Das ehemalige Jesuitenkolleg ist stadtbildprägend. Inzwischen auch mit Kran. Denn die umfassende Sanierung des Landsberger Stadtmuseums dauert. Wie es aktuell aussieht, konnten Besucher beim Stadtkultur-Aktionstag erfahren: eine Führung mit dem Architekten Ulrich Falke.
Landsberg – Wer denkt, es geht bei der Sanierung eines historischen Gebäudes nur um ‚Reparieren‘, liegt falsch. Es gibt gewisse Anforderungen, bei dem 1692 erbauten Jesuitenkollegs natürlich der Denkmalschutz. Und weil es ein Museum ist, gilt es, den Lichteinfall zu kontrollieren und besondere Klimaverhältnisse mit möglichst wenig Schwankungen garantieren zu können. Aber für ein öffentliches Gebäude spielen auch Brandschutz samt Fluchtwegen und Barrierefreiheit eine Rolle. Nicht zuletzt muss das Gebäude einbruchssicher sein – und die Bedingungen der Versicherung erfüllen. „Sonst ist es beispielsweise auch nicht möglich, bestimmte Leihgaben zu bekommen“, gibt Museumsleiterin Sonia Schätz bei dem Rundgang durch die Baustelle zu bedenken. Weshalb zur Planung auch Feuerwehr und Polizei vor Ort waren, ergänzt Architekt Ulrich Falke vom Augsburger Büro Schrammel. „Das hier ist ja eine Insellage, wo die Überwachung durch das soziale Umfeld eher gering ist.“ Einbrüche in Museen häuften sich. Und in Landsberg komme auch noch „das Thema Hitler“ dazu.
„Die ersten Ausschreibungen waren noch sehr schmerzhaft“, erzählt Falke. Schmerzhaft meint die Kosten. Inzwischen – schon über 90 Prozent der Arbeiten sind ausgeschrieben – sei es aber wieder besser: „Wir liegen aktuell drei Prozent über der Kostenplanung.“ Und bei so einem großen Projekt seien drei Prozent „super“.
Sanierung des Landsberger Stadtmuseums: Der ‚Dorn‘ der Sanierung
Der Dachstuhl sei schon komplett saniert, das Dach fast komplett eingedeckt. „Das Gebälk konnten wir zu 90 Prozent erhalten.“ Die Handwerker hätten damals beim Bau sehr gute Arbeit geleistet. „Aber im Traufbereich mussten wir mit neuen Eichenbalken ein zweites Dach über dem Dach bauen.“ Allein das Gebäude frei von Altlasten wie Asbest oder KMF zu bekommen, habe ein Jahr gedauert, erinnert sich Falke. Und auch vorhergehende Denkmalschutz-Untersuchungen brauchten ihre Zeit. Die eigentliche Sanierung habe erst 2023 starten können. Dabei baue man auch zurück, weil im Laufe der vielen Jahrhunderte doch auch einiges Nicht-Denkmalkonformes dazugekommen ist.
Im Erdgeschoss, wo künftig das Museumsforum samt ‚Garderobe‘ und ein Veranstaltungssaal Platz haben, ist gleich etwas Nicht-Denkmalkonformes zu sehen – „der größte Dorn in der Sanierung“, wie Falke es nennt: der Schacht für den Aufzug – der aber wegen der staatlich geforderten Barrierefreiheit sein muss. „Denn auch die Toiletten bleiben da, wo sie vorher waren“, sagt Schätz: im Souterrain.
Der Denkmalschutz spielt immer mit: Fenster mit schillerndem Goethe-Glas
Beim Beleuchtungskonzept hat hingegen der Denkmalschutz gewonnen: „Wir hätten natürlich gerne unser Lichtsystem in der historischen Kassettendecke verbaut“, erzählt Sonia Schätz. Eine Idee, die schnell kassiert wurde. Und auch, was das Sicherheitskonzept angeht, hat sich der Denkmalschutz durchgesetzt: keine Gitter vor den Fenstern. Schließlich solle das Museum ja auch „ein offenes Haus“ sein, gibt Schätz zu bedenken. „Dafür wird das ganze Haus von der Hülle her überwacht“, führt Falke aus.
Im zukünftigen Museumsforum stehen die neuen Fenster, von denen einige in den oberen Stockwerken schon eingesetzt sind. Schwere Dinger, wie sich zeigt, als Schätz und Falke einen der über zwei Meter hohen Eichenrahmen zur Demonstration aufstellen. „Wir haben für die 80 Fenster im Haus in jedem Stockwerk unterschiedliche Fenster vorgefunden“, erzählt der Architekt. Nur Dank dem Landesamt für Denkmalschutz in München, das eine historische Fotografie hatte, sind die neuen Fenster wie die von damals, samt leicht unregelmäßigem Goethe-Glas ‚wie damals‘. Aber natürlich bietet das Glas modernen UV- und Wärmeschutz, den ein Rahmen von innen mit massig Technik und Sonnenrollos optimiert. Was die Fensterlaibungen angeht, habe man viele neu machen müssen, sagt Falke. „Wir haben im Mauerwerk so ziemlich alles gefunden. Da wurden sogar Dachziegel verbaut.“
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Brandschutz wird großgeschrieben: In jedem Raum gibt es sechs Brandmelder. Und die Decken mit ihren breiten Eichenbalken wurden mit Stahlträgern verstärkt: Damit sie halten, wenn‘s brennt. 90 Minuten müssen Wände und Decken stehenbleiben, damit alle gerettet und der Brand nach Möglichkeit gelöscht werden kann. „Dafür wurde jeder Balken einzeln beurteilt“, erzählt Museumsleiterin Schätz.
Der große und breite Stahlträger im zukünftigen Veranstaltungssaal muss noch einen Zweck erfüllen, erklärt Falke: „Die Decke darf sich maximal einen Zentimeter durchbiegen. Sonst geht oben alles kaputt.“ Denn wegen der Anforderung, einen Ort für Konzerte oder Vorträge für eine gewisse Anzahl von Menschen zu haben (und auch weiteren Galerieraum), musste eine Wand weichen – sodass aus den früheren Ausstellungsräumen rechts neben dem Eingangsportal ein großer, heller Saal entstanden ist.
In den oberen Räumen, wo im ersten Stock die Stadtgeschichte und im zweiten die Zeitgeschichte ab 1920 rund um die Zeit des Nationalsozialismus Platz finden wird, liegt noch das ehemalige Fischgrätenparkett. Das aber nicht das ursprüngliche ist und zudem nicht erhalten werden kann. Breite Eichendielenböden werden hier verlegt. Im zweiten Stock wurde auch eine Tür wieder so versetzt, dass sie sich mit ihrem Gegenüber – jedes Geschoss hat vier symmetrisch angeordnete Räume – spiegelt. „Warum die ein Stück weiter rechts gesetzt wurde, weiß keiner“, sagt Falke.
Trotz Schließung des Stadtmuseums: Die Angestellten haben viel zu tun
Im dritten Stock sind in Zukunft dann die Büros der Mitarbeitenden und noch zwei Räume Sonderausstellungsfläche platziert. Arbeiten müssen die Museumsangestellten momentan im Nebengebäude, dem ehemaligen Heilig-Geist-Spital. Zwar mag manch einer meinen, dass die Arbeit aktuell ja wegfallen müsste – schließlich ist das Museum ja zu. Aber schon allein der Umzug ins Ersatzgebäude sei ein Riesenaufwand gewesen, erzählt Schätz. „Und wir halten unsere pädagogischen Angebote ja weiterhin aufrecht“, dazu kommen externe Veranstaltungen wie die Hitler-Ausstellung oder auch die Landsberger Dialoge, bei denen das Stadtmuseums-Team mitmischt.
Es stehen Beratungen und Abstimmungen in Bezug auf Sanierung und Konzept der zukünftigen Dauerausstellung an. Muss etwas umgedacht werden? Ist etwas nicht so wie geplant umsetzbar? Also eine Menge zu tun. Oder wie Falke es formuliert: „Wenn ein Museum zu hat, ist das viel mehr Arbeit als sonst.“
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