Der Eresinger Kracherhof in neuem Glanz

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Offiziell eingeweiht: Der umgebaute Kracherhof beherbergt heute 26 Bewohner in zehn Wohnungen. © Osman

Nach dem Tod der letzten Bewohnerin stand der Kracherhof in Eresing leer. Dem ortsbildprägenden Anwesen in der Kaspar-Ett-Straße hätte das Schicksal vieler aufgelassener Hofstellen drohen können – Abriss durch einen Bauträger und Neubau eines Fremdkörpers, am besten noch mit einer Zeile Fertiggaragen. „Mein Albtraum“, fasst Nachbarin Stefanie Merlin diese Aussicht zusammen.

Eresing – Es wäre schön, wenn es auch anders ginge, dachte sich die Eresingerin damals. Sie nahm Kontakt zu Alfred Sunder-Plassmann auf. Der Greifenberger Architekt hat viel Erfahrung darin, alte Bausubstanz zu erhalten und weiterzuentwickeln, um sie an die Bedürfnisse und Ansprüche der heutigen Zeit anzupassen. Das Projekt reizte ihn – und ein Übriges tat ein Kommentar seiner Frau Marie: „Alfred, das schaffst du doch.“ So erarbeitete Sunder-Plassmann erste Entwürfe und eine Bauvoranfrage an die Gemeinde, obwohl es noch gar keinen Bauherrn gab.

Der Eresinger Kracherhof in neuem Glanz - Hof sollte schonend umgebaut werden

Das sollte sich ändern. Ende 2016 trat eine Initiativgruppe um Stefanie Merlin mit der Idee an die Öffentlichkeit. Im September 2017 gründeten acht Engagierte die Linde Wohngenossenschaft eG mit dem Ziel, den Kracherhof schonend umzubauen und Wohnraum zu fairen, bezahlbaren Mieten für alle Generationen zu schaffen. 2018 konnte die Genossenschaft das Gelände von den in Regensburg lebenden Erben der letzten Eigentümerin Rosa Kracher kaufen.

Die Krisen der folgenden Jahre – Corona, Ukraine-Krieg, Energie- und Baupreissteigerungen – verzögerten die Umsetzung, doch Mitte 2021 war endlich Baubeginn. Die Ausführungsplanung und Bauleitung übernahm das Gilchinger Büro s+p dinkel Architektur.

Innerhalb von zweieinhalb Jahren entstanden zehn genossenschaftliche, größtenteils barrierefreie Zwei- bis Sechs-Zimmer-Wohnungen zwischen 41 und 185 Quadratmetern. Sie verteilen sich auf drei Gebäude – das im historischen Stil renovierte Bauernhaus, die ehemalige Scheune und ein Nebengebäude, das sogenannte Hofhaus. Kfz-Stellplätze wurden im alten Kuhstall errichtet. Für gemeinsame Aktivitäten und Feiern steht ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Mit Wärmedämmung, PV-Anlage und Wärmepumpe sind die neuen Gebäude energetisch vorbildlich ausgestattet.

Jetzt herrscht wieder Leben auf dem Kracherhof. Im vergangenen Frühjahr zogen die ersten Mieter ein, inzwischen sind alle Wohnungen bewohnt – von Familien, Alleinerziehenden und Alleinstehenden. Mit einer Altersspanne von vier bis 70 Jahren ist ein Mehrgenerationenprojekt mit sozialer Mischung entstanden, denn für sechs der Wohnungen zahlt das Landratsamt Mietzuschüsse aus dem Programm der Einkommensorientierten Förderung (EoF).

Neuer Bauerngarten

Wie wohl sich die 26 Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem neuen Zuhause fühlen und wie gut die Gemeinschaft funktioniert, war bei der offiziellen Einweihungsfeier auf dem Hofplatz deutlich zu spüren. Hier ist ein halb-öffentlicher Bereich inklusive „Ratschbank“ auf der ehemaligen Mistlege geplant. Im kommenden Jahr sollen vor dem Bauernhaus ein klassischer Bauerngarten angelegt und eine Walnuss als Hofbaum gepflanzt werden.

Auf der Rückseite liegt ein gemeinschaftlich gepflegter Gemüsegarten. Alte Obstbäume konnten erhalten werden. Auch der Ableger eines Weinstocks, der früher auf dem Kracherhof wuchs, schlägt eine Brücke zur Vergangenheit, ebenso wie das über 100 Jahre alte Salettl, das den Kindern – auch denen aus der Nachbarschaft – als Spielhaus dient.

Finanzielle Hilfe

Gekostet hat das Bauprojekt rund 5,9 Millionen Euro. Unterstützung kam von verschiedenen Seiten. Die Gemeinde stand von Anfang an hinter dem Vorhaben und leistete einen finanziellen Beitrag in Form von Geldern aus der Städtebauförderung. Zusammen mit KfW- und Wohnbauförderung kamen so eine Million Euro an Zuschüssen zusammen. Und nicht zuletzt gewährten die Kracher-Erben einen Nachlass beim Kaufpreis, weil ihnen eine substanzerhaltende Lösung lieber war als der maximale Gewinn, den sie durch den Verkauf an einen Bauträger hätten erzielen können.

Die Linde Wohngenossenschaft – der Name verweist auf die Linden vor dem Hofhaus und am nahen Dorfplatz und ist gleichzeitig ein Akronym für „Leben im nachbarschaftlichen dörflichen Eresing“ – hat heute 65 Mitglieder, die Mitbesitzer des Anwesens sind. Der Vorstand weist darauf hin, dass Interessierte immer noch Genossenschaftsanteile erwerben können, auch wenn das Projekt an sich abgeschlossen ist.

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