Haus International: Stadträtinnen Hauser-Felberbaum und Altan nehmen Stellung

  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Augsburg & Schwaben
  4. Kreisbote Kempten

Kommentare

Äußern sich zum Haus International: Integrationsbeauftragte und Stadträtin Ilknur Altan (SPD, linkes Bild) und Stadträtin Annette Hauser-Felberbaum (FW). © privat

Die beiden Stadträtinnen Annette Hauser-Felberbaum (FW) und Ilknur Altan (SPD) äußern sich zur derzeitigen Diskussion über das Haus International.

Kempten – Die beiden Stadträtinnen Annette Hauser-Felberbaum (FW) und Ilknur Altan (SPD) haben die Redaktion um ein Interview per E-Mail gebeten, weil sie Inhalte im vom Kreisboten veröffentlichten Gespräch mit dem Leitungsteam des Haus International und im Kommentar von Lajos Fischer anders einschätzen.

Frau Hauser-Felberbaum, seit wann gehören Sie dem Vorstand des Haus International (HI) an und welche Aufgaben haben Sie dort übernommen?

Hauser-Felberbaum: Seit 2021 gehöre ich dem Vorstand des HI an. Als Vorstandsmitglied möchte ich die Ziele des HI als Haus der Begegnung und des Austausches mit Nachdruck fördern und unterstützen.

Was hat Sie dazu motiviert, im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) den Vorstand des HI, also auch sich selbst, öffentlich dazu aufzufordern, zu den Vereinsmitgliedern mehr Kontakt zu pflegen?

Hauser-Felberbaum: Ich habe als Vorstandsmitglied des HI auf Grund der massiv auftretenden Probleme bei der Besetzung der Geschäftsführerstelle, die leider katastrophal gelaufen ist, im laufenden Jahr 2024 im Vorstand mehrfach zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufgefordert. Es war aus meiner Sicht unabdingbar, die Mitglieder sofort auf die gravierenden Probleme hinzuweisen und sie einzubinden. Dieser Bitte wurde leider nicht entsprochen. Der erste Kontakt an die Mitglieder des Vereins in diesem Jahr war der Brief der Vereinsvorsitzenden vom 11. November. So nimmt man Mitglieder nicht mit. So fährt man Vereinsarbeit meiner Ansicht nach an die Wand.

Der Vorstand, dem Sie angehören, hat ein Konzept für die Zukunft des Hauses verabschiedet und bei der Stadt eingereicht. Warum haben Sie dieses Konzept im Ausschuss nicht inhaltlich verteidigt, als es von der Verwaltung als nicht diskussionswürdig eingeschätzt wurde?

Hauser-Felberbaum: Das Konzept wurde dem Vorstand erst einen Tag vor der Abgabe in Papierform vorgelegt, und auch vorab nicht per E-Mail geschickt. Genügend Zeit für eine genaue Prüfung gab es nicht. Bei der genaueren Durchsicht einige Tage später konnte ich nicht erkennen, wo es grundlegende inhaltliche Neuerungen geben sollte. Hinweise auf das Akquirieren von Förderprojekten oder auf Kooperationsmöglichkeiten fehlten völlig. Selbst interessante Ideen wurden nicht konkretisiert. Der Schwerpunkt des Konzeptes lag auf der Ausrichtung des HI, so wie es bisher besteht. Das ist definitiv zu wenig.

Sie beide, die sehr eng mit dem Haus International verbunden sind, haben in den Ausschüssen die Entscheidungen über die massiven Kürzungen mitgetragen. Warum?

Hauser-Felberbaum: Der HFA hat im November 2023 den einschneidenden finanziellen Kürzungsvorschlägen der Verwaltung für das Jahr 2024 nicht zugestimmt. Vielmehr wurden die vorgeschlagenen Kürzungen teilweise zurückgenommen. Die Prämisse dafür war, dass bis zum 30. Juni 2024 die Neubesetzung der Geschäftsführerstelle und die Vorlage des neuen Konzepts mit einer Neuausrichtung des HI geschehen würde. Die Geschäftsführerstelle wurde nicht auf den einschlägigen Portalen deutschlandweit ausgeschrieben, was ich mehrfach im Vorstand angemahnt und angefordert hatte. Eine Vielfalt an Bewerbern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum hätte neue Sichtweisen auf die Ausrichtung des HI ergeben können. Meine Argumentation prallte beim Vorstand ab. Ich fühlte mich nicht mitgenommen.

