Zwischen zwei Welten: Anthony Woodson über den US-Wahlkampf

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In Hebertshausen daheim: Anthony Woodson. © Privat

Anthony Woodson, Doppelbürger der USA und Deutschland, lebt in Hebertshausen. Er beobachtete den jüngsten US-Wahlkampf mit gemischten Gefühlen. Die Dachauer Nachrichten haben nachgefragt.

Anthony Woodson (40) hat sowohl die deutsche als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, er ist in beiden Staaten aufgewachsen und zuhause. Seit einigen Jahren wohnt er mit Frau und Töchterchen in Hebertshausen, arbeitet im Außendienst. Die Dachauer Nachrichten wollten von Woodson wissen, wie er den Wahlkampf und das Ergebnis empfunden hat.

Wie haben Sie die Wahlnacht verbracht?

Anthony Woodson: Da ich am nächsten Tag eine Schulung hatte, konnte ich nicht so viel verfolgen. Ich bin aber den ganzen Morgen von 5 bis 8 Uhr vor dem Fernseher gesessen.

Haben Sie auch den Eindruck, dass sich in den USA in der Gesellschaft und in der Politik inzwischen zwei unversöhnliche Lager gegenüberstehen und dass der Wahlkampf den Spalt noch vergrößert hat?

Ich denke, dass die zwei Lager schon immer da waren und dass sie auch unversöhnlich bleiben werden, weil die Amerikaner nicht wirklich offen sind, wenn es um das Anhören oder gar Akzeptieren anderer Meinungen geht. Ja, der Spalt ist deutlich größer geworden, vor allem in diesem Wahlkampf. Ich denke, das ist auch gewollt, damit man so immer die andere Hälfte der Bevölkerung ein bisschen kontrollieren kann. Und wenn es nur zwei Möglichkeiten gibt, hat man immer rund 50 Prozent der Stimmen sicher.  

Wie intensiv haben Sie den Wahlkampf verfolgt?

Ich verfolge es schon, auch weil meine Eltern und beide Geschwister in Amerika leben und sie davon betroffen sind. Ich nehme mir da schon Zeit, die Nachrichten und die Entwicklung zu verfolgen. Mir ist deutlich geworden, wie eingeschränkt die Sichtweise der Amerikaner ist, da sie nicht wirklich offen sind und andere Kulturen mit offenen Armen empfangen. „America first“ halt. 

Trump und Harris: Welche Hoffnungen oder Befürchtungen haben Sie mit den beiden Kandidaten verbunden?

Ich hatte gehofft, dass es Harris schafft, da sie in meinen Augen viel für die Bevölkerung getan hätte und zugleich pro Nato ist. Mit ihrer „Open Door Policy“ hätte sie generell die nötige Unterstützung ermöglicht, was Nato oder andere Länder betrifft. Trump wird meiner Meinung nach bestimmt auch Gutes für Amerika tun, siehe „America First“. Aber gleichzeitig ist einfach sein Charakter und sein Ego gefährlich, und auch sein zwiegespaltenes Verhältnis der Nato gegenüber.

Haben Ihrer Meinung nach die Demokraten zu spät umgeschwenkt von Biden auf Harris, glauben Sie, ein längerer Wahlkampf oder ein anderer Kandidat hätte etwas geändert?

Ja, ich glaube, hätte Harris von Anfang an kandidiert, hätte sie schon mehr Wähler für sich gewinnen können und dann wäre es ein fairer Wettbewerb geworden. So glaube ich, hatten sich viele schon entschieden. Und dann reichte einfach die Zeit nicht mehr, um die Wähler umzustimmen. 

Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld, werden Sie heute oft auf den Wahlausgang angesprochen? Und wie sieht es Ihre Familie?

Ja, tatsächlich werde ich darauf angesprochen, und viele wollen einfach meine Meinung dazu hören, aus der Sicht eines Amerikaners. Meine Familie ist politisch nicht sehr interessiert. Mein Vater arbeitet als Zivilist für die US Army, also wird die Wahl nicht ganz so große Auswirkungen haben. Meine Frau interessiert sich nicht so für Politik und hat ja erst, seit sie mich an ihrer Seite hat, Berührungspunkte zu Amerika. 

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