Wie wandelte sich die Stadt Tegernsee – und welche Visionen gingen an ihr vorüber? Das beleuchtet die neue Sonderausstellung im Museum Tegernseer Tal, die am Sonntag eröffnet wurde.
Tegernsee – Mit „Veränderungen – Das Tegernseer Ortsbild zwischen Gestern und Morgen“ geht das Museum Tegernseer Tal mit seiner bisher aktuellsten und am meisten in die Zukunft gerichteten Sonderausstellung in die Saison. Die Schau ist Teil des Kommunalen Denkmalkonzepts und erklärtes Arbeitsinstrument für den Stadtrat, führt aber auch vor Augen, welche einstigen Visionen am Ort vorübergingen.
Bergbahn zur Neureuth, Brücke übern Alpbach
Seit 2022 arbeitet die Stadt Tegernsee an ihrem Kommunalen Denkmalkonzept. Mit dessen Modulen I und II, die mit öffentlicher Beteiligung erarbeitet wurden, präsentiert sie in der Sonderausstellung einen ersten Zwischenbericht. Zu sehen sind im Wesentlichen Ansichten von Tegernsee als Drucke, Zeichnungen und Fotografien, Modelle und Katasterpläne – historische und aktuelle: eine wertfreie Dokumentation dessen, was sich verändert hat in Tegernsee, wie es sich verändert hat, aber auch, wie es sich verändern hätte können. Vor Augen führt dies etwa das von Sep Ruf und einem Münchner Ingenieurbüro einst erstellte Tegernsee-Modell mit Umgehungsstraße inklusiver monumentaler Brücke über das Alpbachtal, Seilbahn auf die Neureuth und Galerie am See.
„Es geht um die Welt, in der wir leben. Und darum, was wir tun können, dass es auch in Zukunft eine lebenswerte Welt werden kann“, sagte der promovierte Historiker Roland Götz bei seiner Führung. „Die gebaute Umwelt ist das, was uns prägt, und das, was von uns geprägt wird“, machte Götz deutlich und wies im ersten Ausstellungsraum auf die älteste Tegernseer Ansicht von 1800 von Hans Pöttinger hin und auf den ersten Katasterplan von 1861, in dem sogar die Landnutzung und Gartengestaltung eingezeichnet waren. Dieser war Ausgangspunkt für das Stadtplanungsbüro Götze und Hadlich, dessen neuer Baualtersplan direkt daneben hängt.
Exponate regen zum Vergleich an
Unversehens verglichen die Gäste der Ausstellungseröffnung am Sonntag die Bebauung von einst, gekennzeichnet in Rot, und all die schier unzähligen neuen Häuser in Grau. Diesen Drang, nach besonderen Häusern und Anlagen zu suchen, forcieren die Fotografien aus den 1960er-Jahren von der Seepromenade, dem Kurpark, dem Stadtplatz, dem Sommerkeller, dem Krankenhaus, dem Strandbad und vielen markanten Gebäuden mehr. Das Kerngebiet Tegernsees wurde in acht Teilplanungen unterteilt. Darum herum regen Ansichten und Beschreibungen jüngeren Datums ebenso wie historische Postkarten und Fotografien in den Vitrinen davor zum Abgleich an.
Spannend ist das, was die Stadtplaner als Stärkenprofile erachten, als Umformungen und Schwächen – und was sie als Handlungsempfehlungen für die Zukunft vermerken. „Das Ganze ist ein Arbeitsinstrument für den Stadtrat“, erklärte Götz. Es diene auch für Studien, wie in der nächsten Generation gebaut würde. Deshalb lud Götz ein, die fachlich fundiert erstellte Ausstellung ruhig mehrmals zu besuchen. Das Kommunale Denkmalkonzept werde fortgeschrieben werden müssen, forderte er.
Vorträge und Rundgänge geplant
Bürgermeister Johannes Hagn unterstrich mit Blick auf die sich ändernden Gegebenheiten und Novellierungen im Baurecht die Notwendigkeit des Projekts: „Das einzig Konstante ist die Veränderung.“ Die Stadt wolle zunächst die Gestaltungssatzung weiterentwickeln. Hagn hoffte aber auch, dass sich aus dem Kommunalen Denkmalkonzept ein Stadtentwicklungskonzept entwickeln werde. Zusammen mit Birgit Halmbacher vom Tegernseer Tal Museum lud er zu Architekturvorträgen, Ortsrundgängen und Diskussionsrunden ein, die im Umfeld der Sonderausstellung „Veränderungen“ in den kommenden Monaten stattfinden.
Öffnungszeiten
Das Museum Tegernseer Tal ist 2025 bis 5. Oktober jeweils mittwochs bis samstags von 10 bis 13 Uhr, sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet (Eintritt: fünf Euro, ermäßigt 2,50, bis 16 Jahre frei). Führungen sind nach telefonischer Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.