Im Endeffekt wurde die Chance zur Neuausrichtung des HI bereits im ersten Halbjahr 2024 vertan. Ich sehe nicht, wie das HI, so wie es jetzt besteht, neue Möglichkeiten für die Zukunft bieten kann. Dazu kommt noch, dass die Haushaltslage der Stadt für das Jahr 2025 sehr angespannt ist. Die Probleme, die sich durch die Entscheidungen im HI im ersten Halbjahr 2024 ergeben haben, sind hausgemacht. Die Zustimmung zu den anstehenden Kürzungen im HI für das Jahr 2025 ist mir sicher sehr schwergefallen. Meiner Ansicht nach kann es im HI nur einen Neuanfang und eine Neuausrichtung zusammen mit den Mitgliedern des Vereins im Dialog geben. Dafür bedarf es eines neu gewählten Vorstands.

Altan: Die Entscheidung über die Kürzung fiel mir nicht leicht. Mir ist die Bedeutung des Hauses International in Kempten sehr bewusst. Dieses Haus war und ist auch in der Zukunft sehr wichtig. Ich sehe auch die Erforderlichkeit, dass sich das Haus neu ausrichtet. Diese Kürzung war schon letztes Jahr in dieser Höhe geplant und wurde von meinen Kolleginnen und Kollegen und von mir im Ausschuss dahin abgelehnt und eine wesentlich geringere Kürzung durchgesetzt. Des Weiteren wurde der Verwaltung der Auftrag gegeben, mit dem Vorstand Gespräche zu führen, dass bis Juli 24 ein neues Konzept vorliegen und neue Projekte akquiriert werden sollten. Leider ist es mit den neuen Geschäftsführerinnen unglücklich gelaufen, somit konnte in dieser Zeit der neue Aufschwung nicht erreicht werden. Ich persönlich fand es bedauerlich, dass die Unterstützung der Verwaltung vonseiten der Vorstandschaft nicht angenommen wurde. Letztendlich mussten wir im Ausschuss eine Abwägung treffen zwischen den finanziellen Rahmenbedingungen, die uns vorgegeben sind und der Notwendigkeit, Mittel möglichst ausgewogen auf verschiedene Institutionen zu verteilen. In der Summe, die fehlende Neuausrichtung des Vereins und die schwierige Haushaltslage, machten es unumgänglich, auch beim Haus International Einschnitte vorzunehmen, so schwer es mir auch fiel.

Frau Altan, in welchem Zeitraum waren Sie Mitglied des HI-Vorstands? Wann und warum sind Sie ausgetreten?

Altan: Ich war Mitglied seit 2021 und bin im Februar 2024 ausgetreten, da ich mit der fehlenden Weiterentwicklung des Vereins nicht einverstanden war. Leider haben meine Ideen und Verbesserungsvorschläge in den Jahren nicht die notwendige Unterstützung gefunden und ich fühlte mich nicht mitgenommen. Letztendlich war der Grund meines Austritts, dass sich die Mehrheit der Vorstandschaft gegen das Angebot der Stadtverwaltung gerichtet hat. Die Verwaltung wollte uns eine Mitarbeiterin für einige Monate zur Seite stellen, die uns in allen Angelegenheiten unterstützt hätte, bis eine neue Geschäftsführerin oder ein neuer Geschäftsführer eingestellt würde.

Was haben Sie als Integrationsbeauftragte konkret unternommen, um die Kommunikation zwischen Verwaltung und HI-Vorstand zu versachlichen? Wieso hat man keine fachliche Unterstützung geholt?

Altan: Als Integrationsbeauftragte habe ich aktiv den Dialog zwischen der Verwaltung und den Vertreterinnen und Vertretern des Haus International gesucht, um Missverständnisse auszuräumen und ein sachliches Gespräch zu führen. Was sich als schwierig erwies, da der Vorstand nicht unterscheiden konnte zwischen mir als Vorstandsmitglied und mir als Integrationsbeauftragten. Von einigen Personen wird man gleich in eine Schublade geschoben und fälschlicherweise unterstellte man mir, dass ich mich nur auf die Seite der Verwaltung stelle. Was definitiv nicht korrekt ist. Mir war es und ist es immer noch wichtig, dass das Haus International eine zentrale Rolle der Integrationsarbeit in Kempten haben sollte. Hinsichtlich der fachlichen Unterstützung bestand innerhalb der Vorstandschaft die mehrheitliche Überzeugung, dass der Vorstand mit den vorhandenen Strukturen ausreichend in der Lage sei, die erforderliche Kommunikation und Herausforderungen zu bewältigen.

