Der schöne Schein: die company Idem im Landsberger Stadttheater

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Präzision und Ausdruck: Die company Idem erntet vom Publikum im Landsberger Stadttheater begeisterten Applaus. © Greiner

Individualismus und Gesellschaft: Ideen, die sich widersprechen. Die Schweizer company Idem macht sie zum Inhalt ihres Programms „Schein“. Ein glänzender Abend im Stadttheater Landsberg.

Landsberg – Schein und Sein sind meist nicht eins. Das weiß nicht nur der Fuchs im „Kleinen Prinzen“, der das Sehen mit dem Herzen empfiehlt. Das weiß auch jeder Social-Media-Nutzer, der gern übers eigene Bild den rosigen Filter legt. Die Schweizer „company Idem“ macht diese Diskrepanz zum Mittelpunkt ihrer Tanzperformance „Schein“: Tanz mit Leichtigkeit und Stärke.

Company Idem in Landsberg: Ein ‚Klick‘ für die Momentaufnahmen

Das Ich steht ganz vorne. Individualismus heißt das aktuelle Gesellschaftskonzept. Jeder ist sich selbst der Nächste – und führt ‚Gesellschaft‘ ad absurdum. Dass dieser ‚Trend‘ durch die sozialen Medien befeuert wird, macht die company Idem gleich mit der Einleitung zu ihrem Programm „Schein“ deutlich. Statt der üblichen Bitte, die Handys auszuschalten, regt hier die Stimme aus dem Off an, massiv zu knipsen und dann auch, bitte, alles ins Netz zu stellen.

Auch die ersten Bilder, mit denen sich das sechsköpfige Ensemble dem Publikum im voll besetzten Stadttheater präsentiert, erinnern an Social Media: die vier Tänzer und zwei Tänzerinnen posieren in unterschiedlichen Arrangements, das ‚Klick‘ eines Fotoapparates hält die gestellten Bilder, mit minimalen Bewegungen in Zeitlupe, fest – selbst, als sich einer die Hose über den Hintern zieht. Und da ist auch noch das Selfie. Für das soll das Publikum doch bitte lächeln – und nochmal: ‚klick‘.

Musik für die company Idem im Landsberger Stadttheater: Von Techno bis Ambient

Diese ersten Momentaufnahmen werden von der Musik Michio Woigardts abgelöst. Der Sound-Artist aus Düsseldorf vermengt in seiner synthetischen Musik diverse Kulturkreise zu Ambient-Sound, mystisch schön, aber auch Unheimliches verbergend. Zu hören sind orientalische Klänge, Lyrisches, Einflüsse aus Asien und Anklänge an Musik der Native Americans, die Soli und Tanzelemente mit zwei oder drei Tänzern begleiten. Szenen, in denen sich die Tanzenden bekämpfen, unterstützen, behindern – sich in irgendeiner Weise beeinflussen. Ein Bild für die Anforderungen der Gesellschaft an den einzelnen. Aber eben auch ein Bild für den Kampf mit dem eigenen Wunschbild, das möglichst glänzend der Welt präsentiert werden soll – und vor lauter Unmöglichem in sich zusammenfällt. Techno-Rhythmen begleiten hingegen die Unisono-Tanzszenen: Wenn sich das Individuum der Gesellschaft fügen muss. Ein Akt, der so streng getaktet ist wie die Musik dazu.

Die company Idem in Landsberg 2024
Das Miteinander als Kampf oder Unterstützung: Die company Idem in Landsberg © Greiner

Die Choreografie der beiden Company-Gründer Clément Bugnon und Matthias Kass, die sich in der Stuttgarter John Cranko Schule kennenlernten, spricht durch Direktheit. Das karge Bühnenbild (Katharina Andes) aus einer Art vierteiligem Matroschka-Turm – zum Selbst-Überhöhen oder Überheblich-Sein – lenkt den Blick auf die Tanzenden: ein Ensemble, das die Choreografie leicht und kraftvoll präzise umsetzt, das sprechende Bilder entstehen lässt. Eindrücke, die das Publikum übers Herz ansprechen. Da freut sich nicht nur Saint-Exupérys Fuchs.

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