb der Tiefkarspitze. Der Pilot war sehr erfahren. Aus den Berichten geht hervor, dass er mehrere tausend Stunden, inklusive Flugzeit mit Militärflugzeugen, vorzuweisen hatte. Bei den letzten drei Scheinverlängerungen wurden 1468 Flugstunden nachgewiesen.

Noch vor dem Start hatte Engelmann eine Flugwetterberatung eingeholt. Es herrschte schlechtes Wetter und Regen vor. Aufgrund der Witterung ist es wahrscheinlich, dass der Pilot das Flugzeug zwischen zwei Wolkenschichten steuerte. Die Vermutung: Er flog auf Sicht, nicht nach den Instrumenten. So dürfte sich Engelmann dem Unfallbericht zufolge etwa fünf Kilometer westlich über dem Isartal gewähnt haben und in zu geringer Höhe unterwegs gewesen sein. Es heißt: „Er hätte den Flug abbrechen oder zumindest nach Instrumentenflugregeln fortsetzen sollen.“

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