Touristiker und Klima-Experten suchten beim Fachgespräch zu „Tourismus im Klimawandel“ Lösungen für die Alpenregion Schliersee und Tegernsee.
Landkreis – Waldbrände in Griechenland und Spanien, Überschwemmungen in Italien: Die Tourismusregionen in Südeuropa werden durch Extremwetter unattraktiver. Touristiker im Landkreis stellen sich deshalb auf einen zunehmenden Tourismus ein. Doch wie geht Fremdenverkehr im Einklang mit der Natur? Und wie sieht der Tourismus der Zukunft aus? Damit beschäftigten sich interessierte Bürger, Wissenschaftler und Touristiker beim Fachgespräch zum Thema „Tourismus im Klimawandel“, zu dem die Grünen-Ortsverbände Schliersee und Tegernseer Tal am Donnerstagabend in den Tegernseer Hof eingeladen hatten.
Skisaion könnte sich verschieben
Dass sich der Klimawandel nicht nur im Süden Europas bemerkbar macht, veranschaulichte Ernst Rauch. Als Chefklimatologe bei der Munich Re beschäftigt sich Rauch mit den finanziellen Auswirkungen und Risiken des Klimawandels. Temperaturanstieg um 2,6 Grad, zunehmende Hitzetage und Sturzfluten sowie abnehmende Schneetage waren nur einige Beispiele, die in Bayern beobachtet wurden. „Die Wahrscheinlichkeit und Intensität von extremen Wetterereignissen hat zugenommen“, fasste Rauch zusammen. Um sich davor zu schützen, gebe es nur zwei Stellschrauben: Anpassung und die Ursache bekämpfen, indem Treibhausgase zurückgefahren werden.
Wie sich der Tourismus an den Klimawandel anpassen kann, erklärte Professor Jürgen Schmude vom bayerischen Zentrum für Tourismus. Vor allem im Winter werde es Veränderungen geben, erklärte er. „Wir werden die Wintersaison nicht verlieren, aber der Tourismus wird in einer anderen Form stattfinden.“ So stellten Tourismusforscher fest, dass die Zahl der optimalen Skitage nicht nur abnehmen, sondern sich die Skisaison auch von den Kernmonaten Dezember/Januar in Richtung Februar/März verschieben werde. „Wir merken bereits, dass es in diese Richtung geht.“
Positivbeispiel: Bergsteigerdörfer
Schmude rechnet damit, dass im Jahr 2050 bayernweit nur noch drei bis fünf Skilifte wirtschaftlich rentabel betrieben werden können. Deshalb müssten Tourismusregionen klimaneutrale Schnee-Erlebnisse anbieten. Als positives Beispiel nannte Schmude die Bergsteigerdörfer, zu denen auch Kreuth zählt. „Ein Nebeneffekt ist die optimale Anpassung an den Winter: Skifahren kann man dort nur, wenn es Schnee gibt.“
An Anpassungen werde im Landkreis bereits gearbeitet, versicherte Harald Gmeiner, Tourismusvorstand der Regionalentwicklung Oberland (REO). Für die Tourismusregion sei Flexibilität wichtig: „Wenn kein Schnee liegt, können wir bereits schnell auf Sommerangebote wechseln.“ Individuelle Lösungen ließen sich aber nicht auf jede Region übertragen, betonte Schmude. Eine Schranke für Gäste, die mit dem Auto anreisen, – wie am Eibsee – ergebe im Tegernseer Tal keinen Sinn.
Nachhaltigen Tourismus gibt es nicht
Den Wermutstropfen gab es fast schon beiläufig: „Es gibt keinen nachhaltigen Tourismus“, sagte Schmude, „denn Tourismus ist immer mit Mobilität und Emissionen verbunden.“ Wichtig sei es deshalb, die Besucherströme zu lenken. Dazu tragen auch die Naturschutz-Ranger des Landkreises bei. Die zwei festangestellten Ranger des Landkreises werden seit 2017 von rund 15 Ehrenamtlichen in den Bergen unterstützt, berichtete Gmeiner. Die Ranger beraten und informieren Wanderer vor Ort – insbesondere über Landschaftsschutzgebiete. Diese Lenkung zeige bereits Wirkung: „Viele Touristen sind am Berg viel sensibler unterwegs“, weiß Gmeiner von Almbauern.
Schwierig gestalte sich Besucherlenkung bei Tagestouristen, waren sich die Experten einig. Gerade diese beschäftigten die Anwesenden in der abschließenden Diskussion. „Das geht nur durch Bewusstseinsbildung in den Quellgebieten“, sagte Schmude. Wie Besucher anreisen, könne die Region nicht steuern, betonte Gmeiner. Die Zahl der Tagesgäste habe in den vergangenen zwei Jahren aber abgenommen. Eine aktuelle Gäste-Statistik legte die REO ebenfalls vor: Im ersten Quartal verzeichnete die Region ein deutliches Minus.
In dem Trend, dass immer mehr Touristen Outdoor-Urlaub machen, sah Schmude eine große Gelegenheit für die Region. „Das ist eine Chance für ganzjährigen Tourismus.“
sf
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