Dieses Gespräch führen wir per E-Mail, weil Sie wegen ihren zahlreichen Verpflichtungen keine Zeit für ein persönliches Treffen aufbringen können. Wie wollen Sie, wenn Sie zur Vorsitzenden gewählt werden, die Zeit aufbringen, um diese zentrale Einrichtung ohne Personal und finanzielle Mittel sechs Tage die Woche offen zu halten?

Altan: Interview-Fragen in Mails zu stellen ist meines Wissens eine durchaus gängige Praxis moderner Medien. Aber selbstverständlich wäre ich auch für ein persönliches Gespräch mit Ihnen zur Verfügung gestanden. Doch aus privaten Gründen bin ich gerade nicht in Kempten. Es ist richtig, dass ich mit dem Gedanken spiele, mich für den Vorsitz zur Wahl zu stellen. Diesbezüglich war ich mit Frau Heilinger schon in Kontakt und habe sie darüber informiert. Ihr ist auch bekannt, dass ich – wie auch andere Vereinsmitglieder – mit der aktuellen Lage des Vereins nicht einverstanden bin. Herr Fischer, Sie haben es doch auch geschafft, Ihre Position als Geschäftsführer des Haus International nicht nur mit ihrer Funktion als Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates (BZI) in Berlin, sondern danach auch mit Ihrer politischen Arbeit, sogar als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, zu vereinbaren. Hinsichtlich zu ihrer Frage zur Organisation des Hauses, gibt es Ideen meinerseits, die ich dann mit der neu gewählten Vorstandschaft, Vereinsmitgliedern, Netzwerkpartnern und der Stadtverwaltung besprechen werde.

Welche konzeptionellen Vorstellungen haben Sie für die Zukunft des Hauses, die in dem eingereichten Konzept fehlen? Welche Rolle soll das Haus International zukünftig spielen?

Altan: Ich denke, das Konzept hat einige interessante Ansätze, die aber im Detail noch konkretisiert werden müssen. Ich fände es vor allem wichtig, dass das Haus International wieder eine tragende Rolle im Netzwerk hat. Das Konzept und auch die Ausrichtung des Hauses für die Zukunft sollte mit den Mitgliedern erarbeitet werden. Ich finde es jetzt wichtig, vor allem auch mit den Mitgliedern die zukünftige Rolle des Haus International weiterzuentwickeln.

Es wird immer wieder betont, dass das Vorgehen der Stadt nichts mit der Person der jetzigen Vorsitzenden, Frau Heilinger, zu tun hätte, sondern mit der Kommunikation zwischen Vorstand und Verwaltung. Wie sehen Sie das?

Hauser-Felberbaum: Wie ich es schon in den Ausschüssen gesagt habe, ist es in der jetzigen schwierigen Ausgangslage des HI wichtig, nach vorne und in die Zukunft zu blicken. Dabei machen Schuldzuweisungen keinen Sinn. Das Ziel muss sein, dass HI zu erhalten! Mit viel Engagement der Mitglieder des Vereins und des Vorstands, sowie in partnerschaftlicher Verbundenheit mit dem Amt für Integration kann eine Neuausrichtung des Hauses, die zukunftsweisend ist, gelingen.

Altan: Für die Zukunft ist es mir sehr wichtig, dass der Vorstand und die Verwaltung der Stadt Kempten wieder gemeinsam gut zusammenarbeiten und kommunizieren. Ich sehe hier auch Verbesserungsbedarf vonseiten des Vereins. Und ich verwehre mich deshalb ausdrücklich gegen Ihre im Kommentar dargestellte Behauptung, dass ich im Ausschuss „gezündelt“ habe. Das empfinde ich als Diffamierung meiner Person. Denn grundsätzlich sollte uns allen bewusst sein, dass die Aufgaben in der Integrationsarbeit gemeinsam bearbeitet werden sollen. Dabei dürfen auch kontroverse Ansichten diskutiert werden.

Welche konkreten nächsten Schritte planen Sie als Integrationsbeauftragte in Zusammenarbeit mit dem Amt für Integration in Bezug auf das Haus International?

Altan: Als Integrationsbeauftragte hoffe ich, dass ich mit dem Amt für Integration und dem Haus International in Zukunft wieder eine gemeinsame Basis der Zusammenarbeit findet. Es würde mich als Integrationsbeauftragte freuen, wenn das Haus International in der Blüte wieder wahrgenommen wird. Sowohl von der Politik, wie auch von Bürgerinnen und Bürgern, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

Vielen Dank für das Interview.

Feste, Konzerte, Ausstellungen: Was man in Kempten und Umgebung unternehmen kann, lesen Sie im Veranstaltungskalender.

Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.

Auch interessant

Kommentare