Die Stadt Dachau steht vor einem Dilemma: Der Kauf des Zieglerbräus entpuppt sich als finanzielles Fiasko. Die Sanierungskosten würden Millionen verschlingen. Nun will die Stadt das Gebäude loswerden.
Es hätte so schön werden sollen im altehrwürdigen Zieglerbräu: unten eine Gaststätte mit angeschlossener Veranstaltungsbühne für Dachauer Kulturvereine, oben Büros für die Dachauer Stadtverwaltung. Kritische Stimmen, die vor dem Kauf der denkmalgeschützten Immobilie gewarnt hätten, habe es laut Oberbürgermeister Florian Hartmann im Stadtrat denn auch nicht gegeben. Im Gegenteil: „Es gab Jubel, dass wir das erwerben konnten. Alle haben gesagt: ,So eine Chance bekommen wir nie wieder!‘“
Dachau's Zieglerbräu-Kauf entpuppt sich als Fehlgriff
Dass der OB diese Erinnerungen an die Tage im Frühjahr 2019 am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss noch einmal ausgraben musste, lag daran, dass das Gremium diesmal – erstmals – offen und ehrlich aussprach: Der Kauf des Zieglerbräu war ein Fehlkauf. Oder wie Stadtrat Jürgen Seidl (FDP) es nannte: „Ein Fiasko.“ Florian Schiller (CSU) erklärte, er hätte dem Kauf damals niemals so begeistert zugestimmt, „wenn uns die Dimensionen vorgelegen hätten“.
Zieglerbräu: Stadträte sprechen von „Fiasko“
Mit den angesprochenen Dimensionen meinte Schiller den enormen Sanierungsbedarf der Immobilie, der zu den erforderlichen Umbaumaßnahmen für eine spätere Rathausnutzung noch dazu gekommen wäre. Vor allem der Brandschutz wies laut einem von der Stadt nach dem Kauf in Auftrag gegebenen Gutachten eklatante Mängel auf. So fehle dem Bau, in dem es in der jüngeren Vergangenheit übrigens nie gebrannt hatte, neben vielen anderen brandschutztechnischen Erfordernissen eine ausreichende „Feuerwiderstandsdauer“ der Decken.
Eine Generalsanierung des gesamten Baus hätte damit rund 10 Millionen Euro gekostet, eine Sanierung nur des Erdgeschosses gut 5,4 Millionen Euro. Und selbst um die Gaststätte im vorderen Bereich des Erdgeschosses wieder fit für eine Wiedereröffnung zu machen, braucht es laut Bauamt erstmal Ertüchtigungsmaßnahmen, die mit mindestens 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen würden. „Mindestens“ deswegen, weil laut OB Hartmann „selbst da noch alles Mögliche daher kommen kann“.
Stadt hat kein Geld um Zieglerbräu zu sanieren
Was also tun? Für den Oberbürgermeister ist klar, dass dem Projekt „Rathauserweiterung in den Zieglerbräu“ seit der Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine die Geschäftsgrundlage entzogen ist. Die Stadt hat schlicht kein Geld mehr, um sich den Traum von schicken neuen Büros oben und einer kuschligen Kleinkunstbühne unten zu erfüllen. Sein Vorschlag daher: erstens die Pläne der Rathauserweiterung offiziell aufgeben, und zweitens „den Markt abfragen“, welche frischen Ideen ein möglicher Investor für den alten Bau haben könnte.
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Stadtkeller nur noch als Biergarten
Der Zieglerbräu ist nicht die einzige städtische Gastronomie, die Sanierungsbedarf hat. Auch der Stadtkeller müsste dringend „technisch und organisatorisch auf einen gegenwärtigen Stand“ gebracht werden. Vor vier Jahren hatte der Stadtrat denn auch eine umfassende Erneuerung des Gebäudes, in dem sich im Erdgeschoss die Gastwirtschaft mit Küche und im ersten Obergeschoss eine Wohnung befindet, beschlossen. Allein in den nächsten beiden Jahren sollten dafür 2 Millionen Euro ausgegeben werden. Diese Pläne haben die Stadträte am Dienstag aber gestoppt. Im Haushalt für 2025 stehen nun lediglich noch 250 000 Euro, um „handlungsfähig zu bleiben“, wie es hieß. Zeitgleich will sich das Gremium Gedanken machen, wie man den Stadtkeller langfristig „anders aufstellen“ könnte. OB Hartmanns Vorschlag: den Betrieb des Biergartens – „einer der schönsten Biergärten, die wir haben“ – sicherzustellen, während für das Bestandsgebäude eine neue Nutzung gesucht wird. Gerade das Bestandsgebäude, so Florian Schiller (CSU), könnte nämlich zum „Fass ohne Boden“ werden.
Die Brandschutzsanierungen des Drei Rosen und der Kulturschranne sollen dagegen planmäßig weiterverfolgt werden.
Und auch wenn Hartmann, drittens, von der Idee einer „Rumpf-Gastro“ im Erdgeschoss aufgrund der erst einmal hohen Investitionskosten wenig hält, sollte zudem noch eruiert werden, ob sich nicht vielleicht doch ein Pächter findet, der bereit wäre, so viel zu zahlen, dass sich die städtischen Vorleistungen in absehbarer Zeit amortisieren würden. Aktuell gibt es laut Hartmann zwar einen Interessenten für die Gaststätte, dessen Pachtangebot genüge diesen hohen Ansprüchen bei weitem nicht.
Stadt will Zieglerbräu wieder verkaufen
Während das Gros der Stadträte diesem Vorgehen zustimmte, meldete FDP-Mann Seidl Bedenken an. Denn: „Wer soll denn das Gebäude kaufen?“ Beziehungsweise, selbst wenn sich ein Käufer finde: „Dann verkaufen wir mit erheblichen Verlusten!“ Die Stadt sei damals „naiv“ an den Kauf herangegangen, „wir wussten nicht über den Zustand des Gebäudes Bescheid. Wir hätten es nie kaufen dürfen!“ Zumal der Leerstand ja auch Geld kostet: laut Verwaltung 30 000 Euro pro Jahr.
Tobias Stephan (CSU) merkte an, dass er von einem „FDPler“ wie Seidl „mehr Vertrauen in den Markt erwartet hätte“. Seidls kleine Lösung, nur die Gaststätte zu sanieren, bedeute ja nichts anderes als dass der Rest des Gebäudes weiter „vor sich hin bröselt“. Und selbst wenn sich ein Investor entscheidet, den Zieglerbräu nicht mehr als Gaststätte zu nutzen, „dann wird die Altstadt auch nicht aussterben. Wir sollten auf die Kraft privater Initiativen und Unternehmergeist vertrauen“. Martin Modlinger betrachtete es zudem mathematisch: Die Gaststätte macht fünf Prozent des Gesamtgebäudes aus. Da mache es doch „keinen Sinn, 1,5 Millionen Euro für fünf Prozent auszugeben“!
OB Hartmann gab sich optimistisch, dass sich mit einem guten Exposé schon ein geeigneter Partner finden ließe, sodass am Ende „zumindest die schwarze Null steht“. Bei der denkmalgeschützten Zieglervilla sei genau dies bereits geglückt. Vielleicht, so Hartmanns Hoffnung, sei dieses Kunststück beim namensähnlichen Zieglerbräu ja noch einmal möglich?