Die Verantwortlichen des ESV Dachau sind optimistisch, dass die Landkreisbürger in zwei Jahren auf einer topmodernen Eisfläche an der Gröbenrieder Straße ihre Runden werden drehen können. Wie dieser mehrere Millionen Euro teure und bayernweit einzigartige Plan umgesetzt werden kann, erläuterten die beiden Vorsitzenden am Dienstag bei einem Pressegespräch.
Da die Stadt kein Geld hat, um seine 40 Jahre alte Kunsteisbahn durch eine neue zu ersetzen, hat vor gut einem halben Jahr der ESV Dachau offiziell vom Stadtrat die Erlaubnis erhalten, sich in Eigenregie um einen Neubau zu kümmern. Der Eissport, so das allseits formulierte Ziel, dürfe nicht sterben. Die Lösung, den vergleichsweise kleinen Verein eine Eisfläche selbst bauen und betreiben zu lassen, erschien den Verantwortlichen in Stadt und Stadtrat – trotz früherer Bedenken – alternativlos.
Am Dienstagvormittag stellten Stefan Steurer und Thomas Bakomenko, die beiden Vorsitzenden des Eissportvereins, nun den Fortschritt dieses bayernweit einzigartigen Projekts vor. Dem Termin vorausgegangen war laut Steurer die Erkenntnis, dass wir „extrem viel kommunizieren müssen. Das ist ein großes Projekt, wir sind ein kleiner Verein“. Die Menschen in Stadt und Landkreis – und zwar nicht nur die Eissportfreunde – sollen damit sehen, „dass wir nicht blauäugig, sondern mit Knowhow und festen Vorstellungen an die Sache rangehen“.
Teil dieser Kommunikationsstrategie ist nun, dass das Projekt offiziell einen Namen bekommt: Eisarena Dachau. Vor allem über die neue Internetseite www.eisarena-dachau.de soll kontinuierlich über das Vorhaben informiert werden.
Was die Planung der Eisarena betrifft, gibt es ebenfalls schon Neues zu vermelden. Mit dem ASV sei man sich über den Zuschnitt des Grundstücks, das im Süden des ASV-Geländes liegt und auf dem heute noch drei Tennisplätze sowie eine kleine Funktionshütte der ASV-Tennisabteilung untergebracht sind, einig. Der Bebauungsplan, der dem ESV Baurecht ermöglichen wird, liegt zwar noch im Bauamt der Stadt, werde aber, so Steurers Hoffnung, bald den Stadträten zur Verabschiedung vorgelegt. Anschließend würde der ESV einen entsprechenden Bauantrag einreichen.
Dieser Bauantrag wird eine überdachte Eisfläche sowie einen Kabinentrakt beinhalten. Ein nach Süden ausgerichtetes Pultdach wird mit Photovoltaik ausgestattet und – im Vergleich zur jetzigen Eisfläche – zu deutlich niedrigeren Energiekosten führen. Laut zweitem Vorsitzenden Bakomenko verschlinge vor allem das „Machen von Eis“ im September viel Energie. Diesen Strom soll künftig im Spätsommer die Solaranlage auf dem Dach liefern. „Das Halten“ des Eises über den Winter brauche weniger Strom und lasse sich mit entsprechend weniger Sonnenstrom ebenfalls garantieren. Auch die Technik, so Steurer, werde topmodern: Statt auf eine betonierte Piste setze man auf ein Kunststoffsystem. In Summe, so verspricht er, werde die Arena „extrem energieeffizient“!
Eine unendliche ㈠Eis-Geschichte
Der Anfang 2016 gegründete Eissportverein Dachau Woodpeckers, kurz ESV Dachau, stellte im Juli 2016 bei der Stadt den Antrag, die städtische Eisfläche an der Gröbenrieder Straße zu ertüchtigen. Die Stadt hatte andere Pläne: Statt ihre Kunsteisbahn zu sanieren, wollte sie eine gänzlich neue Halle ans südliche Ende des ASV-Geländes bauen; entsprechende Beschlüsse fielen im Jahr 2019. Das Problem: Für eine neue Eisbahn hat die Stadt mittlerweile kein Geld mehr, dem Eissport in Dachau droht langfristig das Ende. Einzige Lösung: Der 350-Mitglieder-Verein ESV baut und betreibt seine Sportstätte selbst.
Was die Finanzierung betrifft, planen die ESV-Verantwortlichen weiter mit Gesamtkosten von 6 bis 7 Millionen Euro. Rund 30 Prozent sollen vom Bayerischen Landessportverband (BLSV) kommen – der mit dem Projekt ebenfalls Neuland betritt. Noch nie habe der BLSV eine Eishalle gefördert, sondern immer nur Turnhallen, berichtet ESV-Mann Steurer stolz. Einen weiteren großen Teil sollen Großsponsoren sowie der Verkauf des Namensrechts an der Eisarena bringen. Über Einnahmen aus Schlittschuhverleih, Eintritt, Zuschüssen der Stadt und des Fördervereins sowie Mitgliedsbeiträgen soll weiteres Geld fließen. Kleinspenden von Bürgern werden ebenfalls gern gesehen – die Infos dazu gibt es auf der neuen Internetseite.
Was den Erbpachtzins betrifft, hofft der ESV auf das Entgegenkommen der Stadt, der ja die Fläche gehört. Bislang, so betont der Vorsitzende, sei man aber in „guten Gesprächen“. Schließlich gebe es neben der Erbpacht und den bauplanerischen Fragen ja auch noch weitere Details zu besprechen, vor allem hinsichtlich der Nutzungszeiten und -gebühren für den Schulsport und den Publikumslauf.
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Dass die Einnahmen aus Eintritten in der neuen Arena steigen werden, davon sind Steurer und Bakomenko überzeugt. Denn: Das Dach über der Eisfläche schafft Wetterunabhängigkeit – nicht nur im Winter. „Das Inlineskaten ist im August bei 36 Grad unter einem schattigen Dach schöner als in der prallen Sonne.“ Steurer zufolge habe man der Stadt daher auch angeboten, die multifunktionale Fläche auch im Sommer für Schulsport zu nutzen. „Events“, etwa ein Publikumslauf mit Discomusik, sollen die Jugend auch in ihrer schulfreien Zeit in die künftige Eisarena locken. „Es soll eine Anlage für die ganze Stadt, für alle werden“, hofft denn auch dritte Vorsitzende Gabriele Wieneck-Vilano.
Die Resonanz der ESV-Mitglieder auf die Pläne sei bislang „einhellig positiv“, betont Vorsitzender Steurer. Aber klar: Eine andere Lösung gebe es auch nicht. Zwar sei die jetzige Kunsteisbahn noch gut in Schuss, „sie würde schon noch paar Jahre halten“. Langfristig aber sei sie, aus energetischen wie auch umwelttechnischen Gründen, schlicht nicht mehr sinnvoll. Und früher oder später werde ja auch die neue Schererhalle, in welcher Form auch immer, gebaut – und zwar auf der Fläche, auf der heute noch die Kunsteisbahn steht.
Mit der Stadt sei daher vereinbart, so Steurer, dass schon im Herbst 2025 der Rückbau der drei ASV-Tennisplätze erfolgen und das Areal für den Bau der neuen Eisarena vorbereitet werden soll. Die Bauarbeiten selbst dürften laut Steurer und Bakomenko bis Sommer 2026 beendet sein. Die große Frage sei dann nur noch: „Was wird schneller eröffnet? Das Hallenbad oder unsere Eisarena?“