Der Prozess, auf rund 12 000 Quadratmetern Grünland südlich des Kreuzbergs in Miesbach ein Wohnbaugebiet auszuweisen, ist ins Stocken geraten. Wie soll es nun weitergehen?
Im Oktober 2022 hatte sich der Stadtentwicklungsausschuss die Fläche vor Ort angesehen. Nun wurde das Gremium nach zweieinhalb Jahren auf den aktuellen Sachstand gebracht.
Das zentrale Problem der Fläche ist der Umstand, dass sie im Landschaftsschutzgebiet Egartenlandschaft liegt. Um dort etwas bauen zu können, muss das Areal vom Kreistag herausgenommen werden. Zwei bisherige Versuche scheiterten bereits am Veto des Naturschutzbeirats. Beide Male waren die Vorstellungen der Eigentümer nicht konkret genug.
Wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser nun berichtete, komme der Prozess nicht weiter, nachdem sich 2022 beim Ortstermin keine klare Linie ergeben habe. In der Folge habe man das Unternehmen Quest hinzugezogen, das in Weyarn den Klosteranger entwickelt hatte und nun unter dem Namen Max von Bredow (MvB) Baukultur GmbH firmiert. Bredow ist laut Breitweiser angetan gewesen. Eine Kombination aus Reihenhäusern, Grünraum, Wohnen und Arbeiten sowie einer Gemeinschaftsfläche wären ein durchdachtes Konzept gewesen. Am Ende scheiterte es aber am Geld.
Preis ist das Problem
Die Idee wäre gewesen, dass die Stadt und die MvB die Fläche gekauft hätten. MvB hätte das Projekt entwickelt, und die Stadt hätte bestimmte Wohnungen bekommen. Aber für eine solche sozialgerechte Wohnnutzung hätte eine Wertabschöpfung erfolgen müssen – und da sei der Eigentümer nicht mitgegangen. „An dieser Stelle“, schloss Breitwieser, „kommen wir gerade nicht weiter.“ Die Eigentümer wollten nun selbst versuchen, jemand anderes zu finden.
Für Paul Fertl (SPD) soll die sozialgerechte Bodennutzung weiterhin das Ziel bleiben: „Das sollte möglich sein, sonst bleibt es halt eine Wiese.“ Man sollte dem Eigentümer klarmachen, er solle auf dem Teppich bleiben.
„Sollten vom Projekt Abstand nehmen“
Michael Lechner (FL) ging sogar noch weiter: „Wir sollten von diesem Projekt Abstand nehmen. Das ist eine wunderbare Wiese mit Baumbestand im Landschaftsschutzgebiet.“ Zudem seien bald die 77 Wohnungen Am Gschwendt fertig, wobei es darüber hinaus auch weitere Bauprojekte gebe. In der Folge brauche die Stadt dann weitere Kinderbetreuungsplätze. „Wir sollten das zu Ende denken und die Auswirkungen auf unsere Einrichtungen sehen.“
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Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU) fand das Konzept sehr gut. Man sehe Familien und ältere Leute, „aber andere sollen auch bauen dürfen, sonst ist das nicht fair“. Er sah aber auch die Sozialverträglichkeit und die Folgen für die Infrastruktur. Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) stufte die Wiese nicht als besonders hochwertig ein und verwies darauf, dass man Wohnraum schaffen müsse. Die Quartierslösung mit Gemeinschaftsflächen sehe sie als „Wohnform der Zukunft“.
„Wir nehmen uns viel vor“, stellte Markus Seemüller (FL) fest und schlug vor, Tempo herauszunehmen: „Wir haben bereits viele Bauprojekte. Das ist gut.“ Zumal Breitwieser darauf verwies, dass die Kapazitäten des Bauamts begrenzt seien. Ein Beschluss zur Sache erfolgte nicht. Die weitere Entwicklung ist offen.