Erpftinger Bürger besorgt: Luibach versus Obstbaum-Allee?

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Der Luibach soll durchlässiger werden. Die geplanten Maßnahmen könnten die Obstbäume entlang des Bachs gefährden, wurde auf der Bürgerversammlung kritisiert. © Büro Lugs

Das Gewässerentwicklungskonzept der Stadt Landsberg sorgt in Erpf­ting für Unmut. Darin wird das Ziel formuliert, aus dem Luibach ein mäandrierendes, frei fließendes Gewässer zu machen. Dies wäre das Ende einer Streuobst-Allee am Ufer, kritisierte ein Besucher der Bürgerversammlung im Gasthaus Erpftinger Sonne.

Erpfting – Die Apfel-Allee wird seit vielen Jahren von Ehrenamtlichen gepflegt. „Tausende Stunden haben wir in diese Obstbaumreihe gesteckt“, sagte Christian Hanglberger, Vorsitzender der Garten- und Naturfreunde Erpfting sowie des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege. Er sei „erschüttert“, dass man vom Inhalt des Gewässerentwicklungskonzepts nicht wenigstens vorab informiert worden sei. „Wie soll ich Leute zur Mitarbeit motivieren, wenn ich selbst solche Dinge nur hintenrum erfahre?“

Bürgerversammlung in Erpfting mit Streit um Gewässerentwicklungskonzept des Luibachs

Hanglberger beklagte in diesem Zusammenhang auch eine ungenügende Wertschätzung des Ehrenamts. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl, Stadtbaumeisterin Annegret Michler und Ortssprecher Markus Salzinger erklärten, man werde noch einmal mit dem Planer des Gewässerentwicklungskonzepts in Dialog treten, um die verschiedenen Konzepte und Zielstellungen – Streuobstwiesen hier, Gewässerentwicklung dort – in Einklang zu bringen. Das Ergebnis teilte die Stadt kurz darauf in einer Presseinformation mit. (siehe unten).

Ein weiteres Thema, das die Erpftinger beschäftigt, ist die unzureichende Glasfaserversorgung im Ort, die, wie der Wirtschaftsförderer der Stadt Landsberg André Köhn einräumte, „ein eklatanter Standortnachteil“ ist. Für einen Ausbau müssten Fördergelder fließen, da ein eigenwirtschaftlicher – also von einem Telekommunikationsunternehmen auf eigene Kosten durchgeführter – Ausbau nicht rentabel sei.

Im Moment ist Landsberg jedoch nicht förderfähig, so Köhn. Dafür sei die Glasfaserversorgung, auf das gesamte Stadtgebiet bezogen, zu gut. Die Förderrichtlinien sehen eine gesonderte Betrachtung von Ortsteilen nicht vor. Das sei zwar „Mist“, so Köhn, aber man müsse sich im gesetzlichen Rahmen bewegen. Die Stadt will im kommenden Jahr eine erneute Markterkundung vornehmen und hofft darauf, dann in die Förderung hineinzurutschen. Immerhin gebe es das politische Ziel eines flächendeckenden Giganetz-Ausbaus bis 2030.

Auch Positives auf der Erpftinger Bürgerversammlung: Aufwertung des Dorfplatzes

Unterdessen tut sich im Landsberger Stadtteil Erpfting auch viel Erfreuliches. Kornelia Magg berichtete von der Initiative „Erpfting wird bunt“, die mit Hilfe von Pflegepaten öffentliche Grünflächen kostengünstig und umweltfreundlich bepflanzt hat. Markus Salzinger kündigte für das kommende Jahr eine Aufwertung des Dorfplatzes mit einem Trinkwasserbrunnen, Sitzgelegenheiten und einem weiteren Blühstreifen an. Das städtische Bauprojekt Luibachhäuser steht kurz vor dem Richtfest. Dieses ist für den 31. Januar geplant, so OBin Baumgartl. Die Planung der Sanierung der Grundschule Erpfting soll anlaufen, sobald die Planungen für die Landsberger Schlossbergschule abgeschlossen sind.

Fragen aus dem zahlreich erschienenen Publikum betrafen unter anderem den Hochwasserschutz, Geschwindigkeitsmessungen an der Luibach- und Ellighofer Straße, die bevorstehende Grundsteuererhöhung, Straßenlampen am Friedheimer Weg, die Busanbindung des Ortsteils und einen geplanten Dorfladen.

Im Januar klagten einige Bürger Erpftings nach der Bürgerversammlung.

Luibach in Erpfting: keine „breite Gewässerlandschaft“

Auf den Unmut der Erpftinger Bürger reagiert die Stadtverwaltung kurz darauf mit einer Pressemitteilung zum Gewässerentwicklungskonzept. Dass das Entwicklungskonzept Luibach den Bürgerinnen und Bürgern Sorge bereitete, ist der Stadtverwaltung bewusst, auch, dass es konkret um die Streuobstbäume entlang des Luibachs geht, die die „mögliche ökologische Aufwertung des Luibachs“ gefährde, schreibt Pressesprecherin Angelika Urbach. Aber diese Sorge sei unbegründet. „Die Streuobstbäume am Luibach sind besonders wertvoll und bleiben in jedem Fall erhalten“ wird Mario Düchs vom Referat Straßenbau und zuständig für das öffentliche Grün zitiert. „Genau deshalb unterstützen wir den Erpf­tinger Gartenbauverein zum Beispiel bei der gezielten Nachpflanzung alter Obstsorten entlang des Luibachs.“

Hintergrund des Gewässerentwicklungskonzeptes der Stadt Landsberg sei die sogenannte europäische Wasserrahmenrichtlinie. Sie besage, dass „alle Gewässer einen guten ökologischen Zustand mit hoher Wasserqualität erreichen“ sollen. Dazu kommt die Zielsetzung, gute Lebensbedingungen für die im und am Wasser beheimatete Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen und zu erhalten. Das Gewässerentwicklungskonzept habe die Verwaltung im Oktober in der Sitzung des Bauausschusses öffentlich vorgestellt. Es enthalte Ideen zur ökologischen Aufwertung der entsprechenden Gewässer – „ein konkreter Maßnahmenkatalog ist damit zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht verbunden“, räumt Urbach ein. Die Verwaltung und der Stadtrat könnten aus diesen Ideen zu einem späteren Zeitpunkt konkrete Maßnahmen entwickeln und hierzu die Öffentlichkeit beteiligen, sie müssten das aber nicht. Aktuell seien für den Luibach aber noch keine konkreten Maßnahmen geplant.

Als Idee für eine mögliche ökologische Aufwertung des Luibachs nennt das Gewässerentwicklungskonzept unter anderem den Erwerb eines beidseitigen Uferstreifens mit je zehn Metern Breite oder auch eines einseitigen Uferstreifens von 20 Metern Breite an der Stelle, an der die benachbarte Straße keinen Platz für einen Uferstreifen bietet. Dieser Streifen soll die Qualität des Wassers schützen, indem weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel eingetragen werden.

Darüber hinaus ermögliche ein solcher Uferstreifen aber auch einen mäandernden Bachlauf, der in Breite und Tiefe variiert. Der mäandernde Bachverlauf könne im Bachbett nicht nur Rückzugsbereiche für Fische und Amphibien schaffen, sondern diene gleichzeitig auch dem Hochwasserschutz, führt Urbach aus. „Bei Starkregenereignissen kann sich das Wasser jenseits der Straße sammeln, anstatt diese zu überfluten.“

Urbach entkräftet aber auch gleich die Kritik der Erpftinger am Konzept ‚mäandernder Bachlauf‘: „Entgegen anderslautender Gerüchte enthält das Konzept keine Ideen für einen Ausbau des Luibachs hin zu einer breiten Gewässerlandschaft.“ Dafür habe der Luibach, der aus eigenen Quellen gespeist wird, auch gar nicht genügend Wasser, betont Mario Düchs.

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