Wie die freie Wiese südlich des Kreuzbergs in Miesbach bebaut werden könnte, war am Donnerstagabend im dritten Anlauf Thema im Stadtentwicklungsausschuss.
Nach einem Ortstermin im Oktober 2022 und einem Vorschlag des Büros von Bredow (Klosteranger Weyarn) war nun die Eigentümerseite am Zug, ihre Pläne vorzustellen, um ihren Bauwunsch umzusetzen.
Das Büro BZB Architekten aus München setzt dabei auf sieben Mehrfamilienhäuser mit 72 Wohneinheiten. Darunter eine Tiefgarage mit 140 Stellplätzen sowie weiteren vier oberirdisch. Grund dafür ist Miesbachs Stellplatzschlüssel: zwei Stellplätze je Wohneinheit.
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Laut Planer Markus Zeitler habe man sehr auf das Gefälle geachtet und es gut aufgefangen. Gehwege erschließen die Häuser, die mit Erd-, Ober- und Dachgeschoss mit hohem Kniestock Wohnraum in verschiedenen Größen bieten. Die Siedlung sei wie gewünscht autofrei, die Gebäude ausgestattet mit eigenen Zugängen in die Tiefgarage, die von Süden über Anger angefahren werde.
Doch es gab Kritik. So lobte Markus Baumgartner (CSU) zwar die „gefällige Kubatur“, vermisste aber Besucherparkplätze und Zufahrten für Lieferdienste und Handwerker. Auch stelle die Tiefgarage „mit vier bis fünf Millionen Euro“ einen sehr großen Kostenfaktor dar. Seine Bitte: „Verbuddelt mir nicht so viel Geld.“
„Sozialgerechte Folgenutzung“ zentrales Thema
Für Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) war die „sozialgerechte Folgenutzung“ zentrales Thema. Doch diese finanzielle Wertabschöpfung, von der die Stadt bei einer Baureifmachung profitieren will, wurde im Anschluss nicht öffentlich diskutiert. Paul Fertl (SPD) fragte sich: „Was sollen wir hier genehmigen? Was braucht Miesbach?“ Ein Einheimischenmodell? Ein Mehrgenerationenhaus? Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU) warf auch das kleine Eigenheim („Spatzenhäuserl“) ein.
Kontroverse Diskussion
Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) befürwortete eine Quartierslösung – viel Gemeinschaft sei das Ziel. Der Bedarf an hochwertigen und barrierefreien Wohnungen für Singles und Paare sei da. Michael Lechner (FL) wiederum hielt es für einen „fundamentalen Fehler, die schöne Wiese zu bebauen“. Man stelle bald 77 Wohnungen Am Gschwendt fertig und hier dann noch mal 72 – „wir müssen dafür ja Infrastruktur schaffen“. Und zum Mehrgenerationenhaus meinte er: „Da sollten die Eigentümer ihre Möglichkeiten in der Stadtmitte nutzen.“
Wie berichtet, lag die Fläche vorher im Landschaftsschutzgebiet. Im Zuge der laufenden Neuausweisung wurde das Areal jedoch herausgenommen. Doch dieser Entwurf ist noch nicht auf Kreisebene beschlossen. Kreisbaumeister Christian Boiger hatte anfangs neue Wohnformen als Voraussetzung genannt, um eine Herausnahme zu befürworten.
„Wir wissen selbst nicht, was wir wollen“
Die Dialoge nun im Stadtentwicklungsausschuss wunderten Dirk Thelemann (CSU). „Wir haben hier Gäste und wissen selbst nicht, was wir wollen“, stellte der langjährige Stadtrat, der Ende 2024 wieder ins Gremium nachgerückt war, mit Blick auf die Planer fest. „Wenn wir uns das vorher überlegen, tut sich der Bauherr leichter.“ Doch Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erinnerte: „Die Bredow-Lösung gefiel dem Ausschuss, aber nicht den Eigentümern.“ Deren Gegenvorschlag liege nun vor. „Das Gremium muss nun sagen: Wo soll es hingehen?“
Alles sei modifizierbar, versicherte die Planerseite, und Braunmiller gab als Richtung einen „Diskussionsprozess“ vor. Per Beschluss (Gegenstimme Lechner) soll alles nebst der nicht öffentlich diskutierten Wertabschöpfung in ein neues Konzept fließen.