Wie im Skigebiet: Bayrischzell setzt auf Kunstschnee für Langlauf-Loipen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Bayrischzell

Kommentare

Immer öfter ein Problem: Grüne Wiesen statt Langlaufloipen sind selbst in Bayrischzell keine Seltenheit mehr. Die Gemeinde will jetzt mit Beschneiung gegensteuern. © THOMAS PLETTENBERG

Die Gemeinde investiert in moderne Beschneiungstechnik auch im Tal, was zu höheren Loipen-Gebühren für Langläufer ab diesem Winter führt.

Bayrischzell – Die vergangenen beiden Winter im Landkreis waren auch im „Schneeloch“ Bayrischzell eher so lala. Während oben am Sudelfeld – auch dank der Schneekanonen – die weiße Pracht fürs Skifahren ausreicht, ist die Lage für Langläufer im Tal oftmals schwierig. Daher hat sich die Gemeinde nun etwas einfallen lassen, um das Loipenangebot langfristig zu sichern. Der Wermutstropfen: Die Sportler müssen künftig tiefer in ihre Anorak-Tasche greifen, da die Beiträge gestiegen sind.

„Die Winter werden klimawandelbedingt auch bei uns immer schlechter“, sagte Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Deshalb habe sich der Loipen-Haupteinstieg von der Sportalm und Geitau in den vergangenen fünf Jahren zum Stocker ins kühlere Ursprungtal verschoben, da dort die Schneelage bei mauen Wintern noch am besten sei.

Bekanntermaßen investiert die Gemeinde seit Jahren viel in den nordischen Skilauf: Passt die Schneelage, beträgt das Loipennetz über 100 Kilometer, jeweils 50 Kilometer für Klassisch und Skating. Das Angebot habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer wichtigen Winterattraktion entwickelt, das überregional bekannt sei, betonte der Bürgermeister: „Langlauf ist ein wichtiger Anziehungspunkt neben dem Skifahren, unsere Loipen werden sehr gern genutzt.“

Depotbeschneiung am Stocker geplant

Um auch künftig ein attraktives Streckennetz bieten zu können, investiert die Gemeinde nun in die notwendig gewordene Beschneiungstechnik. Dafür soll künftig am Stocker eine Depotbeschneiung stattfinden, um trotz natürlichen Schneemangels den dortigen Loipeneinstieg und andere kritische Stellen befahrbar zu halten. Hierfür wird die leistungsstarke Schneekanone (Techno Alpin TF10) nebst Kühlturm vom Tannerfeld umgesiedelt.

Am Tannerfeld, wo das Beschneien im Vergleich zum Ursprungtal schwieriger ist, werden künftig zwei kleinere, moderne Schneekanonen (Techno Alpin TR9) eingesetzt. Eine Maschine hat die Gemeinde gekauft, den Kühlturm und die zweite Maschine. Das Besondere: Die beiden Geräte sind auch bei Grenztemperaturen einsatzbereit. Vize-Bürgermeister Egid Stadler (CSU) als Geschäftsführer der Bergbahnen am Sudelfeld betonte, dass diese Technik eine schnellere und flexiblere Beschneiung ermögliche und daher die Betriebssicherheit erhöhe.

Investitionen führen zu höherer Loipengebühr

Die Investitionen in die Beschneiung und die Infrastruktur der Loipen führen laut Kittenrainer zu einer notwendigen Anpassung der Loipenbeiträge. „Die Loipen sind kein Geschäft. Wir haben gute Umsätze, aber wir haben auch Ausgaben.“ Daher müsse die Gemeinde eine gewisse Refinanzierung anstreben, zumal die Gebühren zuletzt im Winter 2018/19 angepasst wurden. Der Gemeinderat folgte einstimmig dem Vorschlag, die Tageskarte um zwei auf sieben Euro und die Jahreskarte um zehn auf 60 Euro zu verteuern. Urlauber aus Bayrischzell, Fischbachau und Schliersee dürfen dank des neuen gemeinsamen Gästekartenmodells umsonst langlaufen.

Teil der Debatte war derweil auch die für die Beschneiung notwendige Wasserentnahme am Stocker. Willy Kravanja (Parteilos) betonte: „Wir graben keinem das Wasser ab.“ Kittenrainer ergänzte, dass der Schnee direkt vor Ort schmelze und der Großteil wieder zurück ins Grundwasser gelange. Stadler fügte hinzu: „Der Grundwasserspiegel da hinten ist um 16 Zentimeter gestiegen. Also der ist konstant